Eine Fahrt in der Lon­doner U‑Bahn ist die Hölle. Es ist laut, schmutzig, es gibt keine Not­aus­gänge, kein Zug ist pünkt­lich. Dazu muss man Zei­tungen lesen, die jeden Tag von einer bevor­ste­henden Apo­ka­lypse durch Ter­ro­rismus und Rea­lity-TV berichten. Ges­tern aller­dings konnten die Lon­doner Sar­dinen ein biss­chen lächeln. Laut­spre­cher­durch­sagen wie das legen­däre Mind the Gap“ oder ein nicht minder schönes This is a Pic­ca­dilly Line ser­vice to Cock­fos­ters“ wurden nicht von einer see­len­losen Robo­ter­stimme vor­ge­lesen, son­dern von Arsène Wenger. An den drei Sta­tionen rund um das Sta­dion des FC Arsenal ertönte die Stimme des Trai­ners.

Im ganzen Tube-System waren die Stimmen von ver­schie­denen Pro­mi­nenten zu hören, dar­unter eine Menge Fuß­ball­spieler. Warum? Weil es Lon­doner Poppy-Day ist. Der Tag, an dem tau­sende Lon­doner eine rote Mohn­blüte auf der Brust tragen, um an die Opfer des Ersten Welt­kriegs zu erin­nern und Spenden zu sam­meln. Dass der gefal­lenen Sol­daten jetzt auch durch U‑Bahn-Ansagen von Fuß­ball­pro­mi­nenz gedacht wird, ist nur zwangs­läufig.

Denn der Poppy-Day ist längst kein Erin­ne­rungstag mehr, son­dern eher ein Anlass, um andere zu belei­digen, falls sie nicht genü­gend Respekt gegen­über den glor­rei­chen Toten zeigen. In den ver­gan­genen Jahren ist das eigent­lich als Gedenktag für alle euro­päi­schen Kriegs­opfer gedachte Datum zu einem quasi-natio­na­lis­ti­schen Ritual geworden. Ein Fest des will­kür­li­chen Patrio­tismus und der über­trie­benen, unan­ge­brachten Emo­tionen. Viel­leicht passt es also doch ganz gut zum Fuß­ball.