Jordi Cruyff und ich stehen uns näher, als man glaubt. Sicher ist zumin­dest, dass er davon noch nichts weiß. Darum muss das jetzt ein­fach mal raus: Ja, auch ich bin der Sohn einer Fuß­ball­ko­ry­phäe. Nun gut, der sport­liche Glanz meines Vaters beschränkte sich ledig­lich auf eine 3000-Seelen-Gemeinde im Osna­brü­cker Süd­kreis. In diesem Kleinod trug ich aber umso schwerer am fuß­bal­le­ri­schen Erbe meines alten Herren. Schließ­lich war der Mann, den man im Verein gemeinhin nur den Schwatten“ rief, sei­ner­zeit ein über­durch­schnitt­li­cher Stürmer gewesen.

Jeder wusste: Das musste schief­gehen

Als einer der wenigen Dorf­ki­cker hatte er sich jah­re­lang bei einem höher­klas­sigen Klub durch­ge­setzt. Die Tat­sache, dass er wäh­rend meiner gesamten Jugend mein Trainer war, tat zwar meiner fuß­bal­le­ri­schen Aus­bil­dung gut, machte den Ruck­sack aber nicht leichter. Wenn man so will, galt ich per Geburt als großes Ver­spre­chen für die spär­liche Zukunft meines Dorf­ver­eins. Und jeder wusste: Das musste schief­gehen.

Aus diesem Grund konnte ich zumin­dest ein biss­chen nach­fühlen, wie sich Jordi Johan Cruyff Zeit seiner Kar­riere gefühlt haben muss. Der Blond­schopf, dem sein Vater nicht nur einen ton­nen­schweren Nach­namen, son­dern gleich auch noch den eigenen Vor­namen ver­erbt hatte, wan­derte viele Jahre durch die Top­klubs Europas, nur um sich immer wieder anhören zu müssen, dass er doch nie zu den ganz Großen gehören würde.

Jordi Cruyff, der Trai­nings­welt­meister“

Klar, wer den FC Bar­ce­lona und Man­chester United in seiner Vita stehen hat, kann kein ganz Schlechter gewesen sein, der Glanz seines Vaters über­strahlte trotzdem alles. Sein Mit­spieler Ryan Giggs hatte ihn einmal sogar ver­ächt­lich Trai­nings­welt­meister“ genannt. Dieser Spitz­name klebte an ihm wie altes Kau­gummi. Des­wegen trat Cruyff junior im Jahr 2000 die Flucht nach hinten an und wech­selte zum No-Name-Klub Depor­tive Alavés nach Spa­nien.

Mit dieser Par­ty­truppe, die auch schon mal in Frei­zeit­klei­dung zu Inter Mai­land reiste, am Flug­hafen nicht von den war­tenden Jour­na­listen erkannt wurde und kur­zer­hand ein paar mit­ge­reiste Fans zu den Inter­views schickte, hatte Cruyff junior sich sen­sa­tio­nell für das Uefa-Cup-Finale im Dort­munder West­fa­len­sta­dion qua­li­fi­ziert. Experten setzten höchs­tens im Scherz ein paar Mark auf die Spa­nier, schließ­lich hieß der über­mäch­tige Gegner FC Liver­pool. Und den­noch wurde der 16. Mai 2001 schließ­lich zum letzten großen Licht­blitz in der Kar­riere des Jordi Cruyff.