Diet­rich Mate­schitz zeigte sich bemer­kens­wert offen­herzig, damals im Jahr 2010. Das Pro­jekt Rasen­ball­sport war nicht einmal zwölf Monate jung, Leipzig spielte noch fünft­klassig und Mate­schitz warf große Pläne für seinen inter­na­tio­nalen Fuß­ball­kon­zern an die Wand: Wir wollen mit dem stärksten Team Leipzig in der Bun­des­liga spielen und in Öster­reich mit einem Quasi-U-21-Team mit mög­lichst hohem Anteil an Spie­lern aus unseren Aka­de­mien“, tönte der Brause-Patron. Heute, im Früh­jahr 2019, ist die einst kühne Vision längst Wirk­lich­keit, und die nächsten Ziele sind auch nicht mehr weit ent­fernt. Mate­schitz will Leipzig zu einem inter­na­tio­nalen Top-Player auf­pimpen.

Das Kon­zept des RB-Fuß­ball­kon­zerns mit seinem Flagship-Store in Sachsen sowie einer Reihe von Farm­teams auf fast allen Kon­ti­nenten, alle mehr oder weniger gleich gebrandet, hat dem Self­made-Mil­li­ardär über­ra­gende Erfolge auf der Spiel­wiese Fuß­ball beschert: RB Leipzig geht im Sommer vor­aus­sicht­lich zum zweiten Mal in der Cham­pions League an den Start und bald viel­leicht in der Europa‑, Super- oder Welt­liga. Egal. Haupt­sache, das Brause-Label ist pro­mi­nent ver­treten im mil­li­ar­den­schweren Ball­treter-Busi­ness. Denn nur darum geht es hier. Ums Ver­kaufen.

Mar­ke­ting ist immer auch Illu­sion

Man müsse den jungen Leuten, die den von Red Bull gespon­serten Fun-Sport­arten ent­wachsen, eben Alter­na­tiven anbieten, erklärte Mate­schitz schon vor Jahren das Ein­mal­eins der Mar­ken­bin­dung. Die von seinem haus­ei­genen Sport­ma­gazin in Szene gesetzte Welt von Red Bull“ umfasst seither neben Base­jum­ping, Kunst­fliegen, Raf­ting oder Trick­ski­fahren auch den Fuß­ball. Mit allem, was dazu gehört: So müssen RB-Kicker bei jedem noch so unwich­tigen Inter­view eine Dose mit Energie-Brause vor sich auf den Tisch stellen – zumin­dest, wenn ein Foto­graf in der Nähe ist.

Dass der gestrenge Trainer Ralf Rang­nick seinen Schütz­lingen vom Konsum der syn­the­tisch-duf­tenden, kleb­rigen und gesund­heits­ge­fähr­denden Plörre abrät – wen wun­dert’s? Im Alltag wird Red Bull eher von über­näch­tigten Brot­fach­ver­käu­fe­rinnen zur schnellen Pau­sen­ziga­rette kon­su­miert. Von schmier­bäu­chigen Brum­mi­fah­rern auf den ermü­denden letzten 100 Kilo­me­tern vor dem Rast­platz. Oder von dämm­rigen Jun­kies in der War­te­schlange vor der lokalen Methadon-Aus­ga­be­stelle. Doch was macht das schon? Mar­ke­ting ist immer auch Illu­sion. Und Tra­di­tion? Sei nur eine Frage der Zeit“, dozierte Mate­schitz einmal im Gespräch über sein bun­des­weit unge­liebtes Retor­ten­baby.