Ob Pablo Tal­a­moni, Nor­berto Zani, Sergi Vijande Rivera oder Rafael Yohai ges­tern im argen­ti­ni­schen Rosario waren, kann nicht beant­wortet werden, aus­zu­schließen ist es aber auch nicht. Schließ­lich ver­folgten einst die vier Foto­grafen auf Schritt und Tritt den größten Fuß­bal­lers Argen­ti­niens, und das mag was heißen in einem Land, in dem auch Lionel Messi geboren wurde.

Berühmt wurden die vier Berufs­kol­legen, als Diego Mara­dona per­sön­lich mit einem Luft­ge­wehr auf sie schoss. Der Welt­star sagte später aus, er habe sich in seiner Villa in Buenos Aires bedrängt gefühlt. Das war im Februar 1994, als aus Diego“, dem Wun­der­knaben, längst Mara­dona“, der koka­in­süch­tige Mythos, geworden war. Nur wenige Monate zuvor hatte Mara­dona beim argen­ti­ni­schen Klub Newell’s Old Boys ange­heuert, gezeichnet von seiner Sucht und den Eska­paden in Europa. In neun Spielen traf der ehe­ma­lige Welt­fuß­baller nicht ein ein­ziges Mal – abge­sehen von der Epi­sode mit dem Luft­ge­wehr, die zu einem der trau­rigen Tief­punkte seines Nie­der­gangs zählt.

Um Worte ringend

Ges­tern kehrte Diego Mara­dona zurück. Nach Rosario, wo Newell’s Old Boys behei­matet ist, ins Estadio Mar­celo Bielsa. Und die Men­schen flippten kom­plett aus.

Auf den Videos aus dem Sta­dion ist zu sehen, wie Mara­dona, der aktuell als Trainer beim Gegner Gim­nasia La Plata in der Ver­ant­wor­tung steht, unter dem Jubel der Tau­senden ins Sta­dion einzog. Am Mit­tel­kreis war­tete sodann Old-Boys-Kapitän und Ex-Natio­nal­spieler Maxi Rodri­guez, der Mara­dona eine Ehren­spiel­füh­rerbinde in den Farben seines Ex-Klubs übergab, ehe sich Mara­dona sicht­lich gerührt, nach Worten rin­gend und mit Tränen in den Augen an die Massen wandte.

Danke für diese Liebe. Ich habe ein gebro­chenes Herz, weil ich weiß, dass ich hierher zurück­kommen werde, da ich Newell’s trai­nieren will.“

Die Men­schen vor Ort scheinen an dieser Vor­stel­lung jeden­falls nichts aus­zu­setzen zu haben. Im Gegen­teil: Für den Besuch von El Dios“ hatte der Gast­geber einen kleinen Thron anfer­tigen lassen, auf den sich Mara­dona wäh­rend des Spiels an der Sei­ten­linie nie­der­ließ. Der Sender TNT Sports“ bot zugleich eine Ein­zel­op­tion an, in der der Sender über 90 Minuten nur Mara­dona übertrug.

Tumult­ar­tige Szenen vor dem Hotel

Argen­ti­niens eins­tiger Volks­held bedankte sich für die Ehr­er­bie­tung des Geg­ners in Form von Cho­reo­gra­fien, über­reichten Gemälden und Tri­kots auf seine Weise. Mit Gim­nasia fuhr er einen lockeren 4:0‑Sieg gegen den Meis­ter­schafts­an­wärter ein und ver­ließ damit zum ersten Mal den letzten Tabel­len­platz in der argen­ti­ni­schen Pri­mera Division.

Schon vor dem Spiel hatten die Fans von Newell’s Old Boys der Legende auf­ge­wartet. Vor seinem Hotel ver­sam­melten sich tau­sende Men­schen, Mara­dona grüßte ergriffen vom Balkon. Gut mög­lich also, dass es nicht das letzte Auf­ein­an­der­treffen zwi­schen dem Klub und Mara­dona war. Immerhin ist auch eine Tri­büne im Estadio Mar­celo Bielsa“ benannt nach ihm, dem größten Spieler der Ver­eins­ge­schichte. Und das mag was heißen, bei einem Verein, für den schon Lionel Messi kickte.