11FREUNDE am Morgen

ist unser neuer News­letter. Pünkt­lich um 7 Uhr mor­gens ver­sorgt euch Chef­re­dak­teur Philipp Köster an jedem Werktag mit den wich­tigsten Nach­richten des Fuß­ball­tages. Hier könnt ihr abon­nieren.

Es geht immer noch ein biss­chen schmut­ziger. Schien sich bis ges­tern der Macht­kampf beim Deut­schen Fuß­ball­bund auf Prä­si­dent Fritz Keller, seinen Vize Reiner Koch, Gene­ral­se­kretär Fried­rich Cur­tius und in einer blassen Neben­rolle auch Schatz­meister Ste­phan Osna­brügge zu beschränken, mischt nun auch die Deut­sche Fuß­ball-Liga und ihr Boss Chris­tian Sei­fert mit. Der stellte näm­lich Reiner Koch ges­tern brief­lich zur Rede und begehrte in scharfem Ton Aus­kunft dar­über, ob Koch am ver­gan­genen Wochen­ende auf dem Kri­sen­gipfel der Lan­des­ver­bände Potsdam über mög­liche Pläne der DFL und die beruf­liche Zukunft von Sei­fert spe­ku­liert habe. Tenor der Kol­por­tage, die über eine Anfrage des Spiegel“ an Sei­fert her­an­ge­tragen worden war: Der DFL-Geschäfts­führer plane nach seiner Demis­sion 2022 umge­hend eine Koope­ra­tion mit einer Pri­vate-Equity-Firma, um sich dann gemeinsam das ver­markt­bare Tafel­silber des DFB, also vor allem die Län­der­spiele und den DFB-Pokal, an sich zu reißen. Die Pro­bleme des Fuß­ball­bundes ließen sich nicht durch den Aufbau ima­gi­närer Feind­bilder und aben­teu­er­li­cher Ver­schwö­rungs­theo­rien“ lösen, schrieb Sei­fert.

Was Koch, der seit Wochen um seinen Posten kämpft, nicht auf sich sitzen lassen wollte: Ihre ent­spre­chende Behaup­tung, mitt­ler­weile bun­des­weit in allen Kanälen medial bes­tens gestreut, ist frei erfunden“, keilte der Vize­prä­si­dent umge­hend zurück. Was aller­dings die Frage auf­wirft: Von wem? Von Sei­fert, der dafür einem Spiegel-Jour­na­listen über Umwege diese Gerüchte gesteckt haben müsste, damit der ihn damit kon­fron­tiert und Sei­fert so in die Offen­sive gehen konnte? Klingt ein wenig absurd. Inso­fern ist die umfang­reiche Ver­tei­di­gungs­rede des Vize­prä­si­denten Koch, der sich ja seit Jahren hin­ge­bungs­voll als letzter ver­blie­bener Anwalt des Ama­teur­fuß­balls gegen den schur­kigen Pro­fi­be­reich inze­niert, mit großer Vor­sicht und einer gewissen Freude an Comedy-Ele­menten („Ich stehe für die Ein­heit von Profi- und Ama­teur­fuß­ball“) zu lesen.

Es ist dies aber ohnehin nur der letzte Akt in diesem Drama. Inzwi­schen mehren sich die Zei­chen, dass Prä­si­dent Fritz Keller, eine Ver­ur­tei­lung durchs DFB-Sport­ge­richt vor­aus­ge­setzt, zu einem geord­neten Rückzug bereit wäre. Ebenso hatte Gene­ral­se­kretär Cur­tius nach dem Post­damer Scher­ben­ge­richt ange­kün­digt, er sei bereit, auch über seine eigene Zukunft zu spre­chen. Und Schatz­meister Osna­brügge will eh 2022 auf­hören.

Müsste also nur noch Reiner Koch los­lassen können. Es wird aller­höchste Zeit.

A60c9aaf 61f7 469e 2bf5 656e27687c09
imago images

Uefa-Regu­la­rien

Das wird eine bizarre Euro 2021. Dass die UEFA den teil­neh­menden Mann­schaften die Mit­nahme von 26 statt 23 Spie­lern erlaubt, hatten wir ja schon ver­meldet. Nun aber hat der euro­päi­sche Fuß­ball­ver­band die genauen Spe­zi­fi­ka­tionen ver­öf­fent­licht – und die zeigen, wie sehr die einst strengen Regu­la­rien auf­ge­weicht werden, bloß um dieses Tur­nier inmitten der Pan­demie über die Bühne zu bekommen. Bis zum ersten Spiel können dem­nach Kicker nach­no­mi­niert werden. Wenn also im Trai­nings­lager fünf Spieler erkranken, können ebenso viele nach­rü­cken. Wäh­rend des Tur­niers müssen pro Spiel drei­zehn spiel­fä­hige und negativ getes­tete Spieler pro Team antreten, gelingt das einer der Mann­schaften nicht, muss das Spiel binnen 48 Stunden nach­ge­holt werden. Gelingt auch das nicht, wird das Spiel gegen das Team mit den Corona-Fällen gewertet. Sport­schau-Experte Chaled Nahar ist noch eine Neue­rung auf­ge­fallen: Aus­drück­lich erlaubt sich die UEFA, dass bei Infek­tionen im Schieds­richter-Team auch Unpar­tei­ische aus einem der beiden betei­ligten Länder nomi­niert werden können. Diese müssen zudem nicht zwin­gend auf der FIFA-Liste stehen – beides sehr unüb­lich.“

Zitat des Tages

Wir waren wieder unglaub­lich effektiv, genau wie im Hin­spiel. Das hat den Unter­schied gemacht.“

So wie der Doppeltorschütze Riyad Mahrez kann man das schockierend langweilige Habfinale zwischen Manchester City und Paris St.Germain (2:0) natürlich auch beschreiben
38b17966 851b 2178 fd28 8603fa93d906
imago images

Fan­mär­sche gefährdet

In NRW plant die Lan­des­re­gie­rung die nächste Attacke auf die orga­ni­sierten Fan­szenen. Und sie ver­birgt sich hinter dem sper­rigen Namen des Para­gra­phen 18 des VersG‑E NRW“, des Ver­samm­lungs­ge­setzes. In diesen Para­graph wird ein soge­nanntes Mili­tanz­verbot gere­gelt, nachdem öffent­liche Ver­samm­lungen ver­boten werden könnten, wenn Teil­nehmer infolge des äußeren Erschei­nungs­bildes 1. durch das Tragen von Uni­formen, Uni­form­teilen oder uni­form­ähn­li­chen Klei­dungs­stü­cken, 2. durch ein para­mi­li­tä­ri­sches Auf­treten oder 3. in ver­gleich­barer Weise Gewalt­be­reit­schaft ver­mit­teln oder ein­schüch­ternd wirken“. Der dritte Punkt dieser Auf­zäh­lung ist derart schwammig gefasst, dass jeder Fan­marsch unter diese Begriffe gefasst werden könnte“, wie die NRW-Fan­hilfen befürchten. Nicht zu Unrecht, wie eine Stel­lung­nahme der Hoch­schule der Polizei für den Innen­aus­schuss des Land­tages zeigt. Darin erkennt ein Sach­ver­stän­diger beim Mili­tanz­verbot ein durchaus bestehendes prak­ti­sches Bedürfnis z.B. bei Profi-Fuß­ball­spielen‘‘. Am Don­nerstag wird der Ent­wurf im Innen­aus­schuss des Land­tages dis­ku­tiert.

715232b5 7b2c a432 a08a ae2f09309180
imago images

Jubi­läum (Ost)

Vor dreißig Jahren wurde Hansa Ros­tock letzter DDR-Meister. Und ich emp­fehle euch dazu unser wun­der­schönes Inter­view mit den Rou­ti­niers Juri Schlünz und Axel Schulz. Wenn man den beiden glauben kann, so war der damals frisch ver­pflich­tete Coach Uwe Rein­ders der Garant des Titel­ge­winns. Schlünz konnte sich noch gut an die erste Trai­nings­ein­heit erin­nern. Er sagte uns:​‚Jungs, ich bin immer für euch zu errei­chen. Hier ist meine Tele­fon­nummer.‘ Als er die Zettel ver­teilen wollte, sagte ich:​‚Trainer, ich habe gar kein Telefon.‘ Er schaute mich an, als hätte ich ihm gerade gesagt, ich sei vom Mars. Dann mel­deten sich auch meine Kol­legen. Ein Telefon war damals in Ros­tock eine Sel­ten­heit.“ Und auch andere Gepflo­gen­heiten im Osten brachten Rein­ders ins Staunen, wie Schlünz erzählt : Nach einer Trai­nings­ein­heit am Nach­mittag sagte Uwe zu uns:​‚Jungs, jetzt geht ihr in die Sauna, lasst euch mas­sieren, dann geht’s um 19 Uhr nach Hause.‘ Ich sagte:​‚Das geht nicht!‘ Wieso?‘​‚Ich muss um halb sechs meine Kinder aus dem Kin­der­gerten abholen. Meine Frau hat heute Spät­schicht.‘ Für ihn war das unbe­greif­lich.“

Pro­test gegen Restrik­tionen

Fan­kurven leer, Kauf­häuser rap­pel­voll? In Schweden dürfen der­zeit auf­grund staat­li­cher Restrik­tionen nur acht Zuschauer pro Spiel ins Sta­dion. Zugleich drän­geln sich jedoch in den Ein­kaufs­zen­tren die Men­schen. Nur logisch also, dass Anhänger des Stock­holmer Klubs AIK Solna ihre Fan­kurve kur­zer­hand in ein geöff­netes Ein­kaufs­zen­trum ver­legten. Meh­rere hun­dert Fans schwenkten Fahnen und sangen Lieder. Die For­de­rung stand auf einem Trans­pa­rent: Der Fuß­ball ver­dient mehr als acht Per­sonen“

Ab 21 Uhr wird der zweite Teil­nehmer des Cham­pions-League-Finales ermit­telt. Leicht bes­sere Karten hat der FC Chelsea, dessen Coach Thomas Tuchel mit dem End­spiel­einzug eine ganz beson­dere Geschichte schrieben könnte. Höchst respek­tabel jeden­falls, wie er aus dem kri­selnden Chelsea eine sta­bile Spit­zen­mann­schaft gemacht hat. Wir drü­cken die Daumen.

Kommt gut in den Mitt­woch.

Philipp Köster