10 Dinge über Lutz Pfannenstiel

»Für eine Sache gestorben, die ich liebe«

6.

Den wichtigsten Sieg seiner langen Karriere errang Pfannenstiel nicht auf dem Platz, sondern im Krankenhaus. Am Boxing Day 2002 rammt ihm sein Gegenspieler Clayton Donaldson im Spiel Bradford Park Avenue gegen Harrogate Town unabsichtlich das Knie in den Solarplexus. Pfannenstiel kämpft mit dem Tod, wird drei Mal wiederbelebt, während das Spiel abgebrochen wird und seine im siebten Monat schwangere Frau auf der Tribüne bangt. Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wird, sagt er: »Es tut mir leid für die anderen, dass das Spiel nicht zu Ende gebracht wurde. Schließlich lagen wir vorn.« Und noch etwas später: »Wenn ich dort gestorben wäre, wäre es für eine Sache gewesen, die ich liebe.«

7.

Sein Vorbild sei Felix Magath, sagt Pfannenstiel. Wenngleich er damit vermutlich der einzige ist, bekam er in Armenien einmal die Chance, seinem Idol nachzueifern. Als Trainer und Manager in Personalunion sollte er ein neues Team zusammenstellen. Der Auftrag kam von einem ziemlich wohlhabenden Mäzen. Pfannenstiel ging an die Arbeit, kaufte ein, trainierte. »Mit der Mannschaft hätten wir alles gewonnen«, sagte er später – was auch immer das in Armenien bedeutet. Doch nach nur drei Monaten wurde das Projekt wieder eingestampft. Der Geldgeber hatte die Finanzierung gestrichen.

8.

Sein Kindheitsheld allerdings hieß Ratko Svilar, serbischer Torhüter und ehemaliger Nationalkeeper Jugoslawiens. Svilar spielte in Antwerpen, als Pfannenstiel sich die Partien auf Eurosport ansah. »Ich mache es wie Ratko Svilar. Wenn ich es in der Bundesliga nicht schaffe, dann gehe ich halt in ein anderes Land«, sagte Pfannenstiel eines Morgens der Legende nach seiner Mutter. Deshalb schlug er ein Angebot des FC Bayern aus, die ihn als 18-Jährigen für die zweite Mannschaft verpflichten wollten – und ging stattdessen nach Malaysia.

9.

Kakerlakenverseuchte Umkleidekabinen in Sri Lanka, ein Spiel in der Mittagshitze der Malediven, bei dem die Zuschauer auch noch Feuer anzündeten, eine Spielunterbrechung wegen eines gigantischen Mückenschwarms in Finnland, ein Spiel auf Gülle in Armenien, die eigenhändige Ermittlung eines Einbrechers und Mafia-Klubbosse in der Ukraine – man könnte noch hunderte Geschichten aus Lutz Pfannenstiels Karriere erzählen. Rastlosigkeit hat eben auch ihre guten Seiten.

10.

Einmal ließ Pfannenstiel sich auf Hyperaktivität testen – ergebnislos. »Ich brauche nur vier Stunden Schlaf pro Nacht, danach muss ich etwas machen«, sagt er. Vielleicht mal wieder ins Amazonasgebiet fliegen und sich von einem rosa Delfin in den Finger beißen lassen (übrigens ebenfalls eine wahre Geschichte).