Sechs ver­schie­dene Teams standen im Ver­lauf der Saison 2008/09, deren Finale sich jetzt zum zehnten Mal jährt, an der Tabel­len­spitze. Heute, wo man sich schon dar­über freut, wenn über­haupt mal wieder ein Verein dem FC Bayern über einen etwas län­geren Zeit­raum Paroli bieten kann, klingt das nach einem prallen Pot­pourri. Neben ihrer schieren Viel­falt wusste diese Spiel­zeit auch mit einer gewagten Plot­ent­wick­lung zu überzeugen. 

Wann kommt es schon vor, dass der Neunte der Vor­runde am Ende die Meis­ter­schaft feiert, wäh­rend der Herbst­meister noch auf Platz sieben durch­ge­reicht wird? Gleich­zeitig wurde das Jahr aller­dings ein Avant­gar­dist des modernen Bun­des­liga-Zeit­al­ters, waren es doch nicht der VfL Bochum oder der Karls­ruher SC, die ihm seinen Stempel auf­drückten, son­dern die als Retor­ten­klubs geschmähten Hof­fen­heim und Wolfs­burg. Und den­noch: ein Jahr voller Dramen und Skur­ri­li­täten. Vor­hang auf.

VFL WOLFS­BURG
4. JUNI 2007
Nach seiner Ent­las­sung beim FC Bayern im Januar 2007 findet Felix Magath end­lich Zeit, seinen Vater in der Karibik zu besu­chen. An seinem Domizil hat Magath kaum Han­dy­emp­fang. Er ver­bringt die Tage weit­ge­hend ohne Stör­ge­räu­sche aus Deutsch­land und ver­folgt das Bun­des­li­ga­ge­schehen eher peri­pher. Als beim Ein­kauf im nächst­ge­le­genen Ort das Telefon klin­gelt, ist die Nummer unter­drückt. Magath hebt ab und hört die Stimme von VW-Boss Martin Win­ter­korn. Der VfL Wolfs­burg sei auf der Suche nach einem Sport­di­rektor, ob er sich eine der­ar­tige Funk­tion vor­stellen könne? Am nächsten Tag besteigt Magath einen Flieger, der ihn über New York nach London bringt, von wo es im VW-eigenen Pri­vatjet nach Braun­schweig geht. Von Trainer Klaus Augen­thaler hat sich der VfL am Sai­son­ende getrennt, als um Haa­res­breite der Abstieg ver­mieden wurde. Als Magath vom ver­sam­melten Auf­sichtsrat gefragt wird, wen er als desi­gnierter Sport­di­rektor in dieser schwie­rigen Situa­tion als Coach holen würde, schmun­zelt er. Kurz über­schlägt er, welche Kan­di­daten auf dem Markt sind, und ant­wortet in der ihm typi­schen Art: Mich!“

BAYERN MÜN­CHEN
30. JUNI 2008
Als der neue Bayern-Trainer Jürgen Klins­mann die Mann­schaft zum Trai­nings­auf­takt bittet, hat er das erste Groß­pro­jekt seiner Ära bereits beendet. 15 Mil­lionen Euro hat der Verein inves­tiert, um das Gelände an der Säbener Straße in ein Leis­tungs­zen­trum nach seinem Gusto zu ver­wan­deln. Lounge-Möbel, neue Fit­ness­räume und ein E‑Lear­ning-Room“ sollen den Spie­lern den neu ein­ge­führten Acht-Stunden-Tag ver­süßen. Ein Ener­gie­feld“ wolle er auf­bauen, das den Spie­lern viel Spaß machen wird“, hat er ver­kündet. Ein von Klins­mann mit­ge­brachter Innen­ar­chi­tekt lässt Bud­dha­fi­guren im Funk­ti­ons­ge­bäude auf­stellen, die Erfolgs­schwin­gungen aus­senden sollen. Aus den USA hat der Coach Spe­zia­listen mit nach Mün­chen gebracht, doch weder der mexi­ka­ni­sche Co-Trainer Martin Vasquez noch der bra­si­lia­ni­sche Fit­ness­coach Mar­celo Mar­tins spre­chen Deutsch. Klins­manns Mantra: Wir wollen jeden Ein­zelnen jeden Tag ein Stück wei­ter­bringen, auf und außer­halb des Platzes.“ Er will alles ver­än­dern, am besten sofort. Bei der ersten Pres­se­kon­fe­renz im Amt lässt er mit­teilen, er sei all­er­gisch gegen Blitz­licht und das Kli­cken der Aus­löser störe ihn. Ein Eklat im medialen Treib­haus, in dem der FC Bayern seit jeher gedeiht. Und ein erster Riss im Ver­hältnis zu den Jour­na­listen, das sich nicht mehr ver­bes­sern wird.