Seite 3: Eastham zog weg und vertrieb Kork

East­hams Ver­trag mit New­castle lief im Sommer 1960 aus. Einige Monate vorher infor­mierte der Spieler den Klub dar­über, dass er nicht mehr für United spielen wollte, und bat darum, zu einem anderen Verein wech­seln zu dürfen. New­castle lehnte ab, schließ­lich wollte man einen guten Spieler nicht ver­lieren. Für Eastham gab es in dieser Situa­tion zwei Mög­lich­keiten: Er konnte sich beugen und seinen Ver­trag in New­castle ver­län­gern – oder den Beruf wech­seln. Zur Ver­blüf­fung der Fuß­ball­welt wählte Eastham die zweite Mög­lich­keit. Im Juni 1960 packte er seine Sachen, zog in den Süden und ver­trieb Kork. Damit ver­diente ich mehr als mit dem Fuß­ball“, sagt er. Sechs Monate war­tete New­castle darauf, dass Eastham ein­lenken würde, aber er tat es nicht. Im November – als gerade der Film Spar­tacus“ die Kino­kassen klin­geln ließ, in dem Kirk Dou­glas einen Skla­ven­auf­stand anführt – gab der Klub schließ­lich auf und erlaubte Eastham, für eine Ablö­se­summe von 47 500 Pfund zu Arsenal zu wech­seln.

Aber damit hatte die Geschichte erst begonnen. East­hams Bei­spiel machte der Spie­ler­ge­werk­schaft PFA Mut und gab ihr eine Waffe an die Hand. Den Winter hin­durch ver­langte die PFA die Abschaf­fung der Gehalts­ober­grenze und drohte mit einem Gene­ral­streik aller Profis. Im Januar 1961 gab die Liga nach und hob die Beschrän­kung auf. Augen­blick­lich erhöhte Fulham das Gehalt seines Stars Jimmy Haynes von 20 auf 100 Pfund. Beflü­gelt von diesen Erfolgen machte sich die Gewerk­schaft daran, nun auch den Rest des Sys­tems anzu­greifen. Das aber ging nur vor Gericht, und dazu wie­derum brauchte man einen Kläger, der nach­weisen konnte, dass das Retain and Transfer“-System einer Erpres­sung gleichkam. Der ein­zige Mann, der das tun konnte, hatte inzwi­schen alles, was er wollte – er spielte bei Arsenal und bekam mehr Geld. Und den­noch erklärte sich George Eastham bereit, einen Mus­ter­pro­zess anzu­strengen. Er ver­klagte New­castle United, weil ihn der Klub bei der Aus­übung seines Berufes behin­dert hatte.

Das sucht sei­nes­glei­chen“


Im Sommer 1963, ein Jahr vor Bos­mans Geburt, sprach der Hohe Gerichtshof sein Urteil. Richter Richard Wil­ber­force gab Eastham Recht. Er ver­ur­teilte die Retain“-Praxis als unan­ge­messen restriktiv. Damit waren nun zwei Pfeiler des eng­li­schen Sys­tems gestürzt, die Gehalts­ober­grenzen und die Bin­dung des Spie­lers an einen bestimmten Klub. Aber da waren ja noch die Trans­fer­zah­lungen, die selbst dann gefor­dert wurden, wenn ein Ver­trag aus­ge­laufen war. Richter Wil­ber­force (ein Urur­enkel des Mannes, der die Skla­verei per Gesetz ver­bieten ließ) hatte sich wäh­rend der Ver­hand­lung kri­tisch zu ihnen geäu­ßert: Das sucht sei­nes­glei­chen“, sagte er. Und zwar nicht nur außer­halb der Welt des Sports, son­dern auch inner­halb.“ Doch da es bei dem Pro­zess nicht in erster Linie um Ablö­se­for­de­rungen gegangen war, über­lebten die Trans­fer­summen George East­hams Auf­stand. Und zwar um viele Genera­tionen von Spie­lern – bis der sport­liche Abstieg eines hoff­nungs­vollen bel­gi­schen Talents begann.