1. AUF DER SUCHE NACH DER A‑ELF

Vier Test­spiele hat der FC bisher bestritten. Die Bilanz gibt weder Anlass zu vor­ge­zo­genen Kar­ne­vals­um­zügen noch zu kol­lek­tivem Ascher­mitt­wochs-Kater. Zum Auf­takt wurde eine Rhein-Berg Aus­wahl (5:0) stan­des­gemäß deklas­siert, es folgte ein Unent­schieden gegen Aus­tria Kärnten (2:2), ein Sieg gegen Rapid Wien (3:2) und zuletzt die erste Nie­der­lage gegen den ehe­ma­ligen slo­wa­ki­schen Meister MSK Zilina (1:2). Für latenten Opti­mismus im FC-Lager dürfte der Erfolg gegen Rapid Wien, den FC Bayern der Alpen­re­pu­blik, sorgen. Die Elf von Chris­toph Daum drehte nach einem 0:2‑Rückstand noch das Spiel und bewies damit echte Moral.



Der zweite Här­te­test gegen Zilina ver­lief weniger erfolg­reich. Es stand aber auch nur eine auf­ge­peppte B‑Elf auf dem Platz, die den B‑Status vor­erst auch weiter für sich bean­spru­chen darf. »Vieles ist offen geblieben, was wir uns eigent­lich vor­ge­nommen hatten«, kom­men­tierte Daum nach dem Spiel. Und schob gleich noch die übliche Trai­ner­floskel für miss­ra­tene Test­spiele hin­terher: »Das sich nie­mand ver­letzt hat, ist das einzig wirk­liche Posi­tive gewesen«. Um keine Lan­ge­weile auf­kommen zu lassen, werden bis Sai­son­be­ginn noch sieben wei­tere Test­spiele, unter anderem gegen den eigent­li­chen FC Bayern, folgen. So bleibt für Daum noch genü­gend Zeit seinen Spie­lern die in Lever­kusen erprobte »Staub­sauger-Ver­treter-Men­ta­lität« ein­zu­impfen und die wahren A‑Elf zu finden.


2. WOME? EIN KNALLER!

Helle Auf­re­gung bei den Trai­ningskie­bitzen am Geiß­bock­heim, gleich acht Neue stehen im FC-Kader. »Äver künne die och jät?« Die zwei­fellos pro­mi­nen­testen Ein­käufe heißen Manasseh Ishiaku und Pierre Womé. Der Nige­rianer Ishiaku wech­selte vom MSV Duis­burg in den Kölner Grün­gürtel und soll die klaf­fende Lücke in der Abtei­lung Sturm und Drang füllen, die der Abgang von Patrick Helmes zum rhei­ni­schen Erz­ri­valen Lever­kusen hin­ter­lassen hat. Dem bul­ligen Angreifer gelangen in der letzten Saison immerhin zehn Treffer für den Absteiger.

Links­ver­tei­diger Womé ist, wie Trainer Chris­toph Daum meint, ein echter »Knaller«, der aber in Bremen zuletzt nur noch für Knaller in nega­tiver Hin­sicht zu gebrau­chen war. Nach seiner Kritik am Mann­schafts­arzt und einer hart­nä­ckigen Ver­let­zung lan­dete der ehe­ma­lige Leis­tungs­träger auf dem Abstell­gleis. Es bleibt abzu­warten, wie sich der Kame­runer in Köln ein- und unter­ordnet. Unbe­stritten ist seine mit 67 Län­der­spielen große Erfah­rung, die für den FC sehr wert­voll werden könnte. 1,90 Meter-Riese Pedro Tonon Geromel soll mit seiner robusten Zwei­kampf­füh­rung, seiner Kopf­ball­stärke und Schnel­lig­keit die Defen­sive ver­stärken. Der bra­si­lia­ni­sche Innen­ver­tei­diger wurde vom por­tu­gie­si­schen Erst­li­gisten Vitoria Gui­ma­raes ver­pflichtet.

Wei­tere Neu­linge mit Stamm­platz­po­ten­zial sind Miso Brecko (vom Ham­burger SV) und der wuse­lige Angreifer Wil­fried Sanou (vom SC Frei­burg). Bei Namen wie Michael Gar­dawski und Taner Yalcin (beide kommen aus der eigenen Jugend) sowie Daniel Bro­sinski (von den Ama­teuren des KSC) könnte die Lek­türe eines der zahl­rei­chen Bun­des­liga-Son­der­hefte bei der Iden­ti­fi­zie­rung wert­volle Dienste leisten. Die Nach­wuchs­kräfte, die bisher nur aus­ge­wie­senen Experten bekannt sein dürften und in Köln erste Geh­ver­suche im Pro­fi­fuß­ball unter­nehmen, sind Inves­ti­tionen in die Zukunft des Ver­eins. Wenn Ishiaku, Womé und Geromel ihr Poten­tial abrufen und viel­leicht noch ein wei­terer Neu­zu­gang den Sprung in die Stammelf schafft, wird man sich beim FC zufrieden auf die Schulter klopfen können.


3. DER NEUE MEDI­ZIN­MANN

Als sich Bayer Lever­kusen nach langem Hin und Her die Dienste von Natio­nal­spieler Patrick Helmes sicherte, war man auf der anderen Rhein­seite »not amused«. Die Gede­mü­tigten sahen sich gezwungen, einen per­fiden Rache­feldzug zu starten. Und die Beute ist fett – denn Dieter Trzolek ist der heim­liche Star unter den Bun­des­liga-Phy­sio­the­ra­peuten. Ein Wechsel zum Erz­ri­valen ist in der Region natur­gemäß mehr als eine ein­fache Fluss­über­que­rung, Trzolek sieht die Ange­le­gen­heit den­noch gelassen. »Ich habe in meinem Alter ein­fach noch mal eine Her­aus­for­de­rung gesucht und gefunden«. Und spä­tes­tens wenn der in Wal­lung gera­tene Puls auf beiden Seiten wieder nor­male Werte auf­weist, werden sie in Lever­kusen ein paar Tränen ver­gießen, gehörte der Medi­zin­mann nach 32 Jahren doch zum Inventar unterm Bayer-Kreuz.

Der­weil freuen sie sich in Köln auf die unkon­ven­tio­nellen Behand­lungs­me­thoden des 60-Jäh­rigen. Blut­egel, Weiß­kohl­suppe und erhitztes Mur­mel­tier­fett nutzt Trzolek um ange­schla­gene Spieler zu behan­deln. Hört sich geheim­nis­voll an, ist es aber nicht. Seine Methoden sind für jeder­mann nach­zu­lesen, sie stammen aus dem Kräu­ter­buch »Der Dro­gist« aus dem Jahr 1895. In den Medien tauchte Trzolek als »Druide« und »Wun­der­doktor« auf, seine kau­zige Art unter­mau­erte das bis­weilen schräge Bild von ihm. Doch wer erfolg­reich ist, hat keine Kritik zu befürchten. Und wenn ein Mann mit seinen Methoden über drei Jahr­zehnte bei einem Klub ange­stellt ist, dessen Sponsor Geld mit der Her­stel­lung von modernen medi­zi­ni­schen Prä­pa­raten ver­dient, kann seine Arbeit so schlecht nicht gewesen sein. Und jetzt gilt sein Credo eben beim FC: »Lieber unwis­sen­schaft­lich gesund als wis­sen­schaft­lich krank«.


4. MUSS MANN NICHT WISSEN

Seit 1996 als offi­zi­elles »Wap­pen­tier« des FC im Amt, soll der der­zei­tige Geiß­bock in den Ruhe­stand gehen, weil ihn eine schmerz­hafte Arthrose im Fuß­ge­lenk plagt. Sein poten­ti­eller Nach­folger heißt »Elvis«. Wird er tat­säch­lich gewählt, zahlt er dafür einen hohen Preis: Er ver­liert nicht nur seinen eigent­li­chen Namen, son­dern auch seine Männ­lich­keit. Denn bevor er als »Hennes VIII« ins Sta­dion ein­läuft, muss er eine Kas­tra­tion über sich ergehen lassen.


5. 11FFREUNDE ORA­KELT


Auch wenn Ishiaku den abge­wan­derten Helmes gleich­wertig ersetzen kann, wird es ein schwie­riges Jahr für den FC. Die Ansprüche in Köln sind tra­di­tio­nell immer etwas höher als der Pegel des Rheins und das Leis­tungs­ver­mögen der Mann­schaft. Es wäre sehr hilf­reich, wenn in der Kar­ne­vals­hoch­burg die Saison nicht als ein ein­ziger lus­tiger Umzug ver­standen werden würde. Wenn das gelingt, sollte mit Geiß­bock »Hennes« im Rücken der Klas­sen­er­halt drin sein: Platz 12 bis 15.