Den Video­be­weis gibt es in der Bun­des­liga erst seit gut einem Jahr, doch an diesem Spieltag ließ sich anschau­lich beob­achten, wie sehr er unser Ver­ständnis vom Fuß­ball bereits ver­än­dert hat. Der mar­kan­tere von zwei ziem­lich ähn­li­chen Vor­fällen trug sich dabei im Ham­burger Derby zu, als das ver­meint­liche Aus­gleichstor des HSV zum 1:1 nicht aner­kannt wurde, weil der Ball in der Ent­ste­hung die Tor­aus­linie über­schritten haben soll.

Wo war der Mega-Aufreger?

Tat­säch­lich konnte jedoch nie­mand sagen, ob dies wirk­lich der Fall war – weil das soge­nannte Haw­kEye nur die Tor­linie selbst über­wacht und in der einzig brauch­baren Kame­ra­ein­stel­lung zudem das Corpus Delicti vom Bein des Flan­ken­ge­bers Bakery Jatta ver­deckt wurde. Mit anderen Worten: Es han­delt sich um den im Zeit­alter des VAR höchst sel­tenen Fall, dass die Kor­rekt­heit des Tores nicht objektiv über­prüft werden kann, son­dern das letzt­in­stanz­liche Urteil aus­schließ­lich von der Wahr­neh­mung des Schieds­rich­ters und seiner Assis­tenten abhängt.

Und genau das macht die Leute offen­sicht­lich halb wahn­sinnig. Wenn sich Ham­burgs Trainer Dieter Hecking echauf­fiert, dass auf der wich­tigsten Linie keine Kamera ist“, mag das aus seiner Sicht noch ver­ständ­lich sein. Wo jedoch in diesem Fall der Mega-Auf­reger“ oder die Skandal-Ent­schei­dung“ ist, von der viel­fach zu hören und zu lesen war, bleibt schleierhaft.

Note 5 – warum?

Bezeich­nend, dass der Kicker“ dem Referee Sven Jablonski die Note 5 erteilt, ohne dem Gespann eine Fehl­ent­schei­dung nach­weisen zu können. Inter­es­sante Begrün­dung: Kein TV-Bild belegt, dass Jattas Ball zuvor im Aus war.“ Nach dieser kruden Logik hätte sich der arme Jablonski aller­dings ebenso ein Man­gel­haft ver­dient, wenn er das Tor gegeben hätte. Denn die TV-Bilder belegen ja genauso wenig das Gegenteil.