Seite 2: Alles gut mit Jogi

Super­schicke Favo­riten

Es soll auch Leute geben, die mit dem Außen­seiter-gut-Finden nicht so viel anfangen können. (Oder die das sonst schon mit ihren ver­dammten Ver­eins­mann­schaften machen müssen und des­halb gerne mal vier Wochen Urlaub von diesem Kon­zept nehmen.) Für die gibt es eine fran­zö­si­sche Super­mann­schaft mit Super­star (Mbappé) und Super-Trainer (Deschamps), die übri­gens auch aktu­eller Welt­meister sind. Außerdem coole Ita­liener, die Deutschland‑6:0‑Tranchierer aus Spa­nien und eine eng­li­sche Mann­schaft aus der Rubrik hoch­ta­len­tiert“. Und Por­tugal natür­lich, bei denen Cris­tiano Ronaldo, 36, ver­mut­lich sein dritt­letztes Tur­nier spielt.

Ü30-Party

Cris­tiano Ronaldo ist aber nicht der älteste Spieler seiner Mann­schaft, das ist näm­lich der ewige Pepe mit inzwi­schen 38 Jahren. Über­haupt ist dieses Tur­nier eine rie­sige Ü30-Party und zwar aus der Kate­gorie Geht auf die 40 zu“. Das gilt rei­hen­weise für die Tor­hüter, von denen stell­ver­tre­tend der Hol­länder Marten Stekel­en­burg, 38, genannt sein soll. Die bel­gi­schen Innen­ver­tei­diger Thomas Ver­maelen, 35, und Jan Ver­tonghen, 34, strahlen gedie­gene Senio­rität aus, was schon lange für den Ita­liener Giorgio Chiel­lini, 36, gilt und den Ukrainer Yuri Zhirkov, 37. Es gibt übri­gens auch Alt-Tor­jäger wie den Türken Burak Yilmaz, 35, und den schon erwähnten Goran Pandev. Er ist übri­gens ist 37, sieht aber älter aus.

Schwurbel-Deutsch­land

Vor dem Trai­nings­lager der deut­schen Mann­schaft in Her­zo­gen­au­rach stehen Pla­kat­wände, auf denen mega-schwurb­lige Moti­va­ti­ons­sprüche in einer Sprache zu lesen sind, die Eng­lisch sein könnte. Einer heißt: Where some see Die Mann­schaft brea­king new ground, we see a new future been written.“ Wir lassen uns von diesem Gelaber über neue Wege und eine neue Zukunft nicht ablenken und stellen uns auch nicht die Frage, wie denn die alte Zukunft aussah. Denn voll bud­dhis­tisch befinden wir uns im Hier und Jetzt. Und da ist alles gut (also, wenn’s im ersten Spiel gegen Frank­reich gut wird). Der super-fokus­sierte Super-Jogi wird uns und seine Mann­schaft zu einem neuen Tages­an­bruch führen. („Where some see an old Löw, we see a man on a mis­sion.“) Ommmm!

Kai Havertz Ado­ra­tion Society

Jeder Fuß­ball­freund, der diesen Namen ver­dient, ist natür­lich Mit­glied der Kai Havertz Ado­ra­tion Society“ (KHAS). Schließ­lich bewegt sich der ehe­ma­lige Lever­ku­sener mit einer som­nam­bulen Leich­tig­keit über den Platz, die schlichtweg anbe­tungs­würdig ist. Mehr Ele­ganz wird bei der Euro schwer zu finden sein, aber zugleich droht am Hori­zont das Mesut-Özil-Pro­blem. Es heißt Kör­per­sprache“, denn Havertz wei­gert sich, das schwer aus­sehen zu lassen, was schwer ist, ihm aber leicht fällt. Die Mit­glieder der KHAS werden daher einen undurch­läs­sigen Schutz­wall gegen die Kör­per­sprachler um ihn bilden müssen.

Gemein­sam­keit

Es ist zwei­fellos total bescheuert, dass in den nächsten Wochen Zehn­tau­sende kreuz und quer durch Europa reisen, um zu kicken oder beim Kicken zuzu­gu­cken. Da lacht das Virus und das Klima weint. Aber irgendwie weckt es auch das schöne Gefühl eines gemein­samen Europas. Und was könnten wir gerade besser gebrau­chen als das schöne Gefühl von Gemein­sam­keit?