Seite 5: Rund wie ein Lenker

Natür­lich fährt Wolle direkt nach Mön­chen­glad­bach. Wenn er heute in seiner Mön­chen­glad­ba­cher Woh­nung davon erzählt, werden dem Rau­bein von früher die Augen feucht. Wie er damals bei seinem Glad­ba­cher Brief­freund Ralf London klin­gelt. Wie er wenig später das erste West­bier seines Lebens trinkt. Und schon am nächsten Tag beim Pokal­spiel in Solingen wie ein Joint durch die Kurve gereicht wird.

Fazit der ersten Begeg­nung mit der großen Liebe: Am Ende des Tages war ich rund wie ein Lenker.“ Sein Kumpel Steffen kommt erst nach der Wende. Da hat sich Wolle bereits ein neues Leben auf­ge­baut. Ein Leben im Zei­chen der Borussia.

Das beson­dere Ende

Die Jahre nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung ver­laufen nicht weniger ereig­nis­reich, aber davon muss Wolle ein andermal erzählen. Er raucht noch eine Ziga­rette, seine leicht beschla­genen Augen sagen: Aus Gründen der Nost­algie sind wir gleich wieder für sie da. In seinem Kopf die großen Schlag­wörter seines Lebens: Glad­bach, DDR, Stasi, Rebel­lion, Frei­heit, Wende. Schmerz.

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Robert Eikel­poth

Dann ist er wieder da und wünscht sich ein beson­deres Ende für seine Geschichte. Er erzählt von seinem Freund Andreas Bött­cher, der vor Jahren viel zu früh ver­starb. Botte“ habe ihn schon zu DDR-Zeiten ein ums andere Mal aus brenz­ligen Situa­tionen befreit, ein echter Kumpel. Botte teilte Wolles Lei­den­schaft für die Borussia, nach der Wende sah man sie häufig zusammen im Block stehen und schreien, auch mal die Fäuste schwingen. Als Mön­chen­glad­bach 1995 den DFB-Pokal gewann, lagen sich die Freunde wei­nend in den Armen.

Weil das nicht nur ein­fach ein gewon­nenes Spiel war, son­dern ein ein­ge­löstes Ver­spre­chen. Viele Jahre vorher hatten die beiden mal wieder eine Nacht in einer Sta­si­zelle ver­bringen müssen. Kann man weiter von der Frei­heit ent­fernt sein, wenn man mor­gens auf einer Prit­sche auf­wacht und das Fenster Gitter hat? Doch Wolle hatte zu Botte gesagt: Die können uns hier nicht ewig drin behalten. Irgend­wann gehen wir zur Borussia, wann immer wir wollen.“ Und Wolle behielt recht.