10 Dinge über Lucien Favre

»Wenn es brenzlig wird, haut er ab«

6.
Favre gilt als Perfektionist, auf und neben dem Platz. Als er in Yverdon Trainer war, beobachteten der Präsident und er einen Spieler, den sie verpflichten wollten. Zufällig fuhr der Präsident nach der Partie im Auto hinter dem Spieler. Die potentielle Neuverpflichtung überfuhr drei rote Ampeln. »Der Präsident rief mich an«, erzählt Favre. »Ich überlegte sehr, sehr lange. Dann sagte ich: Es geht nicht. Wir können ihn nicht nehmen.«

7.
Favres letzte Trainerstation vor dem Wechsel in die Bundesliga war von 2003 bis 2007 der FC Zürich. Der große FCZ stand am Tabellenende und für Favre lief es zunächst gar nicht. Doch in den folgenden Jahren gewann er einmal den Pokal und zwei Meisterschaften. Dass er überhaupt in Zürich Trainer wurde, war eine glückliche Fügung: Der eigentliche Top-Kandidat hatte zu lange mit der Unterschrift gezögert. Sein Name: Joachim Löw.

8.
Von 2011 bis 2015 trainierte Favre viereinhalb Jahre lang Borussia Mönchengladbach und machte den Abstiegskandidaten zum Champions-League-Teilnehmer. Gladbach stand unter Favre für berauschenden Kombinationsfußball und ein pfeilschnelles Angriffsspiel. Doch die Defensive brachte ihm einen Rekord: Mit durchschnittlich 1,1 Gegentoren pro Spiel ist Favre diesbezüglich der beste Gladbacher Trainer aller Zeiten.

9.
»Überall, wo man mich hat arbeiten lassen, hatte ich Erfolg«, sagte Favre im Gespräch mit 11FREUNDE über sich selbst. Das stimmt. Aber nicht dauerhaft. Zürich verließ er ohne Absprache. In Gladbach trat er nach einer Negativserie zurück, obwohl der Verein das zuvor abgelehnt hatte. Als er bei Hertha beurlaubt wurde, berief er eigenmächtig eine Pressekonferenz im Hotel Adlon ein und schoss gegen den Klub. Die Welt sprach von einer Selbstdemontage. Sein ehemaliger Mitspieler Kubilay Türkyilmaz sagt über Favre: »Wenn es brenzlig wird, haut er ab. Einmal totalen Gegenwind überstehen, das fehlt in seiner glanzvollen Trainerlaufbahn.«

10.
Aber alles Perfektionistische, alles Pedantische und alles Schwierige am Spieler und Trainer Lucien Favre lässt sich doch auf eines zurückführen: seine bedingungslose Liebe für den Fußball. Favre kann bis heute laut eigener Aussage den Ball öfter hochhalten als viele seiner Spieler. Wenn er auf dem Trainingsplatz keine Taktiktafel in der Hand hat, hat er einen Ball am Fuß. Der Zeit sagte er 2017, tausendmal schaffe er noch beim Jonglieren. Und: »Wenn es um Fußball geht, können Sie mich mitten in der Nacht wecken. Ich liebe dieses Spiel und werde es immer lieben.«