Holger Tri­bian, Ihre Sta­di­on­mo­delle sehen nach unglaub­lich viel Arbeit aus. Warum nehmen Sie das auf sich?
Eine kleine Macke haben wir schon, aller­dings im posi­tiven Sinne. Ich glaube, wir sind die Ein­zigen welt­weit, die Fuß­ball­sta­dien so detail­liert nach­bauen. Ein sol­ches Modell ist eine Hei­den­ar­beit. Wir mussten 24.000 Mini-Sitz­plätze ori­gi­nal­ge­treu an ihren Platz mon­tieren.

Nachdem Sie mit dem Wedau­s­ta­dion fertig waren, haben Sie sofort mit dem Mill­erntor ange­fangen. Das hat zum Glück weniger Sitz­plätze.
Steh­plätze sind auch nicht ohne. Ver­su­chen Sie mal, mil­li­me­ter­genau Wel­len­bre­cher zuzu­sägen. Mein Frau setzt jedes Geländer mit der Pin­zette ein. Und davon gibt es 166 Stück allein auf der neuen Gegen­ge­rade am Mill­erntor.

Werden Sie nie unge­duldig?
Für mich ist das Aus­gleich zum Beruf. Ich arbeite beim Wasser- und Schiff­fahrtsamt, nach Fei­er­abend gehe ich in meine Dach­ga­lerie und fange an zu sägen. Für andere mag das wie Wahn­sinn wirken, aber für mich ist es abso­lute Ent­span­nung. Manchmal sage ich zu meiner Frau: Ich gehe nochmal fünf Minuten hoch, ein kleines Teil zurecht­sägen.“ Es kann vor­kommen, dass ich erst sechs Stunden später wieder her­un­ter­komme.

Wie passt ein derart auf­wen­diges Hobby in Ihren Alltag?
Eigent­lich gar nicht. Wir nehmen uns die Zeit ein­fach. Für das Wedau­s­ta­dion haben wir drei Jahre, zwei Monate und fünf Tage gebraucht. Es war unser erstes Groß­pro­jekt, davor haben wir das Sta­dion von Slovan Liberec gebaut. Für das benö­tigten wir etwa ein Drittel der Zeit: circa 2000 Arbeits­stunden.

Wieso Liberec?
Meine Frau kommt daher. Damals war ich noch Bin­nen­schiffer und baute Modelle von Bin­nen­schiffen. Mein Frau kam auf die Idee, Fuß­ball­sta­dien zu bauen. Das erste Modell bauten wir gemeinsam.

Drei Jahre Bau­zeit sind lang. Hatten Sie nie einen Unfall oder sind mal auf das Modell gestol­pert, sodass alles zusammen brach?
Zum Glück nicht. Aber wenn das mal pas­sieren sollte, kann man es ja wieder repa­rieren. Das Modell ist so kon­zi­piert, dass man es in weniger als zehn Minuten ab- oder auf­bauen kann. Zusammen mit dem MSV-Archiv haben wir das Sta­dion bei einer Muse­ums­woche schon wäh­rend der Bau­phase aus­ge­stellt. An einem Wochen­ende kamen rund 2.500 Besu­cher – wir waren über­wäl­tigt. Es kamen sogar Modell­bauer aus Bayern, um das Sta­dion in Natura zu bewun­dern.

Außerdem haben Sie eine Aktion geplant, die Hall of Fans“ heißt. Klären Sie uns auf.
Das ist unser Dau­er­kar­ten­pro­jekt. Jeder Fan kann sich in unserem Modell gegen einen Obolus von 15 Euro ver­ewigen. Die Fans schi­cken eine Beschrei­bung oder ein Foto von sich und meine Frau fer­tigt dann kleine Modell­männ­chen an, die den Fans nach­emp­funden sind. Die stellen wir dann an ihrem Stamm­platz im Sta­dion. Wie im Ori­ginal, passen 31.514 Zuschauer in das Modell. Banner und Fahnen sind natür­lich auch erlaubt. Quasi eine lebens­lang gül­tige Dau­er­karte. Das war eine Idee der Duis­burger Fan­szene, um uns zu unter­stützen.

Wie viel Geld haben Sie ins­ge­samt in das Sta­dion inves­tiert?
Für Mate­ria­lien mit allem Drum und Dran haben wir in das Wedau­s­ta­dion über 5000 Euro gesteckt.

Und wenn Sie Ihre Hand­ar­beit ein­be­rechnen?
Das Modell von Profis schätzen zu lassen, kostet allein schon 1.000 Euro. Aber wir haben mal beim mari­timen Museum Ham­burg nach­ge­fragt, die kennen sich auch aus mit Modellbau. Dort wurde das Modell ohne Figu­ren­pro­jekt auf 75.000 bis 80.000 Euro geschätzt. Eine geeig­nete Vitrine, die wie­derum etwa 5.500 Euro kostet, ver­su­chen wir über Modell-Ban­den­wer­bung zu finan­zieren.

Könnten Sie es ver­kaufen?
Es steckt zu viel Herz­blut darin, dar­über habe ich bis jetzt noch nicht einmal nach­ge­dacht.