Ich kämpfe für Gerech­tig­keit, Demo­kratie, Frei­heit und Men­schen­würde. Es ist mir egal, was ich ver­lieren kann, wenn die Mensch­heit der Gewinner ist.“ So ant­wor­tete der ehe­ma­lige tür­ki­sche Natio­nal­spieler Hakan Sükür via Twitter auf einen Post von Fans seines ehe­ma­ligen Ver­eins Inter Mai­land. Die Fans kri­ti­sieren die tür­ki­sche Natio­nal­mann­schaft für ihren Knie­fall vor Prä­si­dent Recep Tayyip Erdogan und fei­erten ihren ehe­ma­ligen Spieler für seine Hal­tung gegen­über dem Prä­si­denten. Diese Hal­tung hat Hakan Sükür in der Türkei seine Repu­ta­tion gekostet.

Vom Volks­held zur Per­sona non grata

Hakan Sükür, soviel ist sicher, kennt in der Türkei jedes Kind. Der bul­lige Angreifer ist mit 51 Tref­fern der erfolg­reichste Tor­schütze der Natio­nal­mann­schaft, mit der er 2002 bis ins Halb­fi­nale der Welt­meis­ter­schaft stürmte. Den Groß­teil seiner Kar­riere ver­brachte der Bulle vom Bos­porus“ bei Gala­ta­saray Istanbul. Dort ist er eben­falls Rekord­tor­jäger und gewann mit dem Verein im Jahr 2000 den UEFA-Cup gegen den FC Arsenal. Das ist bis heute der größte Erfolg einer tür­ki­schen Ver­eins­mann­schaft. Eine wasch­echte Ver­eins­le­gende also, deren Name auf ewig in den Annalen des Ver­eins steht.

So war es zumin­dest bis ins Jahr 2017. Denn am 27. März 2017 ver­öf­fent­lichte Gala­ta­saray eine Mit­tei­lung, dass Hakan Sükür nicht mehr länger Mit­glied des Ver­eins sei. Ihm wurde, ent­gegen eines Mit­glieder-Votums und auf Drängen des tür­ki­schen AKP-Sport­mi­nis­ters, die Ver­eins­mit­glied­schaft entzogen.

Der tür­ki­sche Rekord­meister gilt nicht als Erdogan-Klub schlechthin, aber benannte dem Prä­si­denten zuliebe schon einmal das hei­mi­sche Sta­dion von Arena“ in Sta­dyumu“ um. Der Sta­di­on­namen sollte kom­plett in Tür­kisch sein. Die offi­zi­elle Begrün­dung für Sükürs Raus­wurf: Er habe seit Jahren keinen Mit­glieds­bei­trag bezahlt. Wohl eine vor­ge­scho­bene Recht­fer­ti­gung, denn: Im Zuge des Mili­tär­put­sches 2016 wurde ihm vor­ge­worfen, Teil der in der Türkei als ter­ro­ris­tisch ein­ge­stuften Gülen-Bewe­gung“ zu sein. Dadurch wurde der ehe­ma­lige Stürmer öffent­lich zur Per­sona non grata erklärt und aus dem kol­lek­tiven Gedächtnis gestrichen.

Dabei hatte Hakan Sükür von 2011 bis 2013 sogar für Erdo­gans AKP im tür­ki­schen Par­la­ment gesessen. Sein Aus­scheiden begrün­dete er damit, dass die Regie­rung Erdo­gans feind­liche Schritte“ gegen die Gülen-Bewe­gung unter­nehme. Die Bewe­gung ver­steht sich als mode­rate, isla­mi­sche Strö­mung, von AKP-Seite wird sie für den geschei­terten Putsch ver­ant­wort­lich gemacht. Das geist­liche Ober­haupt, Fethullah Gülen, lebt seit 1999 in den USA. Wei­terhin erzählte Sükür: Seit mehr als 20 Jahren kenne und liebe ich die Gülen-Bewe­gung. Diese Men­schen, die unsere Regie­rung bei jedem Thema stand­haft unter­stützt haben, nun als Feinde zu betrachten, ist im besten Falle undankbar.“ In einem Inter­view mit der New York Times sagte er: Ich hätte ein gutes Leben haben und Minister werden können, wenn ich ihr Spiel mit­ge­spielt hätte. Jetzt ver­kaufe ich Kaffee.“