10 Dinge über 50+1

6.

Zuletzt stimmten die deutschen Profiklubs in den ersten beiden Ligen vor ziemlich genau einem Jahr über die Beibehaltung von 50+1 ab. In einem überraschend zur Wahl eingebrachten Antrag des FC St. Pauli votierten achtzehn Vereine dafür, drei beteiligten sich nicht an der Abstimmung, neun enthielten sich, der 1. FC Kaiserslautern und Jahn Regensburg waren nicht angereist. Vier Klubs stimmten dagegen. Namentlich: FC Bayern München, FC Heidenheim, SpVgg Greuther Fürth und RB Leipzig. Beschwerden bitte an diese Vereine adressieren – beziehungsweise »Vereine«.

7.

Bei der damaligen Abstimmung einigten sich die Klubs aber ebenfalls darauf, dass eine »Verbesserung der Rechtssicherheit« und »geänderte Rahmenbedingungen« geprüft werden sollten. Zwecks dieser Prüfungen hat DFL eine Befragung der 36 Vereine veranlasst. Doch wie die FAZ diese Woche berichtete, haben Teile der Vertreter die Umfrage boykottiert. Die Fragestellung sei tendenziös und ihre Legitimation wurde angezweifelt. Gleichzeitig hat die DFL das Kartellamt eingeschaltet, um die Regelung zu prüfen. 

8.

Die 50+1-Regel hat schon so einige Angriffe überlebt. Auch der Jahrzehntelange Kampf des Martin Kind scheint erfolglos zu Ende zu gehen. Und überhaupt – das wird in der Diskussion häufig übergangen – Investieren ist ja nicht verboten. Aber wer Geld hat, will in den meisten Fällen auch Macht. So wie Hasan Ismaik, Investor und Pseudo-Philosoph bei 1860 München. In seinem persönlichen Feldzug gegen 50+1 ließ er 2016 auf seiner Facebook-Seite Nietzsche sprechen: »Es ist doch nicht genug, eine Sache zu beweisen, man muß die Menschen zu ihr auch noch verführen«, zitierte er aus dessen »Morgenröte« und kryptisch wie gewohnt. Man befinde sich im 21. Jahrhundert und dennoch stehe »die 50 + 1 Regel unserer Entwicklung im Weg.« Klassischer Fall von Täter-Opfer-Umkehr.

9.

Also: 50+1 verhindert die feindliche Übernahme durch Investoren indem die Stimmmehrheit beim Verein bleibt. Aber *schnüff* wo soll denn dann Geld herkommen? *heul* Die Bundesliga wird abgehängt! *plärr* Die internationale Konkurrenzfähigkeit geht vor die Hunde *schluchz*. Ja gut, mag ja sogar sein. Und sportlicher Erfolg ist geil. Punkt. Das wissen wir alle, auch wenn viele, zu viele wahrscheinlich schon vergessen haben, wie er sich anfühlt.  Aber seien wir doch mal ehrlich. Ist er es wert, die Seele des Vereins zu verkaufen, Fans auszubooten, Klublogo und -farben, den Spielort, oder gleich den ganzen gottverdammten Namen zu ändern? Das eigene Mitbestimmungsrecht zu opfern für die unsichere Aussicht auf eine Europacup-Saison? Den sportlichen Wettbewerb davon abhängig zu machen, welcher Klubbesitzer mehr Barrells aus der Erde pumpt? Sich freiwillig zum Kunden degradieren zu lassen für teurere Eintrittskarten, exorbitante Preise für Pay-TV-Übertragungen und sterilisierte Stadien?

10.

Nein. Im Sinne von Fankultur, Mitbestimmung, Demokratie und gegen Profitwahnsinn, Kommodifizierung und Spekulationsobjekt. Deshalb: Hefte auf und Stifte in die Hand, oder Transparente und Farbrolle, oder auch Wand und Dose. Jetzt schreiben wir alle zehn Mal den Satz: 50+1 bleibt! 50+1 bleibt! 50+1 bleibt! 50+1 bleibt! 50+1 bleibt! 50+1 bleibt! 50+1 bleibt! 50+1 bleibt! 50+1 bleibt! 50+1 bleibt!