Der Party-Abstieg

Eigent­lich steht der Abstieg schon am 34. Spieltag der Vor­saison fest. Der leid­tra­gende Klub hat sich irgendwie auf einen Auf­stiegs­rang gemo­gelt und erklärt sich fortan per­ma­nent zum größten Außen­seiter seit dem Hir­ten­jungen David. Auf dem Rat­haus­balkon ver­kündet der besof­fene Kapitän mit um den Kopf gebun­denen Sei­den­schal, dass man nächstes Jahr die Bayern ärgern werde, dass man die besten Fans der Welt habe und er diesen Verein mehr liebe als seine Groß­mutter.

In der neuen Liga dann jedoch lässt sich der Verein 34 Spiel­tage lang ver­prü­geln. Die Fans haben trotzdem Spaß. Men­schen, die sich jah­re­lang über den Verein lustig machten, sind auf einmal dessen treuste Fans“. Nach jedem Spiel füllen Uwes und Rei­ners die Kom­men­tar­spalten der Social-Media-Kanäle: Respekt! Eure Fans sind eine Berei­che­rung für die Liga und das sage ich als Bayern-Fan“. Uwe und Reiner sind von ihrer eigenen Cou­rage ergriffen, den sich im Rausch befind­li­chen Anhän­gern ist es egal. In diesen Tagen ist ihnen sowieso alles gleich­gültig. Der Abstieg ist eine Rand­notiz, er wird besoffen und wider­spruchslos akzep­tieren. Das toxi­sche des Party-Abstiegs zeigt sich erst im nächsten Jahr, wenn die ins Absurde gestie­gene Erwar­tungs­hal­tung nicht mehr ein­ge­halten werden kann. Der betrun­kene Kapitän spielt da bereits woan­ders.

Typi­sche Kan­di­daten: Darm­stadt, Fürth
Diese Saison: Bie­le­feld

Der Fol­tertod

Die Vor­be­rei­tungs­zeit in der Som­mer­pause wird auf Neben­kriegs­schau­plätzen ver­geudet. Fan­pro­teste gegen die Farbe des Aus­weich­tri­kots oder Gerüchte über uto­pi­sche Sta­di­on­aus­bau­pläne ver­ne­beln den Blick auf das Wesent­liche. Nie­mandem fällt auf, dass die beiden besten Spieler zwar gewinn­brin­gend ver­kauft wurden, adäquater Ersatz aber aus­bleibt. So stirbt der Verein einen quä­lend lang­samen Tod. Der Sai­son­start ist eine Kata­strophe. Dann wird es schlimmer. Am 6. Spieltag muss der erste Trainer gehen. Sport­re­porter über­bieten sich da bereits im Auf­zählen neu­auf­ge­stellter Nega­tiv­re­korde. Zur Win­ter­pause steht der Abstieg prak­tisch fest. Anstatt für die Liga drunter zu planen, zücken alte weiße Männer nochmal ihr dickes Porte­mon­naie, um sich mit Panik-Ein­käufen als Retter der Region auf­zu­spielen. Die lokalen Wirt­schafts­fürsten ver­trauen dabei mehr auf Sky-Screen­time als auf sport­liche Exper­tise. Viele große Namen kommen, Erfolg nicht.

Spä­tes­tens am 30. Spieltag ist dann auch rech­ne­risch alles dicht. Der fünfte Trainer der Saison nimmt seinen Hut. Das Ende der Saison gleicht einer Erlö­sung. Doch nach der Som­mer­pause geht alles genauso weiter… eine Liga tiefer.

Typi­sche Kan­di­daten: 1. FC Kai­sers­lau­tern, Han­nover 96
Diese Saison: Schalke