Seite 3: 50 bis 80 Morddrohungen

Die Trans­fer­po­litik des Ver­eins ist das haupt­säch­liche Streit­thema zwi­schen dem Prä­si­denten und den Anhän­gern. Sie for­dern nach Jahren des Spar­kurses eine weniger prag­ma­ti­sche Aus­rich­tung. Vor allem der Ver­kauf von Leis­tungs­trä­gern stößt den Fans immer wieder negativ auf. Als Lotito im Januar 2014 Mit­tel­feld­spieler Her­nanes an Inter Mai­land ver­kaufte, gab es nicht nur wieder Pro­teste vor seiner Villa San Sebas­tiano, son­dern nach eigenen Angaben auch 50 bis 80 Mord­dro­hungen gegen ihn. Auch diesen Sommer ließ der 59-Jäh­rige einen Füh­rungs­spieler ziehen.

Elf ver­kaufte Dau­er­karten

Antonio Candreva, 29, wech­selte für etwa 23 Mil­lionen Euro, wieder war Inter der Abnehmer. Zwar schafft es der Unter­nehmer immer, das Maximum an Trans­fer­erlösen her­aus­zu­holen, den Lazio-Fans ist das aber trotzdem ein Dorn im Auge. Die Laziali sehen sich als die Erst­ge­bo­renen der Stadt“, erzählt Simo­nelli und fügt hinzu: Zu sehen, dass der ver­hasste Stadt­ri­vale seit Jahren erfolg­rei­cher spielt, tut ihnen weh.“

Am ersten Ver­kaufstag erwarben nur elf Per­sonen eine Dau­er­karte für die neue Saison, der Pro­test ist schon lange beim Durch­schnittsfan ange­kommen. Als Reak­tion besuchte Lotito mit einigen Spie­lern jene elf Anhänger und über­raschte sie mit einem nagel­neuen Trikot. Die Fotos wurden über Lazios soziale Netz­werke ver­öf­fent­licht, der Prä­si­dent lobte die letzten treuen Anhänger später öffent­lich: Vielen Dank für den unbe­dingten Glauben, den ihr bewiesen habt.“

Ein neuer Nega­tiv­re­kord

Doch der Glaube an ein Lazio ohne Dramen und Que­relen, er schwindet mehr und mehr. Die Anhänger sind all die Pein­lich­keiten und Wider­sprüche leid. Ins­ge­samt ver­kaufte Lazio nur 4000 Abos, das ist neuer Nega­tiv­re­kord in der Klub­ge­schichte. Zum ersten Heim­spiel der Saison, es war gleich das Spit­zen­spiel gegen Juventus, fanden ledig­lich 35.000 Men­schen den Weg ins Stadio Olim­pico, es war nicht einmal zur Hälfte gefüllt.

Lazio-Experte Simo­nelli glaubt nicht daran, dass sich das so schnell ändert, die Gräben zwi­schen Prä­si­dent und Fans seien bereits viel zu tief. Der Jour­na­list geht sogar noch einen Schritt weiter: Ich glaube Lotito ist der meist­ge­hasste Prä­si­dent im euro­päi­schen Fuß­ball.“ Warum jemand unter Pro­testen, Mord­dro­hungen und Poli­zei­schutz unbe­dingt einen Fuß­ball­klub leiten will, das weiß Simo­nelli indes ganz genau. Es gehe Lotito eben um Macht und Ein­fluss­nahme im Calcio, der andau­ernde Kon­flikt mit den Fans sei nicht viel mehr als ein Kol­la­te­ral­schaden, ein not­wen­diges Übel, das in Kauf zu nehmen ist.