Man musste kein Bayern-Fan sein, um in dieser Sekunde mit Arjen Robben zu jubeln. Es lief bereits die 89. Minute des Cham­pions-League-Finales zwi­schen dem FC Bayern und Borussia Dort­mund, als der Hol­länder einen abge­legten Ball im Straf­raum auf­nahm, sich auf typi­sche Robben-Art durch zwei Gegen­spieler hin­durch­schlän­gelte, und dann den Ball via Kör­per­täu­schung so an Dort­munds Keeper Wei­den­feller vor­bei­bug­sierte, dass er fast aber­witzig langsam ins Tor rollte. 

Kaum hatte Robben rea­li­siert, dass er damit das deut­sche End­spiel in Wem­bley ent­schieden hatte, riss er die Augen ungläubig auf, brei­tete seine Arme aus und lief fas­sungslos vor Glück in die Bayern-Kurve. Es war dies der Moment, in dem Robben am Ziel eines Weges war, der ihn aus der Jugend­aka­demie des FC Gro­ningen über den PSV Eind­hoven zu Chelsea, Real Madrid und schließ­lich zum FC Bayern geführt hatte, der ihm viele Meis­ter­titel und Pokale gebracht, aber auch schlimme Nie­der­lagen beschert hatte. Die Nie­der­lage im WM-End­spiel 2010, das trau­ma­ti­sche Finale dahoam“ gegen Chelsea, dazu immer wieder Ver­let­zungen, lange und kurze Pausen. Das aber war nun alles ver­gessen, Robben war in diesem Moment der König von Europa und ganz ohne Zweifel der beste Außen­stürmer der Welt. 

Der Arjen hat’s gemacht!“

Man muss das noch mal so hin­schreiben, denn Zweifel waren bis zu diesem Zeit­punkt ein steter Begleiter seiner Kar­riere. Das galt ins­be­son­dere für die Nie­der­lande, wo Robben trotz seiner aner­kannt außer­or­dent­li­chen Fähig­keiten stets als einer galt, der viel zu wenig aus seinem Talent mache. Dass er in der Elftal nie so bril­lant auf­spielte wie im Klub­trikot, war immer wieder Grund für bei­ßende Kritik der Anhänger und Jour­na­listen. Und auch beim FC Bayern war Robben vor­über­ge­hend mal unten durch. 

Nach dem ver­schos­senen Elf­meter in der Ver­län­ge­rung gegen Chelsea hatten ihn nicht wenige Bayern-Anhänger als Haupt­schul­digen der über­ra­schenden Nie­der­lage aus­ge­macht und in einem Freund­schafts­spiel gegen die hol­län­di­sche Natio­nalelf aus­ge­pfiffen. Aber das war alles ver­gessen, als Robben gegen Dort­mund traf. Das Tor ist inzwi­schen längst Teil des großen Bayern-Mythos. Ich hab geträumt von dir, von unsrer Wem­bley-Nacht!“ singen die Bayern-Fans frei nach Mat­thias Reim. Wir haben den Cup gewonnen, den Thron erklommen, der Arjen hat’s gemacht!“

Der größte Spieler des letzten Jahrzehnts 

Dabei ist Rob­bens Leis­tung gar nicht in Titeln und Pokalen zu messen. Viel wich­tiger als jede Sil­ber­ware war, dass Robben Ele­ganz und Raf­fi­nesse ins Münchner Spiel brachte, dass er mit dem Ball unglaub­liche Dinge anstellte, dass er einen siebten Sinn für die Zukunft des Spiels hatte, dass er immer den Ball for­derte und dass er nicht zu stoppen war, auch wenn er zum hun­dertsten Mal die Linie ent­lang­sprin­tete, dann dia­gonal in den Straf­raum zog und mit links die Tor­ecke anvisierte. 

Und ange­sichts all dieser fast über­na­tür­li­chen Fähig­keiten, da machte auch irgend­wann Sinn, dass er hin und wieder wie von Zau­ber­hand gestoßen im Straf­raum hin­flog, ohne dass ihn ein Gegen­spieler berührt hätte. Diese Schwalben hatte er über­haupt nicht nötig. Und doch waren sie wie eine Erin­ne­rung an uns und an ihn selbst, dass er auch ein Stürmer von dieser Welt ist. Arjen Robben wird der Bun­des­liga fehlen. Er war der größte Spieler des letzten Jahrzehnts.