Ein beliebtes Spiel beim regel­mä­ßigen Knei­pen­quiz von 11FREUNDE ist es, einen belie­bigen Wiki­pedia-Ein­trag an die Wand zu werfen und die Leute im Saal zu fragen, wel­cher Spieler sich hinter der tabel­la­ri­schen Abbil­dung einer Kar­riere ver­birgt. Das macht natür­lich umso mehr Spaß, je wilder das Zick­zack ist, das der Profi auf der Land­karte hin­ter­lassen hat. Will sagen: Ansgar Brink­mann funk­tio­niert gut, Charly Körbel eher weniger.

Lange dachten wir, jemand wie der frü­here Tor­wart und jet­zige For­tuna-Manager Lutz Pfan­nen­stiel, der in seiner Lauf­bahn für mehr als 20 Klubs zwi­schen den Pfosten stand, sei in dieser Hin­sicht unschlagbar. Aber dann begeg­nete uns Jef­ferson Louis.

Ein irrer Trip

Zu den Zeit­punkt, als wir auf den mitt­ler­weile 40-jäh­rigen Stürmer auf­merksam wurden, spielte er für Chesham United in der soge­nannten Sou­thern Pre­mier South“, was sich besser anhört, als es tat­säch­lich ist: näm­lich die siebte eng­li­sche Liga. Nach ganz oben hatte es der Mann nie geschafft, aber immerhin für Oxford United, die Bristol Rovers und Mans­field Town als Voll­profi gespielt. In Eng­land ist zu lesen, dass Louis zu Beginn seiner Kar­riere als großes Talent galt, dann jedoch den Faden verlor. Danach begann sein irrer Trip von Klub zu Klub, quer durch die Ligen.

Der Ver­such, mit dem Jour­neyman“ Kon­takt auf­zu­nehmen, schei­terte zunächst. Weder sein Klub Chesham noch er selbst schienen an einer Geschichte inter­es­siert zu sein. Wir hätten an dieser Stelle ein­fach auf­geben oder uns weiter die Finger wund tele­fo­nieren können, statt­dessen fuhr unser Autor Marcus Erbe­rich an einem trüben Spät­som­mertag von London nach Chesham, um sich eng­li­schen Siebt­liga-Fuß­ball anzu­schauen – und machte sich mit Jef­ferson Louis bekannt.

Der nächste, logi­sche Schritt

Erbe­rich lernte an diesem Nach­mittag einen Mann kennen, der frei­mütig und mit einer gewissen Alters­milde auf seine, nun ja, wech­sel­volle Kar­riere zurück­blickte, auf frühe Hoff­nungen, ver­passte Chancen und fal­sche Abzwei­gungen. Der aber auch mehr als nur ein biss­chen grollte, weil er zum wie­der­holten Male nur ein­ge­wech­selt worden war. Wenn du so jemanden hast“, sprach Louis von sich in der dritten Person, dann musst du ihn von der Leine lassen.“

Und so kam es, wie es wahr­schein­lich kommen musste. In den zehn Tagen, die zwi­schen der Druck­le­gung eines 11FREUNDE-Heftes und seinem Erscheinen ver­gehen, wech­selte der Jour­neyman“ wieder mal den Verein. Statt für Chesham läuft er fortan für Hampton & Rich­mond Borough auf, Tabel­len­letzter der National League South und damit eine Stufe höher behei­matet als Chesham United. Und was aus jour­na­lis­ti­scher Sicht etwas ärger­lich ist, weil nun im Heft nicht die ganze Wahr­heit steht, ist doch ande­rer­seits die logi­sche Pointe dieses Por­träts eines Mannes, von dem der Tele­graph“ einmal schrieb, er suche noch immer nach seinem wahren Zuhause.

Die (bei­nahe) voll­stän­dige Geschichte von Jef­ferson Louis lest ihr in 11FREUNDE 215. Ab jetzt am Kiosk oder hier bei uns Shop. Fort­set­zung folgt bestimmt.