Das Sta­dion des SV Ried hat einen pas­senden Namen: Keine-Sorgen-Arena“. Das trifft die Rea­lität des Ver­eins, der in der öster­rei­chi­schen Ort­schaft Ried beher­bergt ist. Ins Sta­dion passen 7500 Zuschauer, die Gemeinde Ried hat 12.000 Ein­wohner. Ent­spre­chend besonnen geht es nor­ma­ler­weise rund um das Sta­dion und den Verein zu. Ruft man bei dem kleinen Klub an, ist es kein Pro­blem, mit dem Vor­stands­mit­glied und Manager Stefan Reiter zu spre­chen. Obwohl Ried immerhin in der öster­rei­chi­schen Bun­des­liga kickt, hat man Reiter sofort am Apparat.

SV Ried im Kreuz­feuer der Medi­en­land­schaft

In dieser Woche war alles anders, denn nach dem letzten Heim­spiel gegen Sturm Graz war der SV Ried auf einmal nicht mehr sor­gen­frei. Richard Sukuta-Pasu, ehe­mals deut­scher U21-Natio­nal­spieler und nun in Diensten von Sturm Graz, wurde Opfer von ras­sis­ti­schen Belei­di­gungen aus dem Rieder Publikum. 90 Minuten lang habe er sich Affen­laute anhören müssen, sagte der 22-Jäh­rige nach dem Spiel.

In der 85. Minute ant­wor­tete Sukuta-Pasu den wider­li­chen Schmä­hungen auf seine Weise: Er erzielte den 2:1‑Siegtreffer für Graz und machte pro­vo­zie­rende Gesten in Rich­tung des Ried-Fan­blocks. Ich bin Profi, mein Job ist es, weg­zu­hören, aber bei meinem Tor ist mir dann der Kragen geplatzt“, erklärte er sich einen Tag nach dem Spiel. Auf einmal war der SV Ried Mit­tel­punkt eines Ras­sismus-Eklats. Manager Stefan Reiter stand im Kreuz­feuer der öster­rei­chi­schen Medi­en­land­schaft. Auch deut­sche Pres­se­agen­turen griffen den Vor­fall auf.

Die Wellen schlugen des­halb so hoch, weil Reiter ganz anders als Sukuta-Pasu zitiert wurde: Nie­mand hat etwas gehört, nur er.“ Auch der Schieds­richter Ger­hard Gro­belnik wollte die Ver­un­glimp­fungen nicht gehört haben: Für mich ist es unver­ständ­lich, wie hier etwas auf­ge­bauscht wird“. Weil er nichts von den Beschimp­fungen mit­be­kommen habe, ahn­dete der Schieds­richter auch Sukuta-Pasus pro­vo­zie­rende Geste mit einer Gelben Karte. Für den Stürmer war es die Fünfte, beim nächsten Spiel wird er fehlen.

Affen­laute absicht­lich über­hört?

Auf Nach­frage von 11FREUNDE erklärt Reiter: Die Aus­sage habe ich direkt im Anschluss an die Partie getä­tigt. Da wusste ich noch gar nichts von den Affen­lauten. Ich habe nur den pro­vo­zie­renden Tor­jubel von Sukuta-Pasu gesehen und mich dann gewun­dert, warum er sich nach der Gelben Karte beim Schieds­richter derart auf­ge­bracht beschwerte und auf unseren Fan­block zeigte.“

Nach Spie­lende hakte Reiter beim Schieds­richter und den Ord­nern aus dem betrof­fenen Fan­block nach, ob es zu ras­sis­ti­schen Äuße­rungen gekommen sei. Über­ein­stim­mende Ant­wort: Da war nichts.“ Sogar mit dem ver­ant­wort­li­chen Redak­teur aus dem Ü‑Wagen von Sky“ sprach Reiter. Mit glei­chem Ergebnis. Am Samstag gab es keine Person, die auch nur annä­hernd ras­sis­ti­sche Äuße­rungen bestä­tigen konnte“, sagt Reiter. Seine Aus­sagen auf der Pres­se­kon­fe­renz, dass nie­mand außer Sukuta-Pasu etwas gehört habe, wirkt im Nach­hinein den­noch unglück­lich. Zumal der Ried-Manager inzwi­schen ein­räumt, dass ihm klar sei, dass kein Spieler so etwas aus dem Nichts heraus sagt“.

Zu Gute halten muss man dem SV Ried, dass der Verein initiativ um Auf­klä­rung des Vor­falls bemüht ist. Am Sonntag, einen Tag nach dem Spiel, bot sich jeden­falls ein anderes Bild: Ver­schie­dene Fan-Ver­treter hatten Reiter in per­sön­li­chen Gesprä­chen erzählt, dass es wäh­rend des Spiels tat­säch­lich zu ras­sis­ti­schen Belei­di­gungen und Affen­lauten gekommen ist. Sofort schickte Reiter eine Pres­se­mel­dung raus. Wenig später stand bei Spiegel Online“: Erst wollte man nichts gehört haben, nun doch die Kehrt­wende. SV Ried räumt ras­sis­ti­sche Beschimp­fungen ein“. Durch die Artikel und Mel­dungen konnte man den Ein­druck gewinnen, dass der SV Ried und Manager Stefan Reiter die Affen­laute absicht­lich über­hört haben.

Der Vor­fall hat den SV Ried sen­si­bi­li­siert

Das Gegen­teil sei der Fall, wie Reiter beteuert, man habe doch selber die Ermitt­lungen nach den Vor­fällen vor­an­ge­trieben. Den­noch bleiben Zweifel: Wie können ras­sis­ti­sche Äuße­rungen und Affen­laute über­hört werden, wenn gerade einmal 4000 Besu­chern im Sta­dion sind? Reiter erklärt das fol­gen­der­maßen: Eigent­lich ist bei uns im Sta­dion alles relativ leicht zu hören. Ras­sis­ti­sche Gesänge wären sofort negativ auf­ge­fallen. Die Beschimp­fungen haben sich auf ver­ein­zelte Per­sonen redu­ziert. Laut der Capos, mit denen ich geredet habe, kam es vor allem direkt nach Sukuta-Pasus Tor in der 85. Minute zu Beschimp­fungen und Affen­lauten. Wir tole­rieren das natür­lich in keinster Weise, aber wäh­rend des Spiels haben wir es ein­fach nicht wahr­ge­nommen.“ Reiter sprach noch einmal mit Sky“ und bat die TV-Leute, die bis­lang noch immer keine Belege für ras­sis­ti­sche Schmä­hungen auf ihren Bän­dern gefunden hatten, noch einmal genauer nach­zu­schauen.

Am Mitt­woch schließ­lich waren die TV-Bilder aus­ge­wertet. Das Ergebnis: Es hat tat­säch­lich ras­sis­ti­sche Beschimp­fungen von den Rängen gegeben. Die öster­rei­chi­sche Bun­des­liga nahm die Ermitt­lungen gegen den SV Ried auf. Dort tut man weiter alles um die Sünder aus­findig zu machen, wie Reiter betont.

Ob es schon einmal ras­sis­ti­sche Aus­fälle sei­tens des Ried-Anhangs gegeben habe? Nie! Ganz im Gegen­teil: Unsere Fan­grup­pie­rungen sind eher links ori­en­tiert. Fans, mit denen ich über die Vor­fälle sprach, haben mir erzählt, dass die­je­nigen, die rechte Parolen riefen, von unseren Fans sofort zur Rede gestellt und mundtot gemacht wurden.“ Der Fall in Ried zeigt, wie schwierig es für einen Verein sein kann, zu kon­trol­lieren, was im Kleinen auf den Rängen geschieht.

Ich kann mich nicht für ein­zelne Idioten ent­schul­digen, nur dafür, dass die Vor­fälle so pas­siert sind. Wir ver­su­chen mit allen Mit­teln, her­aus­zu­finden, wer dafür ver­ant­wort­lich ist. Solche Person lassen wir nie mehr in die Nähe unseres Sta­dions.“ Die Fan­ver­treter und Capos hat Reiter ange­halten, künftig die Augen und Ohren auf­zu­halten. Der Vor­fall hat den Klub und die Anhänger des SV Ried sen­si­bi­li­siert. Bei neu­er­li­chen Aus­fällen sollen sofort die Behörden ein­ge­schaltet werden.

Mit einer Geld­strafe durch den öster­rei­chi­schen Fuß­ball­ver­band muss der SV Ried nach den ras­sis­ti­schen Aus­fällen trotz seines offenen und trans­pa­renten Umgangs mit dem Pro­blem trotzdem rechnen. Aber viel­leicht ist zumin­dest der Name Keine-Sorgen-Arena“ bald wieder zutref­fend.