Es ist der 12. August 2009. In der WM-Qua­li­fi­ka­tion muss die US-Natio­nal­mann­schaft im alt­ehr­wür­digen Azte­ken­sta­dion gegen den Nach­barn aus Mexiko ran. Zwi­schen den beiden Mann­schaften steht eine Riva­lität, die sich auch vor Klas­si­kern wie Deutsch­land gegen Hol­land nicht ver­ste­cken muss. Es sind erst neun Minuten gespielt. Nach einem Steil­pass von Landon Donovan steht Charlie Davies frei vor Guil­lermo Ochoa. In seinem zwölften Län­der­spiel ver­senkt der damals 23-Jäh­rige den Ball eis­kalt im rechten Eck und bringt durch das Tor zum 1:0 über 100 000 Mexi­kaner zum Schweigen.

Auch wenn das Spiel mit 1:2 ver­loren geht, wird Davies durch dieses Tor im ganzen Land bekannt. Im Sommer 2009 ist er in der Form seines Lebens. Gerade erst ist er zum FC Sochaux in die Ligue 1 gewech­selt.
 
Zwei Monate später steht der Stürmer Davies wieder im Kader für das letzte Grup­pen­spiel gegen Costa Rica in Washington, D.C. Das Ticket für die Welt­meis­ter­schaft in Süd­afrika haben die US-Boys schon gesi­chert. Den Abend vor dem Spiel, es ist der 13. Oktober 2009, ver­bringt Davies in einem Nacht­club in Washington, wo er zwei Frauen ken­nen­lernt. Er ent­scheidet sich, mit ihnen den Club zu ver­lassen.

Das rechte Bein war vier Zen­ti­meter kürzer

Was Davies nicht weiß: Zumin­dest eine der beiden hat an dem Abend Alkohol getrunken. Es ist die Fah­rerin des Wagens. Auf dem Washington Memo­rial Parkway ver­liert sie die Kon­trolle über den Wagen und rast in eine Leit­planke. Der Wagen wird buch­stäb­lich zwei­ge­teilt, die Bei­fah­rerin ist sofort tot. Davies über­lebt den Unfall auf dem Rück­sitz nur knapp.

Im Kran­ken­haus dann die nie­der­schmet­ternde Dia­gnose: Rechtes Schien­bein, Ober­schenkel und linker Ellen­bogen gebro­chen, meh­rere Gesichts­frak­turen und ein Riss in der Blase. Vor dem Unfall träumte Davies schon von der Welt­meis­ter­schaft. Nun rät­seln die Ärzte, ob er wieder laufen kann. Eine Woche später kann Davies das Kran­ken­haus ver­lassen. Doch statt sich wie seine Natio­nal­mann­schafts­kol­legen auf eine Welt­meis­ter­schaft vor­zu­be­reiten, muss er das Laufen neu erlernen – mit einem rechten Bein, das nach der mehr­stün­digen Ope­ra­tion fast vier Zen­ti­meter kürzer ist als das andere.

Es ist nicht der erste Rück­schlag, den Charlie Davies auf seinem Weg zu Fuß­ball­profi weg­ste­cken muss.

Er war schneller, stärker und härter“

In seinem ersten Jahr an der Brooks High School war Davies talen­tiert, aber phy­sisch zu schwach. Also schloss er sich dem Rin­ger­team an. Ein Jahr später war er Lan­des­meister im Fuß­ball und im Ringen. Er war schneller, stärker und härter als sein Gegen­über. Es war nicht mal ein Wett­kampf“, erin­nert sich sein ehe­ma­liger Rin­ger­coach Alex Kono­val­chik auf der schul­ei­genen Home­page.

In den letzten beiden High School-Jahren schoss sich Davies an der Brooks High School mit 73 Toren in die Rekord­bü­cher. Zu der Zeit war er so gut, dass er bei einem Spiel fünf Minuten zu spät kam, sich ein­wech­selte, drei Tore schoss, und in der Halb­zeit wieder heim fuhr.