Nicht einmal in der Fuß­ball­si­mu­la­tion FIFA erscheint dieses Ergebnis rea­lis­tisch und auch auf der geringsten Schwie­rig­keits­stufe wäre es kaum zu errei­chen. Den­noch kam es am 14. November zu diesem End­re­sultat in der klasa okrę­gowa, der pol­ni­schen sechsten Liga. Nur wie?

Als wenn es das nor­malste Zwi­schen­er­gebnis der Welt wäre, pos­tete Rewal wäh­rend der Begeg­nung auf seiner Face­book-Seite: In der 31. Spiel­mi­nute führen wir im Spiel gegen Pomor­zanin Nowo­gard mit 22:0.“ Zum Zeit­punkt des Posts schlug das Ergebnis in Polen noch keine großen Wellen. Unter dem Bei­trag sam­melten sich nur ein paar Kom­men­tare. Manche User fragten sich, ob das wirk­lich kein Ver­tipper sei und mit wie vielen Spie­lern der Gegner über­haupt anreiste.

Wie kam es dazu?

Tat­säch­lich ist die Spie­le­ran­zahl Nowo­gards dabei der erste Erklä­rungs­an­satz für das Resultat. Denn Pomor­zanin ist mit einer Rumpf­truppe in Rewal erschienen. Nur acht Männer standen auf dem Platz und damit gerade so die erfor­der­liche Anzahl an Spie­lern, um eine Partie über­haupt aus­tragen zu können.

Alle acht Spieler quälten sich über die volle Distanz von 90 Minuten und ließen die Schmach über sich ergehen. Somit ent­gingen sie der mög­li­chen Kon­se­quenz eines Abstiegs, die ein Spiel­ab­bruch bewirkt hätte. Denn: es wäre bereits der dritte Abbruch in Folge gewesen. Grund für die dezi­mierte Aus­wahl, die letzt­end­lich aus drei Junioren und fünf zufällig vom Nowo­gard-Prä­si­denten aus­ge­wählten Per­sonen aus dem Verein bestand, war jedoch keine Ver­let­zungs­mi­sere.

Pro­bleme im Verein

Denn so unwirk­lich es klingen mag: das 53:0 war nur die Spitze eines länger anhal­tenden Kon­flikts zwi­schen Mann­schaft und Ver­eins­füh­rung. Zen­traler Streit­punkt: die Trai­ner­ent­las­sung von Kamil Twar­zyński im ver­gan­genen Sep­tember. Ein nicht uner­heb­li­cher Anteil der Spieler ver­ließ mit dem trener gemeinsam den Verein. Twar­zyński zeigte im Gespräch mit Radio Stettin wei­terhin Unver­ständnis für die dama­lige Ent­schei­dung: Ich kann den Zeit­punkt meiner Ent­las­sung nicht ver­stehen, nach vier Siegen und zwei Remis. Aber ich hatte schon in meiner gesamten Zeit in Pomor­zanin Pro­bleme mit dem Prä­si­denten.“

Der Kon­flikt spitzte sich dar­aufhin der­artig zu, dass sich mut­maß­lich einige Spieler dem Prä­si­denten Marcin Skór­niewski wider­setzen wollten und des­wegen nicht zum Spiel in Rewal erschienen. Die Gründe dafür ord­neten Mann­schaft und Prä­si­dent gänz­lich unter­schied­lich ein. Pomor­zanin-Spieler Kacper Tor­zewski sagte, dass die man­gelnde Kom­mu­ni­ka­tion Schuld für das Nicht­er­scheinen sei: Der Prä­si­dent hat die Spieler nicht infor­miert, wann man sich trifft und wer über­haupt fährt.“ Prä­si­dent Skór­niewski unter­stellte den Spie­lern hin­gegen Vor­satz: Die Spieler ver­missen ihren Trainer. Aber wir hatten unsere Gründe, ihn zu ent­lassen. Nicht zum Spiel zu erscheinen ist unak­zep­tabel. Pomor­zanin ist jedoch ein großer Klub und einige Leute konnten uns helfen.“

Erste Kon­se­quenzen

Die Fronten zwi­schen Mann­schaft und Geschäfts­füh­rung sind anschei­nend so ver­härtet, dass eine Aus­söh­nung im Bereich des Unmög­li­chen liegt. So teilte der Verein mit, dass alle Spieler, die im Spiel gegen Rewal unent­schul­digt gefehlt hätten, mitt­ler­weile auf die Trans­fer­liste gesetzt und sich so mit sofor­tiger Wir­kung außer­halb der Struk­turen des Klubs befänden.

Auf­merk­sam­keit und Rekorde

Die Que­relen inner­halb des Ver­eins sind durch das 53:0 in den Fokus der Öffent­lich­keit gerückt. Nowo­gard-Fan Paweł Jezi­o­rski sagte ange­spro­chen auf die mediale Auf­merk­sam­keit mit einem süf­fi­santen Lächeln: Jeder von den ehe­ma­ligen Spie­lern und Fans hat natür­lich ins­ge­heim gehofft, dass Pomor­zanin mal in den Nach­richten auf­treten würde.“ Etwas ernster schob er hin­terher: Aber natür­lich nicht in so einem Zusam­men­hang.“

Das 53:0 ist der höchste Sieg in einem offi­zi­ellen Spiel der pol­ni­schen Fuß­ball Geschichte. Und noch einen wei­teren Rekord hat die Partie her­vor­ge­bracht: Mit 22 geschos­senen Toren gegen Nowo­gard ist Jacek Magd­ziński neuer Welt­re­kord­halter für die meisten in einem Spiel geschos­senen Tore.