Roger Milla

Keiner tanzte so schön wie Roger. Der Mann, der eigent­lich viel zu alt für ein Welt­tur­nier war, mischte die WM 1990 so richtig auf. Fünf Mal von Kame­runs Natio­nal­trainer Valeri Nep­om­niachi als Joker gebracht, zahlte Mr. Hüft­schwung in prak­tisch jedem Spiel die Ein­wechs­lung in barer Fuß­ball­wäh­rung zurück – in Toren, Vor­lagen, her­aus­ge­holten Elf­me­tern und unver­ges­senen Tänz­chen an der Eck­fahne.



Nach jedem Tor begab sich der damals 38-Jäh­rige in Win­des­eile zur Eck­fahne, um dort seinen Tor­tanz im Stile des hei­mi­schen Makossa auf­zu­führen. Das cha­rak­te­ris­ti­sche Jubel­wa­ckeln des Kame­runer Methu­sa­lems wurde eines der ein­drück­lichsten Bilder des ita­lie­ni­schen Som­mers. Luft für 90 Minuten hatte Milla, der bereits 1978 im Dress der unbe­zähm­baren Löwen“ debü­tiert hatte, nicht mehr, das wusste auch sein Trainer. Des­wegen spielte Milla nie von Beginn an, was seine Durch­schlags­kraft in keiner Weise hemmte. Gegen Rumä­nien schoss er beide Tore, ebenso wie im Ach­tel­fi­nale gegen Kolum­bien (der Ball­klau gegen den über­mü­tigen Tor­wart René Higuita ist unver­gessen). Im Vier­tel­fi­nale gegen Eng­land, Milla kam zur Halb­zeit ins Spiel, machte er sein viel­leicht bestes Spiel der End­runde – obwohl es weder zu einem Treffer für Milla noch zum Wei­ter­kommen für Kamerun reichte. 1994 kehrte der ewige Milla noch einmal zurück auf die große Fuß­ball­bühne. Bei der WM in den USA traf er als ältester Spieler der Geschichte – eine Minute nach seiner Ein­wechs­lung, in der 47. Minute. Es war der Ehren­treffer gegen Russ­land.



Rabah Madjer

Er ist der Mann, den die Bayern-Fans nie ver­gessen werden. Nicht allein die Tat­sache, dass der alge­ri­sche Inter­na­tio­nale den Münch­nern 1987 mit seinem Tor den Pokal der Lan­des­meister aus den Händen riss, son­dern die Art und Weise, wie Alge­riens Stürmer den Aus­gleich für den FC Porto schoss, bleibt unver­gess­lich. Im Fünf­me­ter­raum frei­ge­spielt, beför­derte Madjer den Ball mit der rechten Hacke ins Tor. Zwei Minuten später sorgte Juary für die Ent­schei­dung. Madjer, in Alge­rien bis heute einer der meist­ver­ehrten Spieler, schienen deut­sche Gegner beson­ders zu liegen. Fünf Jahre vor dem Cup­fi­nale von Wien hatte Madjer mit seinem Treffer zum 1:0 die Auf­takt­nie­der­lage des DFB-Teams bei der WM in Spa­nien ein­ge­leitet.

Hacke, Spitze 1−2−3

Madjer gehörte mit Mit­tel­feld­motor Lakhdar Belloumi zur gol­denen Genera­tion der Wüs­ten­füchse“, die sich 1982 und 1986 mehr als achtbar bei den Welt­tur­nieren schlug und 1990 im eigenen Land den Afrika-Cup gewann (letz­teres aller­dings ohne Belloumi, der ab Ende 1989 wegen einer ihm vor­ge­wor­fenen Tät­lich­keit gegen einen ägyp­ti­schen Fan inter­na­tional gesperrt war). 1987, im Jahr der Hacke, war Madjer auf dem Gipfel seiner Kar­riere und wurde zu Afrikas Fuß­baller des Jahres“ gewählt.



George Weah

Der bul­lige Angreifer aus Liberia, der im Trikot von Monaco, PSG und Milan für Furore in Europa sorgte, ist der wohl höchst­de­ko­rierte Fuß­ball­spieler Afrikas. An Ehrungen hat Weah prak­tisch alles erhalten, was es gibt. Drei­ma­liger afri­ka­ni­scher Fuß­baller des Jahres, Europas Fuß­baller des Jahres und Welt­fuß­baller 1995 – sowie Afrikas Fuß­baller des Jahr­hun­derts. Weah steht auf einer Stufe mit Pelé, dem diese Ehre für Süd­ame­rika zuteil wurde. Pech für Weah, dass er anders als Bra­si­liens Super­star als Libe­rianer keine Chance hatte, mit der nicht kon­kur­renz­fä­higen Aus­wahl seines Landes um große Titel mit­zu­spielen.

Libe­rias Jahr­hun­dert­stürmer

Mit seinen Ver­einen war der in einem Slum in Mon­rovia auf­ge­wach­sene Weah ungleich erfolg­rei­cher. Er wurde fran­zö­si­scher und ita­lie­ni­scher Meister, dazu 1995 mit acht Tref­fern Tor­schüt­zen­könig in der Cham­pions League. Libe­rias Jahr­hun­dert­spieler war kein reiner Straf­raum­stürmer, son­dern erzielte einige seiner schönsten Tore nach Dribb­lings, bei denen er den Ball mit­unter vom eigenen Straf­raum in den geg­ne­ri­schen Kasten trug, wie im Sep­tember 1996 beim Spiel von Milan gegen Hellas Verona. Nach einer geg­ne­ri­schen Ecke über­nahm Weah damals das Leder auf Höhe des eigenen Fünf­me­ter­raums. 15 Sekunden später und rund 80 Meter ent­fernt, schob er die Kugel an Veronas Keeper vorbei ins Netz.



Anthony Yeboah

Der Klas­siker unter den Namen für Frei­zeit­mann­schaften sind die Zeugen Yeboahs“. Hun­derte Uni-Teams und Knei­pen­ki­cker müssen sich unter diesem Namen in den letzten zwei Jahr­zehnten zusam­men­ge­funden haben. Anthony Yeboah, genannt Tony – einer der prä­gendsten Bun­des­liga-Spieler der Neun­ziger. Nach Lehr­jahren in Saar­brü­cken wurde Yeboah Teil der Frank­furter Spiel­kultur um Bein, Gau­dino und Okocha. Nach zwei Tor­jä­ger­ka­nonen endete die Zeit des Gha­naers in Frank­furt bitter, als er zusammen mit Mau­rizio Gau­dino aus dis­zi­pli­na­ri­schen Gründen aus dem Verein geworfen wurde.

Die Zeugen Yeboahs“

Yeboah flüch­tete vor­über­ge­hend nach Eng­land, wo er für Leeds United nicht minder tor­ge­fähr­lich war. Nach zwei Jahren Insel-Exil kehrte Ghanas Top­stürmer zurück in die Bun­des­liga und schoss den Ham­burger SV 2000 noch einmal in die Cham­pions League. Wie alt Yeboah damals war, ist umstritten. 6.6.66“ lautet die ver­dächtig ein­fache Ver­sion, die im Pass ein­ge­tragen ist. Genau geklärt wurde die Frage nie. Pragam­ti­sche Emp­feh­lung von Ghanas Natio­nal­trainer Otto Pfister: Bein auf, Jah­res­ringe zählen!“



Jay-Jay Okocha

Kaum einer kennt Muhammed Yavuz. Aber alle kennen Augus­tine Okocha. Seit seiner Zeit in der Türkei hat der nige­ria­ni­sche Aus­nah­me­spieler auch einen tür­ki­schen Namen. Jay-Jay nennen ihn wei­terhin seine Fans. Die größten Erfolge fei­erte Nige­rias Zau­ber­maus im Dress der Super Eagles“. 75 Län­der­spiele absol­vierte Okocha für sein Hei­mat­land, 1994 gewann er mit Nigeria die Afri­ka­meis­ter­schaft, zwei Jahre später olym­pi­sches Gold gegen Argen­ti­nien. Dazu kommen drei WM-Teil­nahmen. Okochas Kabi­nett­stück­chen, vor allem der Okocha-Trick“, die unnach­ahm­liche Ball­schleuder mit beiden Hacken, sorgten für Ver­zü­ckung auf den Rängen.

Ball­schleuder mit beiden Hacken

Bei den deut­schen Fans unver­gessen ist Okochas Zeit bei Ein­tracht Frank­furt, wo Jay-Jay an der Seite von Bein, Yeboah und Co. die Liga auf­mischte. In 90 Spielen für die Ein­tracht erzielte Frank­furts Super-Adler zwar nur 16 Tore – doch dar­unter einen Treffer für die Ewig­keit. Gemeint ist jenes Traumtor gegen den Karls­ruher SC, das Jörg Dah­l­mann in unge­ahnte Höhen der Ekstase riss und KSC-Keeper Oliver Kahn ins Nir­wana des stummen Zorns beför­derte.