Er kann es ein­fach nicht lassen. Als Uli Hoeneß nach dem gest­rigen Heim­sieg des FC Bayern in der Cham­pions League auf die Ein­las­sungen von Marc André ter Stegen zur Situa­tion im deut­schen Natio­naltor ange­spro­chen wurde, konnte er nicht an sich halten. Ter Stegen hatte ver­gan­gene Woche nach der Län­der­spiel­reise gesagt, es sei für ihn ein harter Schlag“ gewesen, im Natio­naltor nicht zum Ein­satz gekommen zu sein und dass er die Situa­tion, beim DFB kate­go­risch als Nummer zwei geführt zu werden, als nicht ein­fach emp­fände. Keine über­ra­schende Ansicht eines Leis­tungs­sport­lers, der in diesem Jahr – einem Jahr des Umbruchs in der Natio­nalelf übri­gens, ohne den Druck eines großen Tur­niers – zu den Nomi­nierten bei der Wahl zum Welt­tor­hüter gehört.

Diesen Kom­mentar quit­tierte Hoeneß nun in alt­be­kannter Manier mit einem Rund­um­schlag. Wie ter Stegen mit Neuer umgehe, sei ein Witz“, der Schluss­mann des FC Bar­ce­lona pumpe sich auf, als ob er schon 17 Welt­meis­ter­schaften gewonnen“ habe, eröff­nete der schei­dende Bayern-Präsi seine Tirade. Er ließ keinen Zweifel daran, dass aus seiner Sicht auch dunkle Mächte beim Ver­band ein Inter­esse hätten, wenn die Tor­wart­dis­kus­sion auf­brandet: Dass man es zulässt, dass ein Mit­spieler in die Öffent­lich­keit geht für ein Thema, das er nur mit Jogi Löw zu bespre­chen hat, ist nicht in Ord­nung“. Tina-Turner-Fan Hoeneß ver­fährt bei seinen Ein­las­sungen munter nach dem Simply the Best“-Motto, dass, wer im Trikot des Klubs von der Säbener Straße auf­läuft, gar nicht anders kann, als der Beste auf seiner Posi­tion zu sein: Ich finde es unmög­lich, dass man so ein Thema in die Öffent­lich­keit bringt. Er (ter Stegen, d. Red.) hat über­haupt keinen Anspruch, dort zu spielen. Die Hier­ar­chie muss klar sein, und die Hier­ar­chie ist klar: Manuel Neuer ist die Nummer eins.“

Hoeneß lernt nicht aus der Geschichte

Der Bayern-Boss zeigt einmal mehr, dass er aus der Geschichte nicht lernt. Erst vor wenigen Wochen lief im Hes­si­schen Rund­funk die ver­dienst­volle TV-Doku­men­ta­tion Nummer Eins“ von Ger­hard Schick, die sich mit den großen Tor­hü­tern des deut­schen Fuß­balls seit den Sieb­zi­gern befasst. Einen Fokus legt der Film auf das Duell zwi­schen Oliver Kahn und Jens Leh­mann 2006. Darin erzählt Leh­mann mit süf­fi­santem Lächeln, wie Hoeneß sich damals in einer Wut­rede vor Oliver Kahn warf – ohne dass der dama­lige Bun­des­trainer Jürgen Klins­mann bereits eine Ent­schei­dung in der Tor­wart­frage ver­kündet hatte. Mir war klar,“ so Leh­mann, das war jetzt nicht so schlau von denen.“ Das Ein­zige, was Klins­mann zuvor gesagt hatte, war, dass er auf allen Posi­tionen eine Kon­kur­renz­si­tua­tion schaffen wolle, im Zweifel auch im Tor.