Sami Khe­dira
Casa­nova, Casa­nova: Sami Khe­dira macht mit dem Fuß­ball Schluss. Nach Lie­be­leien beim VfB Stutt­gart, Real Madrid, Juventus Turin, eben dieser Hertha, samt etli­chen Titeln und einer heißen Nacht in Rio, endet eine große Kar­riere. Heute hier, morgen da. Sein letztes Ren­dez­vous bei Hertha endete dre­ckig mit einem 1:2 in Hof­fen­heim. Nach neun Bun­des­li­ga­spielen zieht der Ste­cher weiter. Der Spargel erntet sich nicht von alleine.

Sven & Lars Bender
Die mensch­ge­wor­denen Mus­kel­fa­ser­risse beenden eben­falls ihre Kar­rieren. Wäh­rend Lars Bender vor­erst – natür­lich – wegen einer Menis­kus­ver­let­zung nicht auf dem Platz stehen konnte, durfte Sven Bender ein letztes Mal auf­laufen. Und das auch noch in dem Sta­dion, das acht Jahre lang seine Heimat gewesen ist. Das Schicksal meinte es dieses Mal gut mit ihm. Ohne Kap­sel­riss, Rip­pen­bruch oder Seh­nen­rei­zung been­dete Sven Bender sein finales Kar­rie­re­spiel. In der Schluss­mi­nute ging er vom Platz und machte für seinen Bruder Lars Platz, der noch einen Elf­meter ver­senken durfte. Wun­der­bare Szene, leider vor schwei­genden Plas­tik­schalen. Doch viel­leicht war es auch gut, dass kein volles West­fa­len­sta­dion und kein aus­ver­kaufter Aus­wärts­block Abschied von den Bender-Brü­dern nehmen konnten. Ver­mut­lich hätten sie sich ansonsten beim Schluchzen noch die Trä­nen­drüse gedehnt, beim Schlu­cken die Rachen­hin­ter­wand ange­rissen oder bei der Laola-Welle die Rota­to­ren­man­schette gesprengt.

Werder Bremen
Die Stille danach. Wenn selbst die Kraft zum Weinen fehlt. Der Schock so tief sitzt, dass er die Luft zum Atmen abschnürt. Ja, dann ist etwas Schreck­li­ches pas­siert. Aber wie konnte es soweit kommen? Wie? Vor­letzter? Nur ein ein­ziger war noch schlechter. Das ist bla­mabel, beschä­mend. Wie soll man so etwas erklären? Man, man, man. Gut, wenn man ehr­lich ist, war das irgendwo auch abzu­sehen. Ganz ehr­lich, diese blon­dierten Haare, das pinke Sakko, dann so ein Kack-Song: Da darf man sich eigent­lich nicht über den vor­letzten Platz beschweren. I don’t feel hate, aber das war wirk­lich gar nichts, Jen­drik Sig­wart! 

Theo Gebre Sel­assie
Bye, Bye But­terfly“, Sayo­nara Car­bo­nara“, See you soon, sailor moon“: Ihr glaubt, schlimmer als auf diese Weise kann man sich nicht ver­ab­schieden? Dann schaut mal nach Bremen, wo Theo Gebre Sel­assie sein letztes Spiel für Werder gemacht hat, das gleich­be­deu­tend mit dem ersten Abstieg seit 1980 war. Neun Jahre Werder. Sebas­tian Mie­litz, Tom Try­bull, Levent Aycicek kamen und gingen, Gebre Sel­assie ist geblieben. Er hielt die rechte Seite zusammen, stand für Kon­stanz und kom­pen­sierte jah­re­lang die See­len­lo­sig­keit in der Truppe. Nun ver­lässt er Werder und lässt seinen Klub in Liga Zwei zurück. Also: Eine noch beschis­se­nere Ver­ab­schie­dung ist mög­lich. In diesem Sinne: Bis denne, Antenne!

Manuel Gräfe
Auch Manuel Gräfe ist nach 16 Jahren Bun­des­liga gezwungen auf­zu­hören. Der Alters­grenze des DFB sei Dank. Es war zuletzt aber auch schlimm anzu­sehen, auf welch per­verse Art Gräfe durch die Saison geschliffen wurde. Dieser gebrech­liche 47 Jahre alte Körper glich bloß noch einer in sich zusam­men­fal­lenden Ruine. Er war schon nur noch mit Hör­gerät auf dem Platz zu sehen, immer in Ver­bin­dung mit seinen zwei Pfle­ge­kräften an der Sei­ten­linie. Die Pfeife, die Gräfe immer bei sich trägt, war ein Geschenk seiner besorgten Enkel­kinder. Mehr­mals pro Spiel musste er sie benutzen, weil die Seni­lität ihm die Ori­en­tie­rung geraubt hatte. So konnten ihn die anderen finden. Die hohe Fre­quenz des Pfiffs kann Gräfe selbst schon lange nicht mehr wahr­nehmen. Mit dem grün­weißen Auf­druck auf dem Ärmel ist zudem seine bei­nahe Blind­heit gekenn­zeichnet. Die Funk­ti­ons­schuhe mit den kleinen Kunst­stoff­haken unter der Sohle helfen sich im Boden fest­zu­haken, um seinem unsi­cheren Gang Halt zu ver­leihen. Durch Wunder der Technik und der Medizin konnte sein Schieds­richter­leben künst­lich am Leben gehalten werden. Bei aller Liebe ist es jedoch schlicht und ergrei­fend fahr­lässig, dass der DFB Gräfe in diesem Alter noch hat arbeiten lassen. Daher hat er seinen Lebens­abend nun mehr als ver­dient.

Abschluss­ball in Dort­mund
Es hatte was von Abschluss­ball am Sams­tag­nach­mittag in Dort­mund. Wie die meta­pho­ri­sche Pus­te­blume trieb es die Abschluss­klasse nun aus­ein­ander: Lukasz Piszczek geht nach elf Jahren Borussia Dort­mund zurück in seine Heimat, die Bender-Brüder fahren nach zehn Bun­des­li­ga­jahren ihre geschun­denen Körper her­unter, Manuel Gräfe ver­lässt die Liga, Edin Terzic und Hannes Wolf treten zurück in den Hin­ter­grund. Wochen­lang drehte sich schon alles um diesen Tag: Wer geht mit wem? Was anziehen? Wer wird Ball­könig? Mit Stretch-Limo ging’s zum Ball­saal, es gab Begrü­ßungs­drinks, Erin­ne­rungs­fotos, die Ball­könig-Wahl. Die Kom­bi­na­tion aus Wald­meis­ter­bowle und School’s Out“ von Alice Cooper brachte den Saal dann zum Brennen. Und spä­tes­tens bei der mit Green Days Good Rid­dance“ unter­legten Dia­show hatten dann auch die coolsten Jungs der Stufe einen Kloß im Hals. I hope you had the time of your life!

Sebas­tiaan Bornauw
Der ret­tende Stroh­halm in stroh­blond. Fair Trade in Bel­gien her­ge­stellt. Oft aus deko­ra­tiven Zwe­cken im Glas, landen die aus Erdöl her­ge­stellten Plas­tik­röhr­chen kurze Zeit später im Müll­eimer. Mit Ret­tungs­halm Bour­nauw sieht die Kölner Öko-Bilanz wieder besser aus. Er ist sogar wie­der­ver­wendbar. Also Mitt­woch schön Kiel weg­schlürfen. Trotzdem, kleiner Ser­vice­tipp an dieser Stelle: Nächste Saison ein­fach kom­plett auf Stroh­halme ver­zichten, schmeckt eh besser ohne.

Frank Kramer
Bie­le­felds Trainer trat am letzten Spieltag im Fern­duell gegen Fried­helm Funkel mit dem 1. FC Köln und Thomas Schaaf mit Werder Bremen an. Das sind 23 Bun­des­li­ga­spiele an der Sei­ten­linie, die auf 516 bezie­hungs­weise 525 Bun­des­li­ga­spiele trafen. Ob Frank Kramer nicht nur aus­sieht wie Mario Barth, son­dern auch den glei­chen Elan hat? Schaaf und Funkel konnten da jeden­falls nicht mit­halten. Ja, wat war’n ditte in Stutt­gart? Es is so geil, ey. Kennste Klas­sen­er­halt? Klas­sen­er­halt, kennste? Schaaf, kennste nich, ne? Pass auf, Alter! Und jetzt hat er auch ne Freundin. Ne Freundin! Kennste, Kennste, Kennste. Nächstes Jahr macht Kramer mit seinem Pro­gramm dann die Alm voll.

Jerome Boateng, David Alaba und Javi Mar­tinez
Haben in neun gemein­samen Jahren bei den Bayern ins­ge­samt 24 Titel geholt. So viele kann sich kein Spit­zen­po­li­tiker der Welt erschlei­chen. Nicht mal Prinz Marcus kann sich so viele Titel leisten. Nun ver­lassen Boateng, Alaba und Mar­tinez den Verein. Seltsam wird das. Bayern ohne die drei ist wie Prinz Marcus ohne Pro­zess, wie Spit­zen­po­litik ohne Pla­gi­ats­af­färe.

Oliver Glasner
Ich, Oliver Glasner, werde nächstes Jahr defi­nitiv in Wolfs­burg spielen“, soll Alex­ander Bommes neu­lich aus dem jungen, schüch­ternen Trainer der Wolfs­burger her­aus­ge­presst haben. War wahr­schein­lich gelogen. Dabei könnte Glasner in der Auto­stadt eine Ära prägen, der Wolf­gang Wolf der Neu­zeit werden. Mit Augen­thaler-Selbst­in­ter­views und Felix-Magath-Zucht­meister-Trai­ning.

Der letzte Spieltag
Dem 34. Bun­des­li­ga­spieltag einer Saison wohnt häufig eine Melan­cholie inne. Wenn man nicht gerade Fan des 1. FC Köln oder Arminia Bie­le­feld ist. Da benö­tigt man in der Regel näm­lich einen Herz­schritt­ma­cher, um über­haupt noch einen Schlag zu tun. Oder man hat sich Borussia Mön­chen­glad­bach ver­schrieben. Da näm­lich werden übli­cher­weise die Ziele auf dem letzten Meter noch ein­ge­rissen. Oder natür­lich man gehört Ver­einen wie dem VfL Wolfs­burg, TSG Hof­fen­heim und Co. an. Da ist im Grunde auch nicht mehr viel mit Gefühlen jeg­li­cher Art. Aber die drei, vier anderen Klubs, die es in der Liga noch gibt, dürfen am letzten Spieltag melan­cho­lisch sein. Denn ganz egal, wie die Saison ver­laufen ist, nun heißt es fürs Erste: Abschied nehmen. Von Spie­lern, die den Verein ver­lassen, von Trai­nern, die gehen oder von Sta­dien, die einem Auto­haus Platz machen müssen. Schlimm ist die Leere, die ein­kehrt, wenn der 34. Spieltag gespielt ist, mit Kum­pels und Kum­pelinen der letzte Schluck gebe­chert und im Anschluss an der Bude das Bier in dem Wissen rein­ge­kehlt wird: Das dauert jetzt erstmal bis dieses Gefühl wie­der­kehrt. Und Wochen später, gerade als der Gedanke kommt, es ginge ja irgendwie auch ohne Fuß­ball, baut es sich urplötz­lich wieder auf. Erst kommt das Kicker-Son­der­heft, per You­Tube-Scou­ting deutet sich an, dass der neue Rechts­ver­tei­diger aus St. Eti­enne tat­säch­lich sechs Mil­lionen Euro wert ist. Bald darauf die ersten Vor­be­rei­tungs­spiele gegen VVV Venlo und SSV Reut­lingen. Da ist der neue Außen­stürmer, den die Ver­ant­wort­li­chen aus der Jugend von Real Sociedad los­ge­eist haben und bei dem es etwas ver­wun­der­lich ist, dass er sich zu diesem Rum­pel­klub hat trans­fe­rieren lassen. Dann geht es in die erste DFB-Pokal­runde gegen den 1. FC Saar­brü­cken. Das Team fliegt selbst­ver­ständ­lich raus. Der Trainer steht bereits zur Debatte. Schließ­lich beginnt die Saison: Erster Spieltag, Spät­sommer, vier Halbe sitzen, die Stim­mung ist gelöst. Nach 23 Sekunden klin­gelt es im Tor. Zur Halb­zeit liegt das Team 0:3 gegen Hof­fen­heim zurück. Und es werden Erin­ne­rungen an diese herr­li­chen Abende in der Som­mer­pause wach, als es eine Sorge weniger gab.