Seite 2: Ein Lehrstück über den modernen Fußball

Wäh­rend man sich bei Inter Turku (Finn­land), Inter Sibiu (Rumä­nien), Inter Luanda (Angola), Inter Zapresic (Kroa­tien) oder auch bei Inter Leipzig (NOFV Ober­liga-Süd) noch ziem­lich ent­spannt zeigt, weil man am US-Markt gar nicht ver­treten ist, herrscht in Miami Alarm­stufe Pink. Denn sollten der Club Inter­na­cional de Futbol Miami“ und die US-Pro­fi­liga MLS vor Gericht gegen Inter Mai­land ver­lieren, könnte dem­nächst erst­mals in der Geschichte des Fuß­balls ein Verein ohne Namen dastehen.

So oder so droht Inter Miami ein jah­re­langes juris­ti­sches Gezerre von einer Instanz zur nächsten. Das wäre einer­seits ziem­lich pein­lich, ande­rer­seits hoch­gradig geschäfts­schä­di­gend, und das ganze schöne Mer­chan­di­sing-Sor­ti­ment in Schwarz, Weiß und Pink müsste womög­lich in irgend­wel­chen chi­ne­si­schen Lager­hallen vor sich hin modern. All die Base­caps, Fähn­chen, Son­nen­brillen, Funk­we­cker und Kaf­fee­be­cher, die man im Internet bereits bestellen kann, sind näm­lich – nach Inter Mai­lands Rechts­auf­fas­sung – nur Pira­ten­ware. Und Inter Miami muss schwere Strafen für deren Ver­brei­tung fürchten.

Es geht nicht um Ver­eins­namen, son­dern um Han­dels­marken und Pro­fite

Spä­tes­tens an dieser Stelle offen­bart sich dem neu­gie­rigen Betrachter ein Lehr­stück über die Motive, Gesetze und juris­ti­schen Win­kel­züge im modernen Fuß­ball. Denn im Grunde könnte Inter Mai­land mit Inter Miami ebenso ent­spannt umgehen wie Ein­tracht Frank­furt mit Ein­tracht Braun­schweig. Doch hier geht es nicht um Ver­eins­namen, son­dern um Han­dels­marken und um Pro­fite, die sich mit­unter eben auch auf Umwegen erzielen lassen: Zwar läuft das US-Mer­chan­di­sing des schwarz-blauen Fuß­ball-Giganten äußerst schlep­pend (zumal die meisten Italo-Ame­ri­kaner Fans von Juventus Turin sind). Aber warum soll man nicht wenigs­tens an der Marke Inter Miami“ ver­dienen?

Letz­teres funk­tio­niert natür­lich nur, wenn das Team aus Flo­rida weiter unter dem vor­ge­sehen Namen spielen darf. Gegen eine ent­spre­chende Kom­pen­sa­ti­ons­leis­tung, ver­steht sich. Und so dürfte eine (außer­ge­richt­liche) Eini­gung am Ende vor allem eine Frage des Preises sein. Laut Experten könnten die Ita­liener auf eine ein­ma­lige Ent­schä­di­gung pochen – oder auf eine län­ger­fris­tige pro­zen­tuale Betei­li­gung an Miamis lau­fenden Mer­chan­di­sing-Umsätzen. Das wäre quasi eine Win-Win-Situa­tion, auch wenn David Beckham und den Miami-Machern bei sol­chen Witz­chen das Lachen gründ­lich ver­gehen dürfte.