Ein echter Hallo-Wach-Effekt: So jeden­falls lautet die Legende, laut der der Hirte Kaldi die Wir­kung auf seine Ziegen beschrieben hätte. Die hätten vor über tau­send Jahren rote Kaf­fee­kir­schen in Äthio­pien gegessen und waren anschlie­ßend völlig auf­ge­peitscht. Dort, am Horn von Afrika, war anschlie­ßend der Kaffa – die Ursprungsart des Kaf­fees – erfunden worden, als die Men­schen noch unbe­han­delte Kaf­fee­kir­schen und Blätter mit heißem Wasser über­gossen, ehe das Gesöff über Sklaven nach Ara­bien und von dort nach Europa kam. Nicht das letzte Expe­ri­ment in Afrika, das auf gespanntes Inter­esse im Westen stieß.

Ähn­lich gespannt dürften euro­päi­sche Ver­treter aktuell auf die Neu­ig­keiten vom afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent bli­cken. Dort soll nach Angaben des afri­ka­ni­schen Fuß­ball­ver­bands (CAF) eine Super League gegründet werden. Schließ­lich ver­sprach Patrice Motsepe, der Prä­si­dent des CAF, im Februar: Wir wollen, dass die African Super League Welt­klasse ist und in Bezug auf die Qua­lität des Fuß­balls […] gegen die besten Wett­be­werbe der Welt antritt.“ Nun ver­kün­dete die CAF, dass die kon­ti­nen­tale Super­liga im Sep­tember 2023 beginnen soll. Und Motsepe sagte: Wir wurden mit Anfragen von Inves­toren und Spon­soren über­schwemmt.“

Ein Käfig voller Helden Was wurde aus Herthas goldener Generation?

Die Boa­tengs und ihre Kum­pels sollten einmal Her­thas Zukunft sein. Heute spielen sie anderswo. Jeder für sich. Die Geschichte einer Ent­frem­dung.

Geld scheint selbst­re­dend eine der größten Antriebs­fe­dern zu sein, dass der afri­ka­ni­sche Fuß­ball­ver­band den neuen Super-Wett­be­werb aus der Taufe hebt. Immerhin soll künftig der Sieger etwa zwölf Mil­lionen US-Dollar erhalten. Eine Summe, die hier­zu­lande nur so eben genügt, Breel Embolo in diesem Sommer von Borussia Mön­chen­glad­bach los­zu­eisen, wäre für die afri­ka­ni­schen Top-Teams ein wahrer Geld­segen. Zuletzt erhielt der afri­ka­ni­sche Cham­pions-League-Sieger eine Prämie von zwei Mil­lionen US-Dollar.

In Europa, wo im April 2021 zwölf Klubs aus Eng­land, Spa­nien und Ita­lien im Allein­gang das Pro­jekt einer Super League vor­ge­stellt hatten und damit bis hin in höchste poli­ti­sche Kreise auf regen Wider­stand gestoßen waren, wurde die Idee schnell auf Eis gelegt. In Afrika dagegen zeigte sich der Fuß­ball­ver­band selbst feder­füh­rend bei der Errich­tung des neuen Wett­be­werbs. Alle 54 Mit­glieds­ver­bände hätten im ver­gan­genen Jahr ein­stimmig für die Super League gestimmt.

Ein erheb­li­cher Teil des Geldes der CAF Super League wird wieder in den afri­ka­ni­schen Fuß­ball inves­tiert“

Patrice Motsepe

Ein Kuriosum, schließ­lich dürften die meisten afri­ka­ni­schen Länder keine Berüh­rungs­punkte mit der Super League haben. Laut einigen Insi­der­infor­ma­tionen plane die CAF, den Wett­be­werb in der Grup­pen­phase nach regio­nalen Gesichts­punkten zu unter­teilen: Nord­afrika, Zen­tral- und West­afrika sowie Süd- und Ost­afrika. 24 Teams sollen zu Beginn teil­nehmen – aus einigen Län­dern gleich meh­rere Ver­treter. Bereits jetzt wurden als zuge­hö­rige Klubs afri­ka­ni­sche Top-Teams gehan­delt wie AC Wydad und Raja Casa­blanca aus der marok­ka­ni­schen Haupt­stadt sowie der ägyp­ti­sche Cham­pions-League-Rekord­sieger al Ahly SC. Und dass der süd­afri­ka­ni­sche Verein Mame­lodi Sun­downs, dessen Klub­boss Patrice Motsepe zufällig auch die CAF beherrscht, an der Super League teil­nehmen wird, gilt unter Buch­ma­chern als Wette ohne Risiko. Bereits in den ver­gan­genen sieben Jahren hatten Teams aus Marokko, Ägypten, Tune­sien und Süd­afrika jedes ein­zelne Cham­pions-League-Finale unter sich aus­ge­macht. Eine Ent­wick­lung, die im Rahmen der Super League eher nicht gestoppt werden dürfte. Immerhin soll die afri­ka­ni­sche Super League eine Auf- und Abstiegs­re­ge­lung vor­sehen.

Auch Motsepe ver­sprach sogleich: Ein erheb­li­cher Teil des Geldes der CAF Super League wird wieder in den afri­ka­ni­schen Fuß­ball inves­tiert, und ein Teil des Pro­zesses besteht darin, jedes Jahr 1 Mil­lion Dollar an jeden der 54 Mit­glieds­ver­bände der CAF als Bei­trag zur Fuß­ball- und Jugend­ent­wick­lung zu spenden.“ Dass kleinste Nationen mit der Aus­sicht auf einen jähr­li­chen Bei­trag in die Ver­bands­kassen zur Ja-Stimme gelockt wurden, darf ange­nommen werden, gehört diese Art des Umgangs doch zur gän­gigen Praxis im Welt­fuß­ball. Beob­achter kri­ti­sieren schon jetzt, dass der neue Super-Wett­be­werb mit­samt seinen ver­hält­nis­mäßig rie­sigen Prä­mien für die Teil­nehmer dafür sorgen werde, dass die natio­nalen Ligen auf Jahre zer­stört werden dürften, weil die Super-League-Teams ihre natio­nalen Kon­kur­renten domi­nieren. Unklar bleibt zudem, ob die afri­ka­ni­sche Cham­pions League unter diesen Umständen weiter statt­finden werde. Laut Motsepe würden alle Wett­be­werbe über­prüft“.

Infan­tinos Ein­fluss

Für Miss­stim­mung sorgte auch, dass FIFA-Prä­si­dent Gianni Infan­tino, der als Spieß­bruder von Motsepe gilt, an der ent­schei­denden Sit­zung des CAF-Exe­ku­tiv­ko­mi­tees teil­ge­nommen habe. Für die FIFA, deren Gedan­ken­spiele um eine Klub-WM mit 24 Teams aus aller Welt zuletzt etwas ein­ge­schlafen waren, dürfte der kon­ti­nen­tale Klub­wett­be­werb ein gele­gener Test­ballon sein. Infan­tino könnte der CAF dabei geholfen haben, Fragen der Finan­zie­rung zu klären. Gianni und ich hatten wirk­lich span­nende Gespräche mit einigen der größten TV-Unter­nehmen der Welt“, erklärte Motsepe.

Der CAF-Prä­si­dent erhoffe sich, dass in Zukunft afri­ka­ni­sche Talente nicht länger den Schritt nach Europa oder in die USA gehen müssen, um guten Fuß­ball zu spielen und oben­drein Geld zu ver­dienen. Ob der Plan auf­geht? Ganz beson­ders dann, wenn andere Kon­ti­nente schon bald nach­ziehen würden? In Europa, beson­ders bei der UEFA, werden sie den Start der African Super League im Sep­tember 2023 jeden­falls ganz genau beob­achten. Bis dahin aber heißt es wohl: Abwarten und Kaffee trinken.