Seite 2: Vorstand gegen Fans

Ande­rer­seits ver­zichtet ein Teil der Bröndby-Anhänger in dieser Woche frei­willig auf den Sonn­tags-Besuch beim FC Kopen­hagen. Die Gruppen Bröndby Sup­port“ und Alpha“ pro­tes­tieren damit gegen die Redu­zie­rung des Aus­wärts-Kon­tin­gents (nur 1.400 Tickets), gegen die Ver­le­gung des Gäs­te­blocks und vor allem: gegen das angeb­lich noto­risch gewalt­tä­tige Ord­nungs­per­sonal des FC Kopen­hagen, das seinen Nach­wuchs gerüch­te­weise aus der FCK-Hoo­li­gan­szene rekru­tieren soll.

In einer gemein­samen öffent­li­chen Erklä­rung schrieb die gelb-blaue Gefolg­schaft aus Bröndby: Unser Fern­bleiben vom Derby soll den Ernst der Lage im Parken (Sta­di­on­name; Anm. d. Red.) unter­strei­chen und eine öffent­liche Debatte in Gang setzen über die Behand­lung, die wir Bröndby-Fans, aber auch Anhänger anderer Klubs dort erfahren.“ Schon im April 2016 war der harte Kern der Bröndby-Fan­szene dem Aus­wärts-Derby demons­trativ fern­ge­blieben.

Vor­stand vs. Fans

Rücken­de­ckung erhalten die Fans aus dem kleinen Küs­ten­städt­chen außer­halb Kopen­ha­gens von zahl­rei­chen Anhän­gern anderer däni­scher Erst­li­gisten. In einer Umfrage der Zei­tung BT unter den Fan­szenen aller 14 Super­liga-Klubs kürten immerhin acht der elf teil­neh­menden Ver­tre­tungen den FC Kopen­hagen zum schlech­testen Gast­geber“. Gäs­te­fans, so der Tenor, würden im Parken gemeinhin behan­delt wie Vieh.

Der Vor­stand von Bröndby IF distan­ziert sich den­noch vom Aus­wärts-Boy­kott der Fan­szene. Wenn einige Fans meinen, dass es die Reise und die Ein­tritts­karte nicht wert ist, so können und wollen wir sie nicht zwingen, zum Derby zu erscheinen. Auch wenn es selbst­ver­ständ­lich eine ärger­liche Situa­tion ist“, erklärte der Klub und ver­wies auf lau­fende Gespräche zwi­schen den Ver­ant­wort­li­chen beider Ver­eine zur Ver­bes­se­rung der Lage der Aus­wärts­fans. 

Jen­seits von Kopen­hagen ist die Lage betrüb­lich

Für die däni­sche Super­liga wären Derbys ohne Away-Sup­port schlichtweg eine Kata­strophe, denn die Partie zwi­schen dem FC Kopen­hagen und Bröndby IF ist das Leucht­turm-Duell in einer ansonsten ziem­lich düs­teren Spiel­klasse.

Ex-HSV-Ikone Rafael van der Vaart (34), seit Sommer beim Tabel­len­dritten FC Midt­jyl­land unter Ver­trag, beklagte unlängst: Wir haben hier viele Sta­dien, in die 10.000 Men­schen passen, aber es kommen nicht mal 1.200. Däne­mark ist ein Fuß­ball-Land mit einer Liga, die den nächsten Schritt machen will, aber keiner geht zu den Spielen. Das ist betrüb­lich.“

Fuß­ball-Früh­schoppen als Trau­er­spiel

Für FCK-Schlacht­ross Mathias Zanka“ Jör­gensen wären Derbys ohne Aus­wärts­fans keine echten Derbys mehr: Es wäre viel­leicht zu viel des Guten, wenn ich sage, dass ich die Bröndby-Fans ver­missen würde“, sti­chelt der Lieb­lings­feind aller Gelb-Blauen. Aber wir hoffen den­noch alle, dass wir am Sonntag jene fan­tas­ti­sche Stim­mung im Sta­dion haben, die dieses Duells würdig ist. Das Kopen­ha­gener Derby lockt so viele Men­schen an. Und die haben einen wür­digen Rahmen ver­dient.“

Dass die Liga-Bosse ent­schieden haben, den Kampf um Kopen­hagen“ diesmal schon um 13.30 Uhr anzu­pfeifen, dürfte zwar den durch­schnitt­li­chen Blut­al­kohol-Spiegel im Sta­dion her­ab­senken. Doch in Punkto Stim­mung – das weiß man aus Eng­land – sind solche Fuß­ball-Früh­schoppen“ eher Trau­er­spiele.