10 Dinge über streikende Spieler

»Früher hätte es das nicht gegeben«

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»Früher hätte es das nicht gegeben«, schreien anhand der aktuelleren Beispiele viele Romantiker. Früher gab es allerdings auch keine Multimillionen-Verträge. Was es allerdings gab, waren… streikende Fußballprofis, ha! Zum Beispiel die komplette Mannschaft des FC Bayern im Jahr 1979. Die hatten keinen Bock auf einen neuen Trainer Max Merkel, der den Profis vermutlich einige Privilegien gestrichen hätte, und probten deshalb die Revolution. Mit Erfolg: Merkel erschien gar nicht zum ersten Training, Präsident Wilhelm Neudecker, der ihn verpflichtet hatte und Sepp Maier als »Anarchisten« bezeichnete, trat zurück.

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Dass es auch andersrum geht, bewiesen die Profis von Girondins Bordeaux letzten Sommer. Nach dem ersten Saisonspiel hatte die Klubführung den Trainer Gustavo Poyet entlassen, weil er sie öffentlich kritisiert hatte. Aus Solidarität bestreikte der gesamte Profikader das Training – zumindest für eine Stunde, danach konnte eine Einigung erzielt werden. Ob ein Schlichter eingeschaltet wurde, ist nicht bekannt.

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Übrigens ist es nicht so, als ob Borussia Dortmund immer nur Leidtragende von fußballerischen Arbeitskämpfen war (siehe oben). Ganz im Gegenteil. Los ging es bereits 1995, quasi mit der Mutter aller Transfer-Streiks. Aka: Heiko Herrlich. Der hatte keinen Bock mehr auf Mönchengladbach (wer schon mal dort war, wird es verstehen) und wollte lieber ins Ruhrgebiet (das hingegen weniger). Was macht man also, wenn der eigene Verein seinen besten Stürmer nicht ziehen lassen will? Genau, streiken. Über Wochen arbeitskämpfte Herrlich für seinen Wechsel – mit Erfolg. Der DFB schlichtete und Dortmund zahlte elf Millionen. Das sind immerhin 16,5 weniger, als der BVB 19 Jahre später nach Donezk überwies, nachdem ein einigermaßen unbekannter armenischer Mittelfeldspieler dort Training und Spiele bestreikt hatte. Sein Name: unaussprechlich, irgendwas mit Micky.

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Mit dem Streikrecht weniger konform geht übrigens Bundestrainer Jogi Löw. Der sagte nach der Dembélé-Saga: »Dass jemand streikt, da fehlt mir natürlich auch das Verständnis oder die Toleranz dafür.« Ja gut, äh. Hat er hoffentlich auch seiner Mannschaft in Russland letzten Sommer gesagt. Die stand zwar zumindest auf dem Feld, aber ganz so groß war der Unterschied dann auch wieder nicht.

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Apropos nicht ganz so groß: Rafael van der Vaart gönnte sich 2007 auch reichlich. Beim HSV unter Vertrag stehend, ließ er sich ganz lässig mit im Valencia-Trikot ablichten, seine Wechselabsicht hatte er bereits öffentlich hinterlegt, eine vorgetäuschte Rückenverletzung im Vorfeld eines UEFA-Cup-Spiels inklusive. Der HSV ließ ihn trotzdem nicht ziehen. Eine faszinierende Parallele zum Jahr zuvor, als ein anderer Niederländer vom HSV weg wollte: Khalid Boulahrouz gab vor, sich vor dem ersten Champions League spiel der Hamburger beim Aufwärmen verletzt zu haben. Wenige Tage später ging er zum FC Chelsea – und war für die Londoner in der europäischen Spitzenklasse spielberechtigt. An dieser Stelle würden wir gerne die Metapher des geschlossenen Kreises, van der Vaart und Sabia Boulahrouz ins Spiel bringen. Aber da hat sich das van der Vaart‘sche Liebesleben mal wieder selbst überholt.