Seite 4: Machen die Modefans alles kaputt?

Auf einmal erhellt sich sein Gesicht. Diana, die Königin“, jubelt Rolf, und Diana knufft ihn in die Seite. Erzähl mal, wie war dat bei dir?“ Diana zieht an der Ziga­rette. Sie sagt, sie sei zwi­schen 1980 und 1990 ver­mut­lich die ein­zige Frau im Sta­dion gewesen. Die Eltern dachten, dass sie Leh­rerin wird, aber hallo, wie sollte das denn gehen? In der DDR war ja sams­tags Schule, und da hatte sie keine Zeit, da spielte der FCM. 

Wie viele hier hat Diana die gol­denen Sieb­ziger des Klubs nur als Kind mit­be­kommen. Einiges kennt sie vom Hören­sagen, anderes aus dem Fern­sehen. Für sie würde mit dem Auf­stieg ein Traum in Erfül­lung gehen. Oder? Es gibt zwei Seiten“, sagt sie. Einmal sei da natür­lich der sport­liche Erfolg, die präch­ti­geren Sta­dien, die erfolg­rei­cheren Klubs. Für die Größten der Welt natür­lich pas­send.

Dis­kus­sionen um Mode­fans

Jeden­falls, Köln, Ham­burg, Dresden, das ist was anderes als Meppen, Groß­as­pach und Unter­ha­ching. Aber der Erfolg zieht natür­lich auch neue Fans an, Eventis“ nennt die Königin sie. Neu­lich aus­wärts in Ros­tock, paar Mäd­chen, die sich nur über ihre Nägel unter­halten haben. Und die kriegen dann eins von den 2000 Aus­wärts­ti­ckets ab. Das ist doch blöd.“ In einer anderen Gruppe ent­facht darauf eine Dis­kus­sion um junge und alte Fans, soge­nannte Mode­fans, Ultras und den ganzen Rest.

Wir sind eine Ein­heits­front! Und das ist toll!“ – Ich finde die Ultras gut, außer das mit der Pyro. Wenn’s ver­boten ist, sollen die das auch sein lassen.“ – Die haben mir schon Schläge ange­droht, weil ich nicht mit­ge­sungen habe.“ – Ach, die sollen mal ruhig sein. Sollen erst mal dahin scheißen, wo wir hin­ge­schissen haben.“ – Bei Mag­de­burg stehen alle zusammen, Ultras und Nor­malos, Junge und Alte. Das ist doch das Schöne! Das macht uns so stark!“ 

Die Größten der Welt!

Und dann explo­diert der Feu­er­werks­körper. Eine Rauch­bombe soll es gewesen sein. Aber nie­mand hat etwas gesehen. Also weiter, Rich­tung Ein­gang. 11 067 Zuschauer ver­teilen sich im Sta­dion, der Gäs­te­be­reich ist voll. Drei Capos geben Stim­mung und Takt vor. Wer sein Handy zückt, wird abge­mahnt. Wer nicht mit­macht, bekommt auch einen Spruch gedrückt. Heute brennt hier nichts, dafür wackelt aber die Tri­büne, als der FCM nach einer guten Stunde in Füh­rung geht. Sie singen: Wir war’n noch nie­mals in Paris, wir war’n noch nie­mals in Madrid, doch wir haben euch kämpfen und siegen geseh’n in Ost­deutsch­land!“

Fünf Minuten vor Ende der Partie – Pader­born hat post­wen­dend aus­ge­gli­chen – holt der Chef­capo ein letztes Mal Luft und krächzt in sein Megafon, dass man Sorge hat, seine Stimm­bänder würden gleich aus dem Mund fallen: Das hier ist fürs Team! Das hier soll sie bis zum Ende der Saison tragen. Also los: FC Mag­de­burg, du bist nie­mals alleine! Wir sind die Größten der Welt!“

Und dann liegen sie sich wirk­lich alle in den Armen: der 15-jäh­rige Ultra, ein Mann mit weißem Haar und einem Anste­cker auf seiner Hut­krempe, ein Mäd­chen mit pinken Haaren und hell­blauen Fin­ger­nä­geln, und natür­lich Bock­wurst, Sven, Koile, Hütte und die Königin. Der Capo japst nach Luft, ein letztes Mal: Ich kann euch nicht hören. Alle jetze!“