Seite 2: Mutti wäscht das Glücks-T-Shirt

Wie aber­gläu­bisch sind Sie selbst?
Aber­glaube zieht sich bei mir von der Kind­heit bis ins Erwach­se­nen­alter heute. Das fing an mit einem Glücks-T-Shirt, das ich in der Jugend immer anhatte und das meine Mutter pünkt­lich gewa­schen haben musste am Spieltag. Auch jetzt habe ich natür­lich so meine Rituale, die aller­dings ein biss­chen ein­ge­schränkt sind, weil ich durch meine Arbeit nochmal ein ganz anderes Bewusst­sein für die The­matik geschaffen habe. Und es gibt immer wieder Mann­schafts­ri­tuale, ob man einen Kreis vorm Spiel macht oder bestimmte Musik hört. Ich glaube, dass die dem Ganzen dien­lich sein können.

Was ist denn Ihr per­sön­li­ches Ritual heute?
Ein typi­sches Ritual für mich ist es, nach dem Abschluss­trai­ning mit dem Tor­wart­trainer noch einmal mög­liche Situa­tionen durch­zu­gehen. Damit fühle ich mich gut, weil ich dann alles getan habe, um vor­be­reitet zu sein.

Und in dieser Situa­tion sind Sie dann aber­gläu­bisch?
Aber­glaube ist ja häufig sehr konfus, das habe ich wei­test­ge­hend abge­legt. Die meisten meiner Abfolgen vorm Spiel sind eher Beweg­lich­keits­übungen. Reiner Aber­glaube, wie den viele andere aus der Mann­schaft haben, ist bei mir nicht mehr vor­handen, auch wenn er die Geschichte bestimmt um einiges span­nender machen würde.

In Ihrer Mann­schaft ist Aber­glaube aber teil­weise viel offen­sicht­li­cher vor­handen?
Ein Mit­spieler zum Bei­spiel geht unmit­telbar vor jedem Spiel noch einmal duschen. Nicht weil er sich dadurch rein­li­cher fühlt, son­dern weil er meint, dann besser vor­be­reitet zu sein. Ein anderer wurde einmal vor einem gewon­nenen Spiel von einem wei­teren Mit­spieler abge­holt und bestand anschlie­ßend darauf, immer wieder abge­holt zu werden – auch wenn es eigent­lich wenig Sinn macht, dass wir dadurch besser spielen. Was ich bei mir fast noch als Aber­glaube durch­gehen lassen würde, ist, dass ich vor Spielen immer das Gleiche früh­stücke.

Bereuen Sie es manchmal, den Aber­glaube durch ihre For­schung ent­zau­bert zu haben?
Nein, bereuen kei­nes­falls, weil das eine super Erfah­rung für mich war. Ich bin jetzt in der Lage, das Ganze viel­leicht ein biss­chen bewusster zu lenken. Ich habe zwar meine Rituale – absolut –, aber ich habe auch ein Bewusst­sein dafür.