Seite 2: Kein Angebot für Klose

Lotito gibt sich in der Öffent­lich­keit selten klein­laut, Beschei­den­heit ist keine seiner Tugenden. So bezeich­nete er die beiden letzt­jäh­rigen Serie A‑Aufsteiger Fro­si­none und Carpi als das Ende der Serie A“, da der Liga durch solch unat­trak­tive Mann­schaften Ein­nahmen aus den TV-Rechten ent­gehen würden. Carpi nannte Lotito in einem auf­ge­zeich­neten Tele­fonat gar einen Drecks­verein“.

Seit Jahren unter Poli­zei­schutz

All das wäre für die Lazio-Fans noch zu ertragen, wenn wenigs­tens der eigene Klub von der­ar­tigen Eska­paden ver­schont bliebe. Seit Jahren liegen Lotito und die Anhänger im Clinch. Vor seiner prunk­vollen Villa San Sebas­tiano, eine his­to­ri­sche Resi­denz in der römi­schen Han­dels­straße, ziehen in aller Regel­mä­ßig­keit Fan­scharen auf, um gegen den eigenen Prä­si­denten zu pro­tes­tieren. Er lebt dort seit Jahren unter Poli­zei­schutz“, erzählt Simo­nelli. Auf der Straße kommt es immer wieder zu Aus­ein­an­der­set­zungen mit den Lazio-Ultras, was das Ver­hältnis zwi­schen Lotito und den Fans zuneh­mend erschüt­tert.“

Zuletzt geschah das Mitte Juli, als sich Mar­celo Bielsa wei­gerte, die Stelle als Lazio-Trainer anzu­treten. Sämt­liche For­ma­li­täten waren geklärt, der Ver­trag bereits unter­zeichnet – den­noch fehlte der Argen­ti­nier, als schließ­lich sein Flieger am Römer Flug­hafen lan­dete. Ihm waren zum Amts­an­tritt meh­rere Spieler ver­spro­chen worden, die letzt­lich aber nie kamen. Lotito will von einer der­ar­tigen Ver­ein­ba­rung nichts gewusst haben und kün­digte in typi­scher Manier an, Bielsa auf 50 Mil­lionen Euro ver­klagen zu wollen.

Die Fans fühlen sich betrogen“

Es folgte eine ver­bale Schlamm­schlacht zwi­schen Lazio, Lotito und Bielsa, die offen über ita­lie­ni­sche und süd­ame­ri­ka­ni­sche Medien aus­ge­tragen wurde. Auf Unter­stüt­zung der Fans kann der Prä­si­dent in sol­chen Ange­le­gen­heiten schon lange nicht mehr zählen. Sie fühlten sich einmal mehr betrogen und ver­trauten voll und ganz den Aus­sagen von Bielsa“, erzählt Simo­nelli. Seit dieser Sache steht Lotito end­gültig alleine da.“ Den Trai­ner­posten hat mitt­ler­weile wieder Simone Inz­aghi über­nommen, der im Laufe der letzten Spiel­zeit Ste­fano Pioli ersetzte, dann aller­dings vieles schuldig blieb.

Der­ar­tige Wider­sprüche gehören mitt­ler­weile so sehr zu Lazio, wie der grimmig drein­schau­ende Adler, der das Wappen bewacht. Auch Publi­kums­lieb­ling Miroslav Klose erfuhr das am eigenen Leib. Er ging als Held der Tifosi, aller­dings im Clinch mit Sport­di­rektor Igli Tare. Dieser beteu­erte mehr­fach gegen­über den Medien, dass er dem Deut­schen zweimal einen Zwei­jah­res­ver­trag plus der Mög­lich­keit, anschlie­ßend in das Manage­ment der Haupt­städter zu wech­seln, unter­breitet habe. Weder mir noch meinem Berater lag ein münd­li­ches oder ein schrift­li­ches Angebot zu irgend­einem Zeit­punkt vor“, teilte Klose wenig später der Deut­schen Presse-Agentur“ mit.