Manuel Neuer
45 Minuten lang bekam Neuer so wenig zu tun wie ein Secu­rity-Mann im Tante-Emma-Laden und auch in der Halb­zeit dürfte Deutsch­lands Nummer Eins wenig Chancen gehabt haben, end­lich auf eine ver­nünf­tige Betriebs­tem­pe­ratur zu kommen. Dann erbarmte sich Per Mer­te­sa­cker kurz nach der Pause mit einem Rück­pass, Neuer ver­suchte die Situa­tion spie­le­risch zu lösen“ (O‑Ton Neuer), übersah dabei den im toten Winkel her­an­ge­sprin­teten Dscholt­schijew, verlor den Ball und schenkte damit dem Deutsch-Kasa­chen Hein­rich Schmidtgal den Ehren­treffer. Es kam, was kommen musste, wenn ein Bayern-Tor­wart vor Par­tyhut-Fans aus Nürn­berg patzt: höh­ni­sches Geraune, bei jedem wei­teren Neu­erschen Ball­kon­takt. Jogi Löw regte das tie­risch auf – jeden­falls für seine Ver­hält­nisse. Seine Ver­suche, mit bedroh­li­chen Gesten die Zuschauer zum Schweigen zu bringen, waren in etwa so ang­st­ein­flö­ßend wie der anfangs erwähnte Tante-Emma-Tür­steher.

Philipp Lahm
Zuver­lässig wie ein Schweizer Uhr­werk, läuft und läuft wie einst der VW-Käfer – langsam gehen einem die pas­senden Ver­gleiche aus, um das Spiel von Philipp Lahm zu beschreiben. Man kann von dem deut­schen Kapitän ja halten was man möchte, aber kein anderer Natio­nal­spieler zeigt seit Jahren so kon­stant Spit­zen­leis­tungen wie der kleine Außen­ver­tei­diger. Sein Solo­lauf vor dem 2:0 durch Mario Götze war sicher­lich eines der High­lights des Spiels.

Per Mer­te­sa­cker
100 Meter ist Per Mer­te­sa­cker groß. Min­des­tens. Aber noch immer hat er kein ein­ziges Kopf­balltor für die Natio­nal­mann­schaft erzielt. Und das in 88 Ver­su­chen! Merke: Ein Tor­jäger wird der Mann vom FC Arsenal nicht mehr werden, dafür strahlt die blonden Boh­nen­stange inzwi­schen eine anste­ckende Bären­ruhe aus, die irgendwie an eine Mischung aus gemüt­li­chem Groß­vater und dem Paten erin­nert: Alles schon mal gesehen, alles kein Pro­blem. Wir sind soo kurz davor, Per Mer­te­sa­cker als cool“ zu bezeichnen.

Jerome Boateng
Viel­leicht war er der unauf­fäl­ligste Spieler auf dem Platz: Jerome Boateng machte in der Defen­sive treu und brav seine Arbeit, weil die aller­dings so anstren­gend war, wie der Gang zum Klo, war das nicht der Rede wert. Offensiv? Tauchte Boateng hier und da mal kurz vorm geg­ne­ri­schen Straf­raum auf, aber auch nur, um die Kurz­pass­künste seiner Vor­der­leute zu bestaunen. Schön, dass auch Natio­nal­spieler völlig belang­lose Arbeits­tage haben können.

Marcel Schmelzer
Wehe, wenn er los­ge­lassen! Bei Marcel Schmelzer hatte man auch ges­tern den Ein­druck, dass er eigent­lich noch viel mehr kann – wenn er sich denn traut. Seine Vor­stöße hatten jeden­falls was Chris­tian-Ziege-artiges (also der junge Chris­tian Ziege), nur streut Schmelzer diese Läufe doch relativ selten in sein Spiel ein. Defensiv konnte man dem Dort­munder bis auf wenige Minuten in der zweiten Halb­zeit keine Vor­würfe machen, aller­dings tat es der Links­ver­tei­diger da nur seinen Kol­legen gleich – und fiel kurz­zeitig in den Win­ter­schlaf.

Sami Khe­dira
Das Über­an­gebot im zen­tralen deut­schen Mit­tel­feld ist beängs­ti­gend. Und doch wird Sami Khe­dira auf lange Sicht der Stamm­platz wohl nicht zu nehmen sein. Kör­per­lich ist kein anderer deut­scher Mit­tel­feld­mann so prä­sent wie der Mann von Real Madrid, sein Zusam­men­spiel mit Krea­tiv­kraft Özil ist dank täg­li­cher Zusam­men­ar­beit immer wieder eine Augen­weide. Und inzwi­schen ist Khe­dira auch noch ziem­lich tor­ge­fähr­lich. Sagen wir es doch wie es ist: Deutsch­land kann sich sehr glück­lich schätzen, einen Spieler wie Khe­dira in den eigenen Reihen zu haben.

Mesut Özil
Ges­tern ver­öf­fent­lichte Aljo­sacha Pause die Kurz-Doku­men­ta­tion Mesut Özil, 17“. Da sieht man Uli Stieleke am Rande eines Hal­len­tur­niers irgend­wann 2006. Der Mann trug damals Sorge, dass sich Özil für die Türkei ent­scheiden könnte: So wie bei Nuri Sahin.“ Es kam bekannt­lich anders und des­wegen hat die DFB-Elf momentan einen der besten Mit­tel­feld­spieler der Welt in ihren Reihen. Ges­tern blitzte sein Können zwar nur auf, doch diese vielen rasanten Dribb­lings auf kleinstem Raum, diese Pässe in die Gasse, zwi­schen hun­derten von Beinen hin­durch, das ver­setzt uns jedesmal in einen bud­dhis­ti­schen Glücks­zu­stand. Manchmal denken wir dann, wir könnten fliegen.*

Ilkay Gün­dogan
Ilkay Gün­dogan konnte in seiner alten Heimat durchaus über­zeugen. Er berei­tete ein Tor vor, traf zweimal die Latte, hatte über 140 Ball­kon­takte und machte seinen ersten Län­der­spiel­treffer. Löw hatte ihn schon vor dem Spiel als mög­li­chen zukünf­tigen Welt­klas­se­spieler“ geadelt. Wir adeln mit: Gün­dogan ist die neue fal­sche Zehn“.

Mario Götze
Der Mann kann alles: Finten, Dribb­ling, im Mit­tel­feld spielen, auf der fal­schen Neun spielen, auf der echten Neun spielen, den Pfosten treffen. Und er kann sogar Tore schießen trotz Nasen­bluten. Würde er sonn­tags mal zum Kicken in unseren Lieb­lings­käfig kommen, würden wir mit ihm alleine gegen 20 gewinnen. Oder gegen 30.

Marco Reus
Der Dort­munder findet langsam zu alter Traum­form: Traum­pässe, Traum­sprints und ein Traum­solo zum 1:0. In der Schluss­phase machte er sogar noch ein zweites Tor. Halten wir in der Summe also fest: Dort­mund 4, Bayern ‑1.**

Thomas Müller
Der Abend begann ziem­lich her­vor­ra­gend für Thomas Müller. Dem Bayern-Spieler wurde von der Fifa das 1:0 im Hin­spiel gegen Kasach­stan zuge­spro­chen. Wir erin­nern uns: Der Schuss kam von Bas­tian Schwein­s­teiger, Thomas Müller hatte den Ball mit der Brust leicht abge­fälscht. Im gest­rigen Rück­spiel hatte er zwar Chancen für zwei Spiele – aber kein Glück. Auch er traf die Latte.

Mar­cell Jansen
Feh­lerlos. Note: 1. Und ja, ver­mut­lich wird Mar­cell Jansen seinen Enkeln eines Tages von diesem Spiel berichten. Damals, als er am 26. März 2013 in der 90. Minute für Marco Reus ein­ge­wech­selt wurde. Gegen die Kämpfer aus Kasach­stan.

*Die Lan­dung ist aller­dings hart.

**Ja, das war ein Scherz auf Kosten der Bayern. Und nein, ihr braucht des­wegen nicht das Abo kün­digen, auch wenn ihr Bayern-Fans seid.