Seite 3: Priorität: Täter-Identifizierung

Vor Gewalt­aus­wüchsen wie in Erfurt ist der Verein den­noch nicht gefeit, wie sich am Sonntag zeigte. Es ist nicht unwahr­schein­lich, dass sich Ex-„Scenario“-Mitglieder mit anderen gewalt­be­reiten Lok-Anhän­gern – teils aus der Free-Fight-Szene – zusam­men­getan haben; auch Hal­lenser Hoo­li­gans sollen laut Gruschka betei­ligt gewesen sein. Wenn genü­gend Bri­sanz im Spiel ist und das Sicher­heits­kon­zept es her­gibt, können sich diese Leute überall bei Aus­wärts­spielen sam­meln und los­schlagen“, glaubt Fan Andreas Horster.

Obwohl vor der Partie zwei Sicher­heits­be­spre­chungen statt­ge­funden haben, sei bei der Umset­zung laut Gruschka nicht alles optimal gelaufen. Andreas Nichel­mann, noch bis 30. Juni Erfurter Sicher­heits­be­auf­tragter, will sich dazu nicht äußern. Die Partie gegen Lok war das letzte Spiel seiner Secu­rity-Agentur Guar­dian Force Secu­rity“; der Ver­trag mit dem Sicher­heits­dienst­leister läuft zum Sai­son­ende aus.
 
Augen­zeugen berichten, dass die Ein­lass­kon­trollen teil­weise man­gel­haft gewesen und auch Fans ohne Tickets ins Sta­dion gelangt seien. Trotz der Ein­stu­fung als stör­an­fäl­liges Spiel“ wurde alko­hol­hal­tiges Bier aus­ge­schenkt, weil der Caterer so kurz­fristig nicht mehr umplanen konnte, gibt auch der Erfurter Spiel­tags-Ver­ant­wort­liche Jens-Chris­tian Porsch klein­laut zu.

Die Schläger waren auf Eska­la­tion aus

Sonst habe Rot-Weiß Erfurt der Bri­sanz des Spiels jedoch mit zahl­rei­chen Maß­nahmen Rech­nung getragen, unter anderem mit dem Umzug ins grö­ßere Stei­ger­wald­sta­dion sowie 75 eigenen und 20 Leip­ziger Sicher­heits­kräften – eigent­lich genug für ein bri­santes Spiel in Liga fünf. Dazu wurden im Vor­feld unüb­li­cher­weise die Hymnen beider Klubs abge­spielt. Wir haben alle dees­ka­lie­renden Maß­nahmen, die man ergreifen kann, durch­ge­führt“, sagt Porsch. Doch die Schläger, die diese Partie nach langer Absti­nenz mal wieder als Bühne miss­brauchten, waren auf Eska­la­tion aus.
 
Nun arbeiten die Lok-Ver­ant­wort­li­chen mit Hoch­druck daran, die Schul­digen aus­findig zu machen und hart zu bestrafen. Auf der Web­seite prangt an Posi­tion eins der Reiter Täter-Iden­ti­fi­zie­rung“, bei dem die Gewalt­täter auf zahl­rei­chen Videos und Fotos im Netz zu sehen sind. Vor­stand Gruschka sagt: Wir werden rigoros durch­greifen, die Täter bekommen lebens­langes Haus­verbot.“ Über 100 Hin­weise seien bereits ein­ge­gangen. Er ist guten Mutes, dass nahezu alle auf den Bil­dern zu sehenden Hoo­li­gans iden­ti­fi­ziert werden können.

Dazu will Lok auch mit Rot-Weiß Erfurt zusam­men­ar­beiten, der als gast­ge­bender Verein Sta­di­on­ver­bote ver­hängen kann. Mit Hilfe der Polizei sollen Regress­an­sprüche an die Täter wei­ter­ge­leitet werden. Not­falls setzen wir das mit dem Gerichts­voll­zieher durch“, droht Gruschka. Bis­lang musste die Polizei die ledig­lich vier vor­über­ge­hend Fest­ge­nom­menen alle­samt wieder gehen lassen.

Wirft Basler das Hand­tuch?
 
Bis auf Mario Basler haben sich inzwi­schen alle Ver­ant­wort­li­chen zum Verein bekannt – auch der zwei­felnde Trainer Heiko Scholz. Basler indes hat sich nach der Prä­si­di­ums­sit­zung am Montag bis Ende der Woche Bedenk­zeit erbeten. Noch vor gut drei Wochen hatte die Lok-Gali­ons­figur gesagt: Wenn nichts dazwi­schen kommt, werde ich meinen Ver­trag bis 2016 erfüllen. Wenn es auch der Verein will, würde ich auch länger bleiben.“ Nun kam in Erfurt aller­dings etwas dazwi­schen. Es ist höchst unsi­cher, ob Basler wei­ter­macht.
 
Die über 1660 Lok-Mit­glieder und tau­senden Fans demons­trieren Zusam­men­halt – trotz der Ohn­macht gegen die mediale Prä­senz der Ran­dale. Es geht jetzt darum, starke Zei­chen zu setzen“, sagt Fan Andreas Horster. Das tut der Klub am Samstag, wenn sich Hun­derte Profis und Nach­wuchs­spieler, Fans und Ver­ant­wort­liche zu einem Schul­ter­schluss im Mit­tel­kreis des Bruno-Plache-Sta­dions um das Lok-Logo ver­sam­meln wollen. Wir wollen zeigen, das ist der wahre 1. FC Lok“, sagt Gruschka. Wir lassen uns von 50 Kri­mi­nellen nicht bremsen.“ Andreas Horster impo­niert das Kri­sen­ma­nage­ment des Ver­eins. Wie klar Lok reagiert, ver­dient Respekt und Unter­stüt­zung“, sagt er. Es bestärkt mich darin, den Verein eben­falls weiter zu för­dern.“