Am Montag letzter Woche gab es einen der Sen­sa­ti­ons­trans­fers des Som­mers, obwohl dabei weder Geld floss noch irgend­je­mand den Namen des Spie­lers vorher gehört haben dürfte. Es han­delt sich dabei um einen 25-jäh­rigen Schotten namens Adam McWil­liam, der des­halb in die Geschichts­bü­cher ein­ging, weil er der erste Spieler war, der sich dem neu­ge­grün­deten Bury AFC anschloss. Ich freue mich sehr dar­über, denn es ist ein Klub, bei dem die Fans im Mit­tel­punkt stehen, und ich kann kaum erwarten, dass es los­geht“, teilte der Spieler mit, der sich haupt­be­ruf­lich bei der Stif­tung von Man­chester United um die Schul­part­ner­schaften küm­mert.

Inzwi­schen sind fast 12 Monate ver­gangen, seit der tra­di­ti­ons­reiche Bury FC nach 134 Jahren den Spiel­be­trieb ein­stellen musste. Es war damals, am 27. August 2019, schlichtweg nicht genug Geld da, um die Saison zu Ende bringen zu können. Die Über­nahme des Klubs durch einen Retter im letzten Moment kam nicht zustande, wei­nende Fans vor dem Sta­dion Gigg Lane konnten es kaum fassen. Beson­ders bizarr waren die Umstände auch des­halb, weil der Klub einige Wochen zuvor noch unter großem Jubel in die dritt­klas­sige League One auf­ge­stiegen war.

Eine neuer Fuß­ball­klub ganz wie in Deutsch­land

Am Freitag vor­letzter Woche nun nahm der eng­li­sche Fuß­ball­ver­band den Auf­nah­me­an­trag des neuen Bury AFC an, er soll in der North-West Coun­ties League antreten. Es han­delt sich dabei um die zehnt­höchste Liga, ent­spricht also in etwa der deut­schen Kreis­liga. Den Enthu­si­asmus dar­über, dass damit die Geschichte des Klubs wei­ter­ge­schrieben kann, der 1900 und 1903 sogar zweimal eng­li­scher Cup­sieger war, ist trotzdem groß. Inzwi­schen wurden bereits 1450 Tri­kots ver­kauft, und 300 Men­schen waren bereit, 50 Pfund dafür zu bezahlen, dass ihr Name in den Stoff ein­ge­woben wurde.

Anders als der Bury FC, der immer noch in der Hand des Unter­neh­mers Steve Dale ist, der ihn im November 2018 für einen Pfund kaufte, soll der neue Klub nie­mandem gehören. Der Bury AFC ist als gemein­nüt­zige Gesell­schaft gegründet worden. Mit­glieder zahlen einen Bei­trag, und es gilt: ein Mit­glied, eine Stimme“, erklärte der Vor­sit­zende Chris Murray dem Guar­dian. Im Grunde ist es also wie bei fast allen Fuß­ball­ver­einen in Deutsch­land. Als die Neuen zu Ostern los­legten, waren 250 Mit­glieder das Ziel, inzwi­schen sind es schon 750. Auch die Suche nach einem Trainer hatte eine gewal­tige Reso­nanz, über 700 Bewer­bungen gingen ein.

Wir haben den Klub gegründet, damit sich die Leute wieder in Fuß­ball ver­lieben können. Er soll gut für die Stadt sein, die lokale Wirt­schaft und wachsen können“, sagte Murray, der in der Ort­schaft vor den Toren von Man­chester eine PR-Agentur betreibt. Anders als der benach­barte FC United of Man­chester oder der AFC Wim­bledon ver­steht sich der Bury AFC nicht als Pro­test- oder Rebel­len­klub. Wenn der bestehende Verein durch neue Besitzer gerettet worden wäre, hätten sie ihre Akti­vi­täten ein­ge­stellt.