Seite 2: „Als Novize gekommen, als Novize gegangen“

Bis dato hatte sich Kovac aus der engen Umklam­me­rung stets mit Ergeb­nissen befreit. Doch nach dem 7:2‑Sieg gegen Tot­tenham man­gelte es seinem Team auch zuse­hends an Sou­ve­rä­nität auf dem Rasen: die Nie­der­lage gegen Hof­fen­heim, nur unent­schieden in Augs­burg, mühsam gewonnen in Piräus, das Bei­nahe-Aus im Pokal in Bochum und schließ­lich der Offen­ba­rungseid am ver­gan­genen Samstag bei seinem Ex-Verein Ein­tracht Frank­furt: 1:5, die höchste Nie­der­lage seit einer Dekade.

Als würde sich da ein Kreis schließen. Aus Frank­furt war er als Novize an die Säbener Straße gewech­selt und zum glo­riosen Double-Trainer auf­ge­stiegen – in Frank­furt wurde Kovac nun wieder auf Novizen-Maß­stab zurecht­ge­stutzt. Über die letzten Wochen hatte sich das Gefühl ver­fes­tigt, dass zwi­schen Mann­schaft und Trainer irgend­etwas im Argen liegt. Auf Pres­se­kon­fe­renzen wurde Kovac plötz­lich phi­lo­so­phisch und schwa­dro­nierte dar­über, dass Ehr­lich­keit im Umgang das oberste Gebot sei. Seine Worte bezogen sich zwar auf den Umgang mit Jour­na­listen – und doch wurde man das Gefühl nicht los, dass der Coach sich irgendwie allein gelassen fühlte und zuse­hends über­for­dert.

Kovac wirkte zuneh­mend über­for­dert

So liest sich auch seine Ent­las­sung. Um 18 Uhr am gest­rigen Abend dis­ku­tierte Deutsch­land noch dar­über, dass der FC Bayern ihm ein Ulti­matum für zwei wei­tere Spiele ein­ge­räumt habe. Am Vor­mittag hatte Kovac noch das Trai­ning geleitet. In einem Gespräch mit Sali­ha­midczic, Hoeneß und Rum­me­nigge muss er dann aber wohl den Ein­druck ver­mit­telt haben, dass unter ihm keine Wende im Nega­tiv­trend mehr mög­lich ist. Jeden­falls kor­ri­gierten die Bosse ihre Ent­schei­dung und ließen noch am Abend hastig die Ent­las­sung des Trai­ners ver­melden.

Das Expe­ri­ment ist geschei­tert

Nicht nur Niko Kovac muss sich ein­ge­stehen, dass er der Auf­gabe beim Rekord­meister lang­fristig nicht gewachsen war. Auch die FCB-Füh­rung muss ein­sehen, dass der alter­na­tive Weg, den der Klub mit Kovacs Ein­stel­lung ein­ge­schlagen wollte, in eine Sack­gasse geführt hat. Das Expe­ri­ment ist geschei­tert. Es wird span­nend sein zu sehen, mit wel­chem Trainer die Bayern nun den Rück­wärts­gang ein­legen und die Karre wieder in die Spur bringen. Einen Trai­ner­fürsten wie Arséne Wenger oder José Mour­inho zu ver­pflichten, um das Unter­hal­tungs­level hoch zu halten und das Spot­light weg vom maroden Team, wäre simpel und mit Geld schnell zu bewerk­stel­ligen.

Eine Ant­wort auf die zen­trale Fragen, die sich dem FC Bayern an diesem Punkt seiner Ent­wick­lung stellen, wäre es jedoch nicht. Die Fragen lauten: Für welche Art von Fuß­ball wollen wir als Verein in Zukunft stehen? Und können wir mit diesem Fuß­ball auch inter­na­tional bestehen?