Marek Mintal, Sie sind 1977 in Zilina, im mitt­leren Osten der dama­ligen Tsche­cho­slo­wakei, geboren. Welche Erin­ne­rungen haben Sie an Ihre Kind­heit und Jugend?
Wir hatten nicht viel, im Ver­gleich zu heute fast gar nichts, aber das reichte uns damals. Ich habe drei Geschwister, zwei tolle Eltern und eine große Familie, da war immer was los. Mein Vater und seine beiden Brüder waren Erst­liga-Fuß­baller, der Apfel fällt also nicht weit vom Stamm. Im Sommer spielten wir Fuß­ball, im Winter Eis­ho­ckey. Manchmal mit Schien­bein­scho­nern, manchmal ohne. Ich brach mir die Nase, schlug mir die Lippen auf, bekam den Puck auf die Schien­beine oder ins Gesicht. Einmal verlor ich dabei einen Zahn. Es war das beste Trai­ning für meine spä­tere Profikarriere.

Inwie­fern?
Ich hatte nicht son­der­lich viel Talent, aber ich konnte das durch vollen Ein­satz und eine fan­tas­ti­sche Kon­di­tion aus­glei­chen. Wenn du dich als kleiner Junge beim Fuß­ball oder Eis­ho­ckey gegen die Großen durch­zu­setzen lernst, brauchst du keinen Fit­ness­coach, das geht von ganz alleine. Denn wenn man mit den Älteren nicht mit­halten konnte, durfte man nicht mehr mit­spielen, das wollte ich natür­lich ver­hin­dern. Kurz vor Weih­nachten kauften wir uns immer neue Schläger und dann ging es bei minus 20 Grad aufs Eis, stun­den­lang. Nie­mand kon­trol­lierte die Zeit, oder ob wir uns auch nicht ver­letzten. Ich bin sehr dankbar für diese Jahre.

Wie haben Sie sie sam­tene Revo­lu­tion“ vor 25 Jahren in der Tsche­cho­slo­wakei erlebt?
Plötz­lich war das Leben voller neuer Mög­lich­keiten. Wenn wir früher mal in den Urlaub fuhren, dann nach Polen, in die Ukraine oder nach Bul­ga­rien. Jetzt waren die Grenzen offen und man durfte hin, wo man wollte. Wenn ich mit meiner Mann­schaft bei Jugend­tur­nieren im Westen spielte, gab ich mein kom­plettes Geld für Süßig­keiten aus: Gum­mi­bär­chen für meine Geschwister, Nutella für meine Eltern, Kau­gummi für mich – mein Vater hatte lange für die 100 Mark oder Gulden arbeiten müssen und ich setzte es kom­plett in süßes Zeug um. Das war gut angelegt.

Wollten Sie immer Fuß­baller werden?
Ja! Ich habe so viele Sport­arten aus­pro­biert, aber Fuß­ball war meine Nummer eins. Wenn das Trai­ning vorbei war, spielte ich Fuß­ball-Tennis mit den Rent­nern, da musste man höl­lisch auf­passen, keinen Fehler zu machen, sonst wurde man von einem 65-Jäh­rigen ange­raunzt. Mit 19 stieß ich zur ersten Mann­schaft und musste mich erstmal hinten anstellen: Bälle auf­pumpen, Kisten schleppen, das volle Pro­gramm. Das tat ich sogar bei der U21, obwohl wir da Betreuer hatten. Aber es machte mich stolz. Und von Jahr zu Jahr schoss ich mehr Tore.

Sie waren schon 25 Jahre alt, als Sie 2003 zum 1. FC Nürn­berg wech­selten. Träumten Sie von einer Kar­riere im Aus­land?
Natür­lich. Aber meine Ziele waren Tsche­chien oder Russ­land, ich dachte daran, irgend­wann einmal in diesen Ligen zu spielen und viel­leicht 250.000 Dollar im Jahr zu ver­dienen. Die Bun­des­liga erschien uner­reichbar, ich kannte sie nur von Ranis­simo“, die Sen­dung schaute ich mir jeden Sonntag an. Die vollen Sta­dien, die groß­ar­tigen Spieler – manchmal vergaß ich vor lauter Bewun­de­rung fast zu atmen.

Der Legende nach wurden Sie dem 1. FC Nürn­berg 2003 vom deut­schen Auto­händler Peter Hammer emp­fohlen.
Nicht ganz. Der Vater von Peter Ham­mers slo­wa­ki­scher Freundin war Trainer in der Slo­wakei. Ich hatte ihn noch nie gesehen, aber er offenbar mich. Er emp­fahl mich und Robert Vittek, der damals bei Slovan Bra­tis­lava spielte, und Hammer gab das an seinen Bekannten Wolf­gang Wolf weiter. Wolf trai­nierte zu dieser Zeit die frisch aus der Bun­des­liga abge­stie­genen Nürn­berger. Am vor­letzten Spieltag saß Wolf mit seinem Bruder Arno bei uns auf der Tri­büne, im ent­schei­denden Spiel um die Meis­ter­schaft trafen wir auf Slovan. Vor dem Spiel dachte ich mir: Du hast nur diese eine Chance, jetzt nutze sie auch! Wir gewannen mit 2:1 und wurden Meister vor Slovan, die nach der Hin­runde noch zwölf Punkte Vor­sprung gehabt hatten. Kurz darauf wurde ich erst­mals nach Nürn­berg eingeladen.