Ob Mehmet Scholl das Medi­en­portal meedia​.de“ ver­folgt, ist nicht bekannt. Das unter Jour­na­listen beliebte Bran­chen­portal berichtet über alles, was die Medi­en­welt bewegt. Vor knapp einer Woche sorgte dort ein Kom­mentar des freien Jour­na­listen Hen­drik Stein­kuhl für Auf­sehen, in dem dieser Mehmet Scholl die Eig­nung als TV-Experte absprach. Ein Kom­mentar, der bei Twitter für hit­zige Dis­kus­sionen sorgte. 

Um Scholls Posi­tion in Sachen Doping ging es bei diesen Dis­kus­sionen nicht. Eher um seinen Hang zur gut abge­han­genen Phrase und die auf­fäl­lige Absenz tak­ti­scher Erklä­rungen, soll er ein Spiel ana­ly­sieren. In den schied­lich-fried­li­chen Confed Cup platzte dann wenige Tage später die Nach­richt der Doping­vor­würfe gegen­über Gast­geber Russ­land. Scholl äußerte sich nicht dazu, mehr noch: Er reiste ab. 

Was soll’s über­haupt bringen im Fuß­ball?“

Laut Bild“ hatte die ARD einen aus­führ­li­chen Bericht über die Doping­vor­würfe geplant. Scholl fand das lang­weilig und wollte lieber über die guten Leis­tungen der deut­schen Mann­schaft reden. Eine Mei­nungs­ver­schie­den­heit, die offenbar eska­lierte und Scholl ver­an­lasste, seine Koffer zu packen, obwohl er noch zwei Spiele zu co-mode­rieren gehabt hätte. 

Warum Scholl so dünn­häutig auf einen (absolut not­wen­digen) Bericht über die Doping­vor­würfe reagiert, ist rät­sel­haft. Seine Mei­nung zum Thema jedoch hin­läng­lich bekannt. In der Ver­gan­gen­heit sprach er Doping im Fuß­ball immer wieder die Wirk­sam­keit ab, etwa 2015 an einem DFB-Pokal-Abend im ARD-Studio: Was soll’s über­haupt bringen im Fuß­ball? (…) Im Fuß­ball macht’s nicht wirk­lich Sinn.“ Abge­sehen davon, dass echte Experten das anders sehen, ist das eine gefähr­liche weil ver­harm­lo­sende Mei­nung.

Ich freue mich auf die WM 2018“

Eine Mei­nung, mit der er aller­dings nicht alleine dasteht, in der Ver­gan­gen­heit äußerten sich unter anderem auch Jürgen Klopp oder Robin Dutt ähn­lich zur The­matik. Dass Scholl das Thema Doping im Fuß­ball aller­dings derart pikiert, dass er seine Mode­ra­ti­ons­tä­tig­keit aufs Spiel setzt, um nicht dar­über berichten zu müssen, ist zumin­dest irri­tie­rend. Bei der ARD ist man darauf bedacht, die Wogen zu glätten: Mei­nungs­ver­schie­den­heiten kommen in den besten Fami­lien vor. Wir werden das in den nächsten Wochen intern klären“, sagte ARD-Sport­ko­or­di­nator Axel Bal­kausky zum Thema. Scholls zwei aus­ste­hende Spiele co-mode­rierte Thomas Hitzl­sperger, was zumin­dest den Kol­legen von meedia​.de“ gefreut haben dürfte. 

Und Scholl? Gegen­über der Bild“ sagte der Ex-Natio­nal­spieler: Es ist alles prima zwsi­chen der ARD und mir. Ich freue mich auf die WM 2018“. Doping wird dort ja sicher­lich kein Thema sein.