Als es end­lich voll­bracht war mit der frü­hesten, spä­testen Meis­ter­schaft der Pre­mier-League-Geschichte, da machte Jürgen Klopp einmal mehr Jürgen-Klopp-Sachen. Sachen, wegen derer die Men­schen ihn so abgöt­tisch lieben, in Liver­pool und eigent­lich auch in so ziem­lich jedem anderen Winkel dieser Welt. Klopp war live auf Sen­dung, der eng­li­sche Bezahl­sender Sky Sport hatte ihn zuge­schaltet, und er sollte jetzt Worte finden für das, was da gerade pas­siert war. Für die erste Meis­ter­schaft von Liver­pool seit 30 Jahren, für die Gefühle, die dieser auf der Couch ein­ge­tü­tete Titel in ihm aus­ge­löst hatte, er sollte erzählen über den frü­hesten Saison-Zeit­punkt und das spä­teste Datum, an dem eine Meis­ter­schaft in Eng­land je fest­stand und über die beson­deren Umstände, auf­grund derer all das nun aus­ge­rechnet in der Fuß­ball­party-Metro­pole Liver­pool zunächst ohne Fuß­ball­party ver­ar­beitet werden muss.

Und Klopp? Stand da, im Trikot seiner Mann­schaft, als sei er ein Fan des Liver­pooler Wun­ders und nicht dessen Erschaffer, die Wangen gerötet, der Blick schon etwas bier­selig, und kämpfte mit den Tränen. Immer wieder rieb er sich die Augen. Um sich dann, im Moment seines wohl größten Tri­um­phes in einer an großen Tri­um­phen ja nicht armen Kar­riere, zunächst mal auf­richtig beim eben­falls zuge­schal­teten Kenny Dalg­lish und bei Steven Ger­rard zu bedanken. Weil dieser Titel auch den beiden größten Liver­pool-Legenden gehöre. In dem Wissen, wie sehr du, Kenny, uns unter­stützt hast, ist dieser Titel natür­lich auch für dich. Zumal du so lange darauf hast warten müssen, dass dein Verein die Meis­ter­schaft wieder gewinnt. Und für Stevie ist der Titel eben­falls, der ja auch ewig warten musste. Dieser Erfolg ist auf deiner Seele erbaut, Kenny, und auf der Legacy von Stevie. Die Jungs bewun­dern euch, für mich ist es leicht, sie zu moti­vieren, bei einer so großen Klub­ge­schichte.“ Jürgen-Klopp-Outfit. Jürgen-Klopp-Gefühle. Jürgen-Klopp-Sätze. Jürgen-Klopp-Sachen. Schnüff.

Fans auf aller Welt gönnen ihm den Erfolg

Es gibt aktuell keinen Fuß­ball­trainer, der gleich­zeitig so erfolg­reich und so beliebt ist wie Jürgen Klopp. Mit Liver­pool ist er seit ges­tern eng­li­scher Meister, amtie­render Cham­pions-League-Sieger und Klub­welt­meister. Er hat talen­tierte Spieler wie Trent Alex­ander-Arnold oder Andy Robertson zu über­ra­genden Spie­lern geformt, ver­meint­lich fer­tige Fuß­baller wie Mo Salah, Sadio Mané, Virgil van Dijk oder Roberto Fir­mino wurden unter Klopp zu den besten Spie­lern dieser Welt. Er ist mit seiner Mann­schaft zunächst geschei­tert, in der Europa League, im Duell mit Man­chester City, im Cham­pions-League-Finale. Dann hat er sie punk­tuell ver­bes­sert. Und alles abge­räumt. Nun kommt sie der Per­fek­tion in man­chen Spielen gefähr­lich nah. Und all das, ohne lang­weilig zu werden, ohne die großen, für den Fuß­ball sinn­stif­tenden Momente des Über­schwangs, die Last-Minute-Tore und uner­war­teten Auf­hol­jagden, aus­zu­lassen. 

Seine viel­leicht größte Errun­gen­schaft dabei: Fans auf aller Welt gönnen ihm den Erfolg. Natür­lich ist er nicht so stink­normal, wie er bei seiner Vor­stel­lung in Liver­pool einst auf Nach­frage erzählte, im Gegen­teil. Er ist in erster Linie in so ziem­lich allen Belangen ziem­lich gut. Aber er ist gleich­zeitig dann doch so normal, wie man eben sein kann, wenn fast jeder Mensch der Welt das eigene Gesicht kennt.