Wenn die Dinge schei­tern, dann spre­chen sie in Ita­lien vom fumata nera, der empor­steigt aus dem Gebäude, in dem die Dinge gerade geschei­tert sind. Eine dichte Wolke von diesem ima­gi­nären schwarzen Rauch haben Beob­achter und Betei­ligte am Mon­tag­abend über dem Hilton Hotel di Fium­icino am Flug­hafen von Rom aus­ge­macht. Dort traf sich die Bel­etage des ita­lie­ni­schen Fuß­balls eigent­lich, um die Zukunft ihres anti­quierten Calcio ein­zu­leiten. Die Wahl des neuen Ver­bands­prä­si­denten gestal­tete sich dann aber noch pein­li­cher als die ver­patzte WM-Qua­li­fi­ka­tion der Natio­nal­mann­schaft. Auch wenn die Squadra Azzurra“ in den Play-Offs gegen die Schweden kopflos und ohne jeg­liche spie­le­ri­sche Inspi­ra­tion ins Ver­derben rannte, zumin­dest den Willen konnte man ihr ja nicht streitig machen. Das Schei­tern emp­fanden viele gar als die lang­ersehnte Chance auf Ver­än­de­rung. Ver­bands­prä­si­dent Carlo Tavec­chio und Natio­nal­trainer Giam­piero Ven­tura wurden aus ihren Ämtern gefegt, plötz­lich war der Weg frei für Leute mit Ideen und Visionen. 

Nichts wurde es aber mit dem erhofften Füh­rungs­wechsel, die alten Herren aus Ita­liens Fuß­ball­gre­mien ver­strickten sich lieber in ihre übli­chen Macht­spiel­chen und per­sön­li­chen Aver­sionen. Auch nach vier Wahl­gängen kam am Montag keiner der drei Kan­di­daten auf die erfor­der­liche Mehr­heit, wes­halb das Vakuum an der Spitze des Calcio im nächsten halben Jahr vom Ita­lie­ni­schen Olym­pi­schen Komitee (CONI) mit einem kom­mis­sa­ri­schen Ver­bands­chef gefüllt werden muss. Am Don­ners­tag­abend wurde bekannt gegeben, dass CONI-Gene­ral­se­kretär Roberto Fab­bri­cini den ita­lie­ni­schen Fuß­ball vor­über­ge­hend aus seiner sport­li­chen und struk­tu­rellen Krise führen soll. 

Ich habe das Han­dicap, nur ein Fuß­baller zu sein“

Dabei hätte zumin­dest einer der Kan­di­daten einen Neu­an­fang ein­leiten können. Damiano Tom­masi, ehe­mals Mit­tel­feld­spieler in der Squadra Azzarra“ und beim AS Rom, hatte ein Pro­gramm im Gepäck, das den Calcio von Grund auf refor­mieren sollte. Unter anderem for­derte er U21-Mann­schaften der Pro­fi­klubs in der Serie C, moderne Jugend­leis­tungs­zen­tren als Vor­aus­set­zung für Erst­li­ga­li­zenzen oder die Ein­füh­rung eines Sport­di­rek­tors für die Natio­nal­mann­schaft. Dass so viel Ver­än­de­rung keine Unter­stüt­zung finden würde, wusste der Vor­sit­zende der Spie­ler­ge­werk­schaft bereits vorher. Ich habe das Han­dicap, nur ein Fuß­baller zu sein“, klagte Tom­masi bereits vor der Wahl über die zemen­tierten Macht­ver­hält­nisse im Calcio.