Was pas­sieren kann, wenn ein Unter­nehmen Unsummen auf dem aus­län­di­schen Markt inves­tiert, ohne alle Risiken des Deals genau abzu­wägen, zeigt aktuell der Bayer-Kon­zern. Für ein Fan­tas­ti­li­arde hat sich die deut­sche Firma in den USA den Gly­phosat-Her­steller Mon­s­anto ein­ver­leibt. Die Lever­ku­sener wussten, dass in Übersee Klagen gegen das Agrar­un­ter­nehmen anhängig waren, kauften sich trotzdem ein, und kas­sierten nun Urteile, die den Bör­sen­wert von Bayer fast hal­bierten.

Ob Uli Hoeneß beim Blät­tern in den Wirt­schafts­seiten dieser Tage wohl der Schweiß aus­brach, als er vom Nie­der­gang der Bayer-Aktie las? Schließ­lich hat der FCB-Impressario und lei­den­schaft­liche Zocker ange­kün­digt, dass sein Verein es in diesem Sommer mal wieder so richtig kra­chen lassen wolle auf dem Trans­fer­markt. Mög­li­cher­weise kommt da ein Invest von mon­s­an­to­schen Aus­maßen auf den deut­schen Fuß­ball zu. Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben für die kom­mende Saison“, hat Hoeneß gesagt. Der Klub von der Säbener Straße wolle klotzen“.

Rekord­summe ver­dop­pelt

Dass Hoeneß es ernst meint, zumin­dest was die finan­zi­ellen Auf­wen­dungen anbe­trifft, steht seit ges­tern Abend fest. Für 80 Mil­lionen Euro kaufen die Bayern den 23-jäh­rigen Lucas Hernández aus seinem Ver­trag bei Atlé­tico Madrid. Und ver­dop­peln damit im Hand­streich die bis­lang höchste Ablö­se­summe, die in der Geschichte des Klubs geflossen ist. Für einen Abwehr­spieler. (Zum Ver­gleich: Für Mit­tel­feld­star Corentin Tolisso zahlten die Bayern 41,5 Mil­lionen Euro).

Hernández stillt die Sehn­sucht nach einem Fighter, den der FC Bayern nach dem Hin­ter­zimmer-Abgang von Arturo Vidal so schmerz­lich ver­misst. Dass der Fran­zose nicht nur auf dem Rasen bereit ist, kurzen Pro­zess zu machen, bewies er vor gut einem Jahr, als er sich derart mit seiner Gattin Amelia zoffte, dass die beiden von der Polizei abge­führt und vor Gericht zu einem Monat Sozi­al­ar­beit ver­don­nert wurden. Hernández ist der Pro­totyp des glo­ba­li­sierten Fuß­bal­lers. Sproß einer Fuß­bal­ler­fa­milie, der schon als Fünf­jäh­riger mit seinen Eltern von Mar­seille nach Madrid zog. Er spricht besser spa­nisch als fran­zö­sisch, machte nie einen Hehl daraus, dass der davon träumte, für La Furia Roja“ auf­zu­laufen. Doch als ihm Didier Deschamps den Hof machte und die spa­ni­sche Natio­nalelf par­allel durch ein Form­tief wankte, erin­nerte er sich seiner Wur­zeln, streife das Trikot der Équipe Tri­co­lore“ über – und wurde 2018 Welt­meister. Wie es halt so läuft!

Leise Zweifel an Her­nandez‘ Gesund­heit

Dass der gelernte Links­ver­tei­diger ein Welt­klas­se­spieler ist, steht außer Frage. Er kann sowohl außen spielen, als auch im Zen­trum, um die in die Jahre gekom­menen Kol­legen Mats Hum­mels und Jerome Boateng zu ersetzen. Unter Diego Simeone hat er mit der Mut­ter­milch auf­ge­sogen, nie­mals einen Ball ver­loren zu geben. Er haut sich rein, ist antritts­schnell und extrem ball­si­cher. Und den­noch ver­wun­dert die extrem hohe Summe, die die Bayern für ihn aus­geben. Dass sich der junge Hernández, der fast sein ganzes Leben in Madrid ver­bracht hat, schnell in Mün­chen hei­misch fühlen wird, steht wohl außer Frage. Schließ­lich wächst die fran­zö­si­sche Com­mu­nity im Bayern-Kader stetig. Aller­dings wurde bei der sport­me­di­zi­ni­schen Unter­su­chung ein Schaden an Hernández’ rechtem Knie dia­gnos­ti­ziert. Eine Ope­ra­tion erfolgt in Kürze.

Wie die Gly­phosat-Fälle bei Bayers Mon­s­anto-Deal scheint auch die medi­zi­ni­sche Beur­tei­lung für die Münchner eher ein zu ver­nach­läs­si­gendes Pro­blem zu sein. Fuß­ball ist eben ein Geschäft mit Träumen. Und die Trans­fer­his­torie der Bayern zeigt, dass sie in Zyklen ver­läuft. Sprich: Wenn die hohen Herren sich für einige Zeit Zurück­hal­tung bei hohen Invests ver­ord­neten, folgten oft auch Jahre in denen scheinbar kom­pro­misslos alle Schleusen geöffnet wurden – und teure Deals zur Not auch mit der Brech­stange durch­ge­zogen wurden. Etwa 2007 als nach Franck Ribery und Luca Toni auch noch Miro Klose ver­pflichtet wurde. Koste es, was es wolle.

Deutet man die Worte von Uli Hoeneß richtig, ist davon aus­zu­gehen, dass spä­tes­tens im Sommer auch die Schall­grenze von 100 Mil­lionen Euro für einen Spie­lerein­kauf über­schritten wird. Nicht nur, damit der FCB in der kom­menden Bun­des­li­ga­saison ohne dies­jäh­rige Läs­tig­keiten wieder schnur­stracks zur Meis­ter­schaft mar­schiert, son­dern auch, um sich für die Auf­gaben in Cham­pions League und womög­lich auch in der von ihnen mit­ge­planten euro­päi­schen Super­liga besser zu wappnen. Die Ver­pflich­tung von Lucas Hernández hat in dieser Gemenge­lage Signal­wir­kung, für alles, was da noch kommt. Nun muss sich zeigen, ob der FC Bayern alle Risiken dieses enormen Invests auch sorgsam abge­wogen hat.