Borussia Mön­chen­glad­bach
Gra­tu­lieren wollen wir ein­gangs dem gesamten Team aus Glad­bach, dem tat­säch­lich das Kunst­stück gelang, gegen die Außer­ir­di­schen vom FC Bayern Mün­chen ein Fuß­ball­spiel nicht nur nicht zu ver­lieren, son­dern ganz im Gegen­teil sogar mehr als deut­lich am Sieg zu schnup­pern. Nach dem Remis sind die Bayern zwar immer noch Tabel­len­führer vor dem Tabel­len­zweiten aus Glad­bach, immerhin aber ist der Rekord­meister nicht schon kom­plett ent­eilt und unauf­haltsam auf dem Weg zur nächsten Fan­ta­siere­kord-Domi­nanz-Demü­ti­gungs-so-macht-das-echt-keinen-Spaß-mehr-Meis­ter­schaft. Unsere zarte Hoff­nung heißt also Glad­bach, auf dass die Fohlen das Meis­ter­schafts­rennen zumin­dest eine Weile lang semi-span­nend halten. Und die Hoff­nung stirbt ja bekannt­lich zuletzt bzw. wahr­schein­lich dann, wenn Mat­thias Sammer sie ins Jen­seits motzt. Was die Glad­ba­cher angeht, bleibt ihnen der­weil gar nichts übrig als oben dran­zu­bleiben. Denn beim Völlig-Egal-Cup für Retorten-und-Werks­ver­eine“, den die Ver­folger aus Hof­fen­heim, Wolfs­burg und Lever­kusen unter sich aus­spielen, dürfen die Glad­ba­cher nicht mit­ma­chen. 

Hakan Cal­ha­noglu
Wäh­rend Hakan Cal­ha­noglu am Sonntag zuhause Rubic’s Cubes mit dem Außen­rist löste, Sonaten von Bach mit dem Voll­spann feh­ler­frei auf dem Kla­vier spielte oder im Haus­halt half, indem er das Geschirr per Frei­stoß in die Küchen­schränke schoss, ver­sam­melten sich Teile der Redak­tion auf dem Bolz­platz um die Ecke, um Cal­ha­no­glus Frei­stoß­technik dem Pra­xis­test für schmär­bäu­chige Schreib­tisch­hengste zu unter­ziehen. Mit trau­rigen Ergeb­nissen. Meh­rere Kol­legen kugelten sich beim ver­schämten Kopf­schüt­teln das Genick aus, irgend­wann fragten empörte Pas­santen, warum wir Frei­stöße so hassen würden und schließ­lich erreichte uns eine Unter­las­sungs­klage des DFB, mit der rich­ter­li­chen Anord­nung, die ehren­werte Praxis des Frei­stoß­schie­ßens nicht weiter in den Dreck zu ziehen. Also gingen wir nach Hause und sahen uns Cal­ha­no­glus wun­der­bares Frei­stoßtor gegen Schalke wieder und wieder an, bei dem er den Ball so derart gefühl- und lie­be­voll zum Sieg­treffer über die Mauer hob, dass der Valen­tinstag in Lever­kusen spontan auf den 25. Oktober ver­legt wurde und sich die Men­schen dort Herzen mit Fuß­ball­muster oder kleine Cal­ha­noglu-Frei­stoß­mauern aus Mar­zipan schenken.

Tin Jedvaj
Vor nicht allzu langer Zeit spöt­telten wir an dieser Stelle über Lever­ku­sens Tin Jed­vajs unschul­diges Pen­näler-Aus­sehen. Das möchten wir nun in aller Höf­lich- und Demü­tig­keit zurück­nehmen, damit wir nicht im Falle eines per­sön­li­chen Auf­ein­an­der­tref­fens von Jedvaj beid­beinig in die Berufs­un­fä­hig­keit geblut­grätscht werden. Gegen Schalkes Jan Kirch­hoff legte Jedvaj näm­lich eine derart räu­dige Sense aufs Par­kett, dass er per DFB-Order nach seiner abge­ses­senen Rot­sperre nur noch im schwarzen Kapu­zen­um­hang wird auf­laufen dürfen. Und wir werden ab sofort abends vor dem Schla­fen­gehen unter dem Bett nach­sehen, ob nicht ein Jedvaj dar­un­ter­liegt, immer bereit, uns noch in unseren Alp­träumen mit einer gezielten Blut­grät­sche auf Knö­chel­höhe zu ver­folgen.

Alex­ander Mad­lung 
Alex­ander Mad­lung ist ja eher ein Mann fürs Grobe. Bälle aufs Sta­di­on­dach knüp­peln, geg­ne­ri­schen Spie­lern per Body­check Visa für das Land des Schmerzes aus­stellen oder Bälle derart wuchtig aus dem Straf­raum schä­deln, dass wir uns sicher sind, dass Mad­lung die Nägel zuhause per Kopf­nuss in die Wand schlägt, wenn er mal ein Bild auf­hängen will. Umso schöner finden wir es, dass Mad­lung auch in den sel­tenen Momenten, in denen er offensiv zum Spiel bei­trägt, seiner Linie treu bleibt. Seine beiden Tore gegen Stutt­gart waren exakt jene Art von Tref­fern, die man von einer Abwehr­kante wie Mad­lung erwartet. Das erste Tor humorlos aus einem Meter über die Linie geprü­gelt, den zweiten Treffer per Kopf ins Eck gedrückt. Schön­heits­preise gewinnt Mad­lung so nicht. Spiele leider auch nicht, wie das spek­ta­ku­läre 4:5 der Ein­tracht bewies. Aber immerhin unsere Aner­ken­nung.

Haris Seferovic
Gra­tu­lieren wollen wir an dieser Stelle ganz herz­lich Frank­furts Haris Seferovic und salu­tieren dem Schweizer an dieser Stelle mit der Du Blinder!“-Brillen-Geste, schließ­lich war es eben­diese Geste gegen­über dem Lini­en­richter, für die Seferovic im Spiel gegen Stutt­gart die Rote Karte sah – ins­ge­samt der 2000. Platz­ver­weise der Bun­des­li­ga­ge­schichte. Wir hätten uns zu diesem Anlass natür­lich lieber etwas Spek­ta­ku­lä­reres gewünscht, einen kon­se­quenten Mit­tel­finger viel­leicht, im Ide­al­fall aus­ge­führt noch wäh­rend einer saf­tigen beid­bei­nigen Blut­grät­sche samt anschlie­ßender Rudel­bil­dung plus Gegner anspu­cken und auf dem Weg in die Kabine Ordner umschubsen und Zuschauer belei­digen oder so, aber gut, man kann ja auch nicht alles haben. Und bei dem 4:5‑Spektakel gegen den VfB, das Seferovic mit seiner Roten so stil­voll abrun­dete, wollen wir auch gar nicht meckern.