Der NK Jelen­grad hat ein Pro­blem. Neben den übli­chen Sorgen, mit denen sich Ama­teur­ver­eine in den unteren Ligen so her­um­schlagen müssen, kommt es bei Heim­spielen der Kroaten immer wieder zu Spiel­un­ter­bre­chungen durch Flitzer. Bei den Platz­stür­mern han­delt es sich jedoch nicht etwa um betrun­kene Eng­länder, die im Som­mer­ur­laub eine Wette ver­loren haben, son­dern um aus­ge­büxte Hühner vom Bau­ernhof nebenan. 

Laut dem Nach­rich­ten­portal 24Sata“ sorgte das am ver­gan­genen Wochen­ende für einen Eklat: Beim Duell gegen Jasen­ovac in der zweiten kroa­ti­schen Sisak-Mos­la­vina-County-Liga störte das Feder­vieh mal wieder den Spiel­be­trieb, erneut musste die Partie dar­aufhin unter­bro­chen werden. Das schien den Jelen­grad-Stürmer Ivan Gazdek der­maßen auf­zu­regen, dass er die unge­wollten Gäste eigen­ständig vom Platz jagte. An der Sei­ten­aus­linie ange­kommen, kickte er mehr­mals gegen eines der Hühner, bis er das arme Tier schließ­lich nach zwei Ver­su­chen per Wurf über den angren­zenden Zaun beför­derte. Das Ergebnis der Aktion war für beide Betei­ligten wenig erfreu­lich: Das Huhn verlor bei der Attacke seinen Kopf, der Hitz­kopf sah für unsport­li­ches Ver­halten“ die rote Karte.

Und dann tötete ich ver­se­hent­lich eines. Scheiß drauf“

Der Übel­täter selbst war sich nach der Partie jedoch keiner Schuld bewusst: Hühner betreten hier ständig das Feld, daher muss das Spiel oft unter­bro­chen werden. Das Gelände ist voller Kot, das sind unhy­gie­ni­sche Bedin­gungen“, so Gazdek. Ich rannte zu den Hüh­nern, um sie zu ver­treiben, schwang meinen Fuß und tötete ver­se­hent­lich eines. Scheiß drauf.“

Zwar beru­higte diese lapi­dare Erklä­rung zumin­dest die Klub­füh­rung – der Verein gab an, selbst keine interne Strafe für den Angreifer ver­hängen zu wollen – mehr Sorgen musste sich Gazdek aber ohnehin ob der Zuschauer an der Sei­ten­linie machen. Schließ­lich war neben ein paar Anhän­gern beider Mann­schaften auch die Besit­zerin des ansäs­sigen Bau­ern­hofs vor Ort, der Kopf-ab-Kick spielte sich quasi direkt vor ihren Augen ab. Doch auch für dieses Pro­blem hatte Gazdek seinen ganz eigenen Lösungs­an­satz: Die Hal­terin ent­fernte die Henne sofort vom Unfallort und hat mit nie­mandem geschimpft. Es hat mir dann irgendwie doch leid getan. Also habe ich ihr einen Brief geschickt, zusammen mit einem neuen Huhn.“, recht­fer­tigte sich der 23-Jährige. 

Wir aßen Gulasch nach dem Spiel, dann war alles gut.“

Dass die Besit­zerin sich so milde gestimmt zeigte, lag neben der unge­wöhn­li­chen Ent­schul­di­gung viel­leicht auch am Spiel­ver­lauf. Nach der Attacke beim Stand von 2:1 drehte Jelen­grad auf, am Ende gewann der Gast­geber in Unter­zahl sogar mit 8:1. Um für Ver­söh­nung zu sorgen, orga­ni­sierte der Verein schließ­lich ein gemein­sames Abend­essen beim Bau­ernhof – mit Erfolg: Nach dem Spiel dachte nie­mand mehr an den Vor­fall. Wir aßen alle zusammen Gulasch, dann war alles gut“, berich­tete ein Ver­eins­mit­ar­beiter dem Nachrichtenmagazin. 

Dem nicht gerade durch über­mä­ßige Tier­liebe auf­ge­fal­lenen Gazdek war es schluss­end­lich doch noch wichtig, sich selbst ins rechte Licht zu rücken: Ich hoffe, die Öffent­lich­keit ver­ur­teilt mich jetzt nicht. Eigent­lich liebe ich Tiere sogar!“, erklärte der Ama­teur­spieler. Ich selbst habe auch einen Hund und zwei Katzen. Lange hatte ich sogar einen Papagei, doch der ist kürz­lich gestorben. Viel­leicht war ich ein­fach des­wegen noch etwas traurig.“