Wir müssen immer online sein!“, for­derte Nico Willig von seinen Spie­lern, als er die Mann­schaft des VfB Stutt­gart im April inte­rims­weise bis zum Sai­son­ende über­nahm. Leider hielten sich weder die Mann­schaft des VfB Stutt­gart, noch die Orga­ni­sa­toren der VfB-Mit­glie­der­ver­samm­lung am Sonntag daran: Der Verein stieg nach ver­patzter Rele­ga­tion ab und die Mit­glieder-Haupt­ver­samm­lung musste abge­bro­chen werden, weil der VfB nicht über ein funk­tio­nie­rendes WLAN ver­fügte und Abstim­mungen somit unmög­lich wurden. 

Einen Tag nach diesem Desaster trat Prä­si­dent Wolf­gang Diet­rich zurück. Weniger wegen der tech­ni­schen Panne, er hatte schlichtweg erkannt, dass er bei der Mehr­zahl der VfB-Mit­glieder keinen Rück­halt mehr hat. 

65 Anträge auf Diet­richs Abwahl

Das zweite Mal inner­halb von drei Jahren in der zweiten Liga, die 40 Mil­lionen aus der Aus­glie­de­rung zur AG weit­ge­hend ver­brannt, vier Trainer, drei Sport­vor­stände, eine zer­ris­sene Fan-Gemein­schaft, kon­tro­verse Dis­kus­sionen um die Finanz­be­tei­li­gungen von Wolf­gang Diet­rich. Das waren die Gründe, warum unter Tages­ord­nungs­punkt 6 der Ver­samm­lung stand: Abwahl des Prä­si­denten“. 65 Anträge darauf waren im Vor­feld der Mit­glie­der­ver­samm­lung beim VfB ein­ge­gangen. Die Hürde dafür ist mit 75 Pro­zent jedoch sehr hoch.

Vor der Abstim­mung über die Abwahl stand der Bericht des Vor­stands an. Sowohl Prä­si­dent Diet­rich als auch Mar­ke­ting-Vor­stand Jochen Rött­ger­mann gaben Fehler zu, baten aber gleich­zeitig um das Ver­trauen, den VfB wieder zum Erfolg zu führen. Was in etwa so ist, wie den Brand­stifter zu bitten, den von ihm gelegten Brand doch bitte gemeinsam mit der Feu­er­wehr zu löschen. 

Thomas Hitzl­sperger wurde als Ein­ziger mit großem Applaus bedacht. Ihm wird noch ein Ver­trau­ens­vor­schuss gegeben. Er ver­mied ein Bekenntnis zu Diet­rich und betonte die große Bedeu­tung der Jugend­ar­beit. Gleich­wohl kann er den Wechsel des 18-jäh­rigen Super­ta­lents Leon Dajaku zum FC Bayern Mün­chen nicht ver­hin­dern. So gut sind die von Prä­si­dent Diet­rich geschaf­fenen Rah­men­be­din­gungen dann doch nicht.