Seit zwei Jahren hält das Thema die US-ame­ri­ka­ni­sche Major League Soccer (MLS) in Atem. Zahl­rei­chen Fans, vor allem aus dem tra­di­tio­nell libe­ralen Nord­westen (Seattle, Port­land), bleibt vor Empö­rung sogar die Luft weg: Anti­fa­schis­ti­sche Banner in den Sta­dien sind strengs­tens ver­boten. Sagt die Liga. Und han­delt damit in vor­aus­ei­lendem Gehorsam gegen­über US-Prä­si­dent Donald Trump und dessen, nun ja, nicht gerade pro­gres­sivem Politikverständnis.

Linie über­schritten, oder?

Anti­fa­schis­ti­sche Banner in den Sta­dien sind not­wen­diger denn je. Sagen des­halb viele Fans. Und spielen damit auch direkt auf Trump an. Auf dessen beton­köp­figen Mau­er­plan für die ame­ri­ka­nisch-mexi­ka­ni­sche Grenze zum Bei­spiel. Auf seine Tiraden über angeb­liche Shi­t­hole Coun­tries“ wie Haiti oder El Sal­vador. Auf seine Hetze gegen US-Abge­ord­nete mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund („Warum gehen sie nicht zurück und helfen dabei, die total kaputten und von Kri­mi­na­lität befal­lenen Orte in Ord­nung zu bringen, aus denen sie gekommen sind?“). Und auf so vieles mehr, das nicht in Ord­nung ist. Mit diesem Land. Und mit seinem 45. Präsidenten.

Seit Trumps Amts­an­tritt im Januar 2017 tauchten immer mehr Banner mit anti-faschis­ti­schen und anti-ras­sis­ti­schen Bot­schaften in den Kurven der MLS-Arenen auf. Etwa im Sta­dion der Seattle Sounders im Bun­des­staat Washington. Oder bei den Port­land Tim­bers in Oregon. Auch andern­orts, in Kali­for­nien oder in New York, traten Fuß­ball­fans offen für ein mensch­li­ches Mit­ein­ander ein. Warum auch nicht, unter­stützten sie doch damit nur die offi­zi­elle Anti-Ras­sismus-Kam­pagne der MLS („Don’t cross the line“).

Ban­ner­klau von ganz oben

Aber dann, an einem Abend im November 2017, änderte sich alles. Wäh­rend des Halb­final-Hin­spiels der Wes­tern Con­fe­rence zwi­schen den Van­couver White­caps und den Seattle Sounders stürmten Ordner den Block der Gäs­te­fans und brachten ein dort auf­ge­hängtes Banner in ihre Gewalt. Anti-faschis­tisch, anti-ras­sis­tisch, immer Seattle“, stand auf dem schwarzen Laken, das Mit­glieder von Seat­tles Fan-Grup­pie­rung Eme­rald City Sup­por­ters“ (EMS) mit ins Sta­dion geschmug­gelt hatten. Geschmug­gelt des­halb, weil die MLS kurz zuvor klar­ge­stellt hatte: Poli­ti­sche Kund­ge­bungen im Umfeld ihrer Spiele sind ver­boten. Basta.

Die Ordner und die zusätz­lich her­bei­ge­eilte Polizei han­delten also auf Wei­sung von oben. Spötter meinten sogar: auf Befehl von ganz, ganz oben – und dachten dabei weniger an die MLS-Zen­trale in New York als viel­mehr ans Weiße Haus in Washington. Angeb­lich hätten Klub-Eigen­tümer und Liga-Bosse das Verbot poli­ti­scher Kund­ge­bungen auf direkten oder zumin­dest auf indi­rekten Druck von Donald Trump erlassen.