11FREUNDE am Morgen

11FREUNDE am Morgen ist unser neuer News­letter. Pünkt­lich um 7 Uhr mor­gens ver­sorgt euch Chef­re­dak­teur Philipp Köster an jedem Werktag mit den wich­tigsten Nach­richten des Fuß­ball­tages. Hier könnt ihr abon­nieren.

Wer es wohl wird? Sämt­liche Teil­nehmer des EM-Halb­fi­nales hätten den Titel auf die eine oder andere Weise ver­dient. Die Dänen, weil sie mit Begeis­te­rung und mann­schaft­li­cher Geschlos­sen­heit kicken und nebenher auch noch den ganzen Kitsch ertragen, der wegen des Vor­falls um Chris­tian Eriksen insze­niert wird. Die Spa­nier, weil Luis Enrique den Umbruch kon­se­quent vor­an­ge­trieben hat und nun ein junges Team auf dem Platz stehen hat, das in den nächsten Jahren den euro­päi­schen Fuß­ball beherr­schen kann. Die Ita­liener natür­lich, weil spä­tes­tens das Vier­tel­fi­nale gegen Bel­gien gezeigt hat, wie wun­derbar dyna­misch, agressiv und mutig Man­cinis Elf auch gegen starke Gegner auf­tritt. Vor allem aber die Eng­länder, die in den ersten Spielen wegen des etwas mini­ma­lis­ti­schen Fuß­balls gerügt wurden, nun aber zu bemer­kens­werter Leich­tig­keit gefunden haben. Ihnen wäre es so sehr zu gönnen, dass sie nach 1966 end­lich wieder einen großen Titel holen. Da ist Harry Kane, der zu seiner Treff­si­cher­heit zurück­ge­funden hat. Da ist Keeper Jordan Pick­ford, der das Kli­schee des fah­rigen, eng­li­schen Tor­warts auf beein­dru­ckende Weise wider­legt hat. Da ist Harry Maguire, der immer wirkt, als sei er direkt aus einer nord­eng­li­schen Mine aufs Spiel­feld gestol­pert. Und da ist Gareth Sou­th­gate, der mit stoi­scher Miene aus hoch­ver­an­lagten Indi­vi­dua­listen ein prag­ma­ti­sches Ensemble geformt hat, das mit Geduld und Dis­zi­plin auf seine Chance wartet – oder auf einen Genie­streich von Raheem Ster­ling. Sollte es am Ende mit dem Titel klappen, sollten auf die Sie­ges­pa­rade übri­gens unbe­dingt die exzen­tri­schen Schwimm­hilfen mit­ge­nommen werden, mit denen die Truppe jüngst im Pool badete. 

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Copa Ame­rica

In Fei­er­laune. Wer im Elf­me­ter­schießen großer Tur­niere als Schütze antritt, muss nerv­liche Anspan­nung aus­halten. Die halbe Welt schaut am Fern­seher zu, die Mann­schaft wartet unter­ge­hakt am Mit­tel­kreis und der geg­ne­ri­sche Keeper zap­pelt auf der Linie hin und her. Wer sich den­noch nicht irri­tieren lässt und trifft, wirkt anschlie­ßend in der Regel demütig und erlei­chert und latscht zurück zu den Kol­legen. Nicht so jedoch der Kolum­bianer Yerry Mina. Kaum hatte der bei der Copa Ame­rica gegen Uru­guay im Elf­me­ter­schießen getroffen, steckte sich der Defen­siv­mann thea­tra­lisch den Daumen in Mund, nuckelte kräftig daran, um anschlie­ßend eine Art Schlan­gen­tanz auf­zu­führen – ganz so, als habe er gerade den ent­schei­denden Treffer erzielt. Er war aller­dings erst der dritte Schütze. Immerhin, die Kolum­bianer waren kurze Zeit später weiter und treffen nun auf Argen­ti­nien.

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Free Leo!

End­lich frei. Wir hätten ja nicht gedacht, dass einmal der Tag kommen würde, an dem der Ver­trag von Lionel Messi beim FC Bar­ce­lona wirk­lich aus­läuft. Statt­dessen waren wir über­zeugt, dass der Spiel­ma­cher vom Klub frü­hes­tens mit 65 Jahren in die Rente ver­ab­schiedet werden würde, mit Zinn­teller, Urkunde und kleiner Rede des Vor­sit­zenden. Nun aber ist Messi frei, unge­bunden, ver­tragslos, nach 21 Jahren beim FC Bar­ce­lona. Was in der Sen­dung El Chi­rin­guito“ des exzen­tri­schen Jour­na­listen Josep Ped­rerol ange­messen begangen wurde, mit einem Count­down auf Rie­sen­lein­wand, unter­legt mit pathe­ti­scher Musik, ganz so, als könne plötz­lich noch ein Abge­sandter des Klubs mit unter­schrie­benem Kon­trakt ins Studio gelaufen kommen. Ein Nelson-Man­dela-Moment im spa­ni­schen Fern­sehen. Als der Count­down dann jedoch her­un­ter­ge­zählt war, ähnelte die Sze­nerie jenen depri­mie­renden QVC-Momenten, wenn alle 50 unter großen Getöse ange­prie­senen Staub­sauger ver­kauft sind und ein­fach die nächsten 50 aus dem Lager geholt werden. Der schwei­gende sin­nie­rende Ped­rerol wurde ein­ge­blendet, dazu die Schlag­zeile Messi es libre“. Dann ging die Show weiter.

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Zitat des Tages

Ich glaube per­sön­lich nicht, dass die EM ein großes Infek­ti­ons­ge­schehen aus­ge­löst haben kann. Wenn sicher­ge­stellt ist, dass nur Gene­sene, Geimpfte und negativ getes­tete Fans im Sta­dion sind, fehlt mir dafür die Fan­tasie“

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Kno­bel­preis ver­liehen

Nur mit viel Erfah­rung zu lösen. Wir suchen diesmal einen Tat­be­stand, dem immer mehr hoch­qua­li­fi­zierte Fach­kräfte zum Opfer fallen, unauf­haltsam und unab­wendbar. Und das in Deutsch­land im Jahr 2021! Am Freitag suchten wir übri­gens die nur von Druide zu Druide wei­ter­ge­be­nene Weis­heit Geheim­fa­vorit Bel­gien“. Der bleibt nun min­des­tens bis zur WM im nächsten Jahr sehr geheim. Gewonnen haben jeweils ein 11Freunde-Jubi­lä­ums­buch die Herren Kris­tian Holler (Wanne-Eickel) und Ralf Kohring (Bad Schön­born). Herz­li­chen Glück­wunsch!

Das Warten hat sich gelohnt. Natür­lich sind wir auch ges­tern wieder darauf her­ein­ge­fallen und haben pünkt­lich, wie wir es uns in der TV Hören und Sehen“ mit Kugel­schreiber ein­ge­krei­selt hatten, zur DFB-Pokal-Aus­lo­sung ein­ge­schaltet. Um dann wie bei jeder Aus­lo­sung das quä­lend lange Gelaber ertragen zu müssen, das der Kugel­zie­herei vor­aus­geht. Immerhin sind ein paar nette Par­tien dabei: Weiche Flens­burg – Hol­stein Kiel, Kai­sers­lau­tern – Glad­bach, Wup­per­taler SV – VfL Bochum und natür­lich das Heim­spiel des VfB Stutt­gart im Prenz­lauer Berg gegen einen noch zu benen­nenden Ber­liner Ver­treter (wahr­schein­lich der BFC Dynamo). Live über­tragen werden sollte die Kra­cher­partie FC Vil­lingen – Schalle 04. Mal schauen, wie sich die Gel­sen­kir­chener beim Favo­riten schlagen. 

Einen guten Wochen­start wünscht euch allen

Philipp Köster