Fuß­ball ist Dra­matik. Wäh­rend die Fans von Ver­einen wie Ein­tracht Frank­furt beim Geschehen auf dem Rasen zit­tern und spek­ta­ku­läre Elf­me­ter­schießen im Europa-League-Halb­fi­nale ver­folgen, bekommen die Anhänger des 1. FC Kai­sers­lau­tern der­zeit einen min­des­tens genauso auf­rei­benden Finanz­poker um die Liga­li­zenz geboten. Zwar ist die Saison beim Pfälzer Tra­di­ti­ons­klub, der im Mit­tel­feld der Dritten Liga ran­giert, sport­lich längst gelaufen. Doch so lei­den­schaft­lich – und durchaus unter­haltsam – wie die Roten Teufel aktuell um ihre finan­zi­elle Exis­tenz ringen, tut dies wohl kein anderer deut­scher Pro­fi­verein.

Der Kampf um die Lizenz spitzte sich am Don­nerstag zu. Er führte zum Ein­stieg des Luxem­burger Bau­un­ter­neh­mers Flavio Becca als Investor beim FCK und gleich­zeitig zum Rück­tritt des FCK-Auf­sichts­rats­vor­sit­zenden Michael Littig. Mit Becca sichert sich der Klub nicht nur wich­tige Mil­lionen für sein wirt­schaft­li­ches Über­leben, son­dern berei­chert auch die Inves­to­ren­bühne Fuß­ball­deutsch­lands um eine neue schil­lernde Figur. Dem FCK stellt der Mil­li­ardär, der zudem unter anderem Mäzen des Luxem­bur­gi­schen F91 Düdelingen ist, kurz­fristig rund drei Mil­lionen Euro bereit. In den nächsten fünf Jahren möchte er in einer Grö­ßen­ord­nung von 25 Mil­lionen Euro in den Verein inves­tieren. Das Ziel ist der sport­liche Auf­stieg – und zwar zurück in die Erste Bun­des­liga, wie es in der heu­tigen Pres­se­mit­tei­lung des Ver­eins heißt. Littig stimmte jedoch gegen die Pläne Beccas und favo­ri­sierte ein merk­wür­diges Finanz­mo­dell mit regio­nalen Inves­toren. 

Unüber­sicht­liche Schar­mützel

Seit Monaten schon zer­flei­schen sich die FCK-Bosse in internen Rang­kämpfen. Die unüber­sicht­li­chen Schar­mützel zum Zeit­punkt der wich­tigen Inves­to­ren­ge­spräche sorgten bun­des­weit für Schlag­zeilen in der Bou­le­vard­presse und für ungläu­biges Kopf­schüt­teln unter den FCK-Fans. Sie belasten außerdem den Ein­stieg Beccas im Tra­di­ti­ons­verein und sorgen für einen Wirt­schafts­krimi voll über­ra­schender Wen­dungen. 

Im Kern geht es um einen Streit zwi­schen dem Auf­sichts­rats­boss Littig und Patrick Banf, dem Bei­rats­vor­sit­zenden der FCK-Kapi­tal­ge­sell­schaft, um die zukünf­tige Aus­rich­tung des Klubs. Als Ver­treter der Kapi­tal­ge­sell­schaft ver­han­delte Banf mit Becca, Littig funkte immer wieder dazwi­schen. Banf, Becca und die FCK-Geschäfts­führer sahen darin eine Unsi­cher­heit für die Inves­ti­tion und legten Littig nahe, sich per­sön­lich zurück­zu­nehmen. Dies inter­pre­tieren viele Fans als Erpres­sung durch den finanz­kräf­tigen Investor und fürchten nach wie vor einen zu großen Ein­fluss des Luxem­bur­gers auf Per­so­nal­ent­schei­dungen im Verein.