Heinz Höher spielte in seiner Kar­riere für Lever­kusen, den Mei­de­ri­cher SV, Twente Enschede und den VfL Bochum. Danach war er unter anderem sieben Jahre lang Trainer beim VfL und über vier Jahre beim 1. FC Nürn­berg. Autor Ronald Reng schrieb 2013 ein Buch über die Geschichte der Bun­des­liga – erzählt am Leben von Heinz Höher, der den deut­schen Fuß­ball als Spieler, Trainer und Sport­di­rektor geprägt hatte.

Auch als das Alter, dieses Biest, Heinz Höher kör­per­lich und geistig zusetzte, verlor er nie seine Fähig­keit zu über­ra­schen. Wir gingen in seiner späten Heimat Nürn­berg im Volks­park am Mari­en­berg spa­zieren, er war schon über 75, und als wir auf eine breite Lich­tung traten, sagte er ohne Ein­lei­tung, wie es seine Art war: Davon habe ich immer geträumt: Hier einmal meine Nürn­berger Auf­stiegs­mann­schaft laufen zu sehen, alle neben­ein­ander, wie sie die ganze Lich­tung zwi­schen den Bäumen aus­füllen würden.“

Das erschien für einen Mann, der als Fuß­ball­trainer, nicht als Land­schafts­fo­to­graf gear­beitet hatte, ein eher unge­wöhn­li­cher Traum zu sein. Warum er von diesem Anblick träumte, wollte Heinz Höher – wie es erst recht seine Art war – nicht näher begründen. Reizte ihn die Ver­bin­dung von dem, was er liebte, seine legen­däre Nürn­berger Auf­stiegs­mann­schaft von 1985 und der Park am Mari­en­berg? Gefiel ihm die Idee, wie mächtig seine Mann­schaft wirken würde, wenn sie die ganze Lich­tung aus­füllte? Oder besaß er tat­säch­lich eine Art foto­gra­fi­sches Ver­ständnis für schöne Bilder und dachte an die opti­sche Wir­kung: junge Fuß­baller in Mann­schafts­stärke vor dem Horizont?

Er hatte Angst vor Konflikten

Heinz Höher ließ die Men­schen gerne über ihn rät­seln. Der große Schweiger“ nannten ihn die Zei­tungen. Er war Trainer zu einer Zeit, als Schweigen noch als Tugend großer Männer galt: Man nahm an, er dachte nach. Und beson­dere Ideen hatte Heinz Höher tat­säch­lich. In den sieb­ziger Jahren, als noch nie­mand auf die Idee kam, in Trai­nern Revo­lu­tio­näre oder Visio­näre zu sehen, führte er mit seinem Team des VfL Bochum die Abseits­falle in der Bun­des­liga ein. Einmal ließ er seine Elf auch ohne Mit­tel­stürmer spielen, die Außen­stürmer und offen­siven Mit­tel­feld­spieler sollten abwech­selnd in den Leer­raum stoßen und den Gegner so ver­wirren. Bochum schlug Hertha BSC 5:0. 35 Jahre später meinten wir alle, es sei eine wahn­sin­nige Neu­heit, dass Pep Guar­diola beim FC Bar­ce­lona ohne nomi­nellen Mit­tel­stürmer spielte und wir nannten das fortan fal­sche Neun.

Heinz Höher war ein Trainer, der Ären begrün­dete. Er hielt den klammen VfL Bochum gegen alle finan­zi­elle Logik sieben Jahre lang in der Bun­des­liga und schuf so die Legende der Unab­steig­baren. In den Acht­zi­gern dann voll­brachte er den vor­letzten großen Auf­bruch des 1. FC Nürn­berg. Sein dicker Freund, Nürn­bergs dama­liger Prä­si­dent Gerd Schmelzer, begrün­dete seine Fas­zi­na­tion für Höher so: Der Heinz konnte dich so wahn­sinnig ange­nehm anschauen, wäh­rend du etwas erzähl­test.“ Dass Heinz Höher selbst so ungern redete, hatte nicht nur etwas mit der Zeit zu tun. Er hatte Angst vor Kon­flikten. Also schwieg er sie aus. Wenn er in Bochum einem Spieler sagen musste, er stehe am Samstag nicht in der Startelf, ging er zu seinem Lieb­lings­spieler Jürgen Köper und befahl Köper: Sag du ihm das. Ich habe dazu keine Lust.“

Dann holt ihn euch endlich!“

Als in Nürn­berg die Mann­schaft im Herbst 1984 erklärte, sie ver­stehe Heinz Höhers Schweigen nicht mehr und könne nicht mehr unter ihm trai­nieren, sah sich Prä­si­dent Schmelzer genö­tigt, nicht den Trainer, son­dern die kom­plette Mann­schaft raus­zu­werfen, ein ein­ma­liger Vor­gang im Pro­fi­fuß­ball. Die Rebel­lion vom Valz­ner­weiher“ ist ein Stück deut­sche Fuß­ball­ge­schichte. Dazu gehört, dass Heinz Höher post­wen­dend aus einem Haufen Junio­ren­ki­cker einen Bun­des­li­ga­auf­steiger formte, den Verein für den Uefa-Pokal qua­li­fi­zierte und aus Jungen wie Stefan Reuter und Hansi Dorfner Natio­nal­spieler machte. Schmelzer saß, Ziga­rette rau­chend, in der Halb­zeit­pause mit in der Umklei­de­ka­bine und beob­ach­tete gebannt, wie Höher die Jungen moti­vierte. Was ist das?“, rief Heinz Höher und hielt mit beiden Händen einen Ball in die Luft. Ein Ball“, wagte schließ­lich ein Spieler zu sagen. Heinz Höher warf den Ball auf den Boden, so dass er bis an die Decke sprang. Dann holt ihn euch end­lich!“, rief er.