Seite 2: Wie hätten Klopp oder Tuchel wohl auf so eine Frage reagiert?

Darin wird deut­lich: Klauß ist nach der Nie­der­lage von Beginn an emo­tional ange­fasst. Die Jour­na­listen stellen bis­sige, aber immer noch sach­liche Fragen. In diesen Zeiten rei­chen sie diese schrift­lich ein – und auf dem Papier for­mu­liert jeder nun einmal schärfer als im Gespräch von Ange­sicht zu Ange­sicht. Klauß aber sucht keine Aus­flüchte, son­dern bezieht zu jeder Frage klar Stel­lung. Erst als ihm vor­ge­halten wird, dass kein Match­plan“ zu erkennen gewesen sei, fühlt er sich ange­griffen. Der Trainer ist bekannt für seine akri­bi­sche Vor­be­rei­tung und tak­ti­schen Ana­lysen – genau diesen Vor­wurf will er nicht auf sich sitzen lassen. Seine Ant­wort mit asym­me­tri­schen Links­ver­tei­di­gern“ und ball­fernen Zeh­nern“ ist nichts anderes als die Aus­sage: Wenn du über Taktik reden willst, dann kannst du das gerne haben.

Klauß belei­digt nie­manden oder stellt ihn in den Senkel, er spricht hier nicht zu den Fans, den Spie­lern oder einem Fest­saal­pu­blikum. Er ant­wortet punkt­genau auf die Frage eines Jour­na­listen, zwar schnip­pisch, aber nicht ver­werf­lich. Man stelle sich einmal die Reak­tion von Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel vor, wenn ihnen vor­ge­halten würde, dass in ihrem Spiel kein Match­plan zu erkennen sei.

Nach seinen tak­ti­schen Aus­füh­rungen – und wirk­lich direkt nach dem viralen Clip – schränkt Klauß sogar selbst ein, dass Match­pläne und Taktik nicht viel helfen, wenn es an anderer Stelle hakt. Es liegt nicht an Taktik, son­dern an den Basics, die ich schon ange­spro­chen habe: zweite Bälle gewinnen, direkte Duelle gewinnen, Sprints setzen, fleißig nach­ar­beiten, den ersten Kon­takt sauber machen, 10-Meter-Pass zum Mit­spieler bringen, mich aktiv frei­laufen. Diese Dinge müssen erst mal funk­tio­nieren.“ Das war für jeden ver­ständ­lich und bei weitem kein Trainer-Deutsch.

Zwi­schen Packing und Über-die-Bande-flexen“

Die große Auf­re­gung um Klauß’ Aus­sagen resul­tiert auch daher, dass mitt­ler­weile in gänz­lich unter­schied­li­chen Stilen über Fuß­ball gespro­chen wird. Auf der einen Seite han­tieren Experten mit For­meln aus Expected goals“, Packing“ und Sprin­tin­ten­sität“, als würden sie als Doc Brown“ damit Marty McFly gleich zurück in die Zukunft schi­cken können. Auf der anderen Seite erklären Experten im Dop­pel­pass“ Nie­der­lagen einer Mann­schaft ver­läss­lich damit, dass da mal jemand den Gegner ordent­lich über die Bande flexen müsste. Die Füh­rungs­spieler fehlen!“ – Ja, Stefan, dir wäre das nicht pas­siert, hehe.“ – Ich wäre schon runter geflogen. Thomas, das weißt du“- Ich wäre gar nicht hin­ter­her­ge­kommen. Hehe. So, nur ein kurzer Spot, dann ana­ly­sieren wir weiter.“

Diese Gegen­sätze zwi­schen distan­zierter, sach­li­cher Ana­lyse und kum­pel­hafter Plau­derei ließen sich auf der Pres­se­kon­fe­renz in Nürn­berg beob­achten. Klauß saß nach seinen langen Ant­worten noch immer ange­fressen auf seinem Stuhl, als seinem Ham­burger Trai­ner­kol­lege Timo Schultz fol­gende Frage gestellt wurde: Schulle, du bist ja eigent­lich Tee­trinker, aber wie schmeckt dir ein Six­pack der Marke Burg­staller?“